Was tun, wenn einem mal wieder die Worte fehlen? Und fehlen einem die (richtigen) Worte nicht vor allem in Liebesdingen? Zwei Fragen, auf die der Film «Märzmelodie» eine Antwort gibt, und das auf wunderbar beschwingte Weise. Ein energisches «Ja» ist die Antwort auf Frage Zwei; für Frage Eins lautet der unwiderstehliche Tipp: «Singen». Das ist zwar, zugegeben, nicht eben ein Erkenntnisgewinn auf der Leinwand, man denke nur an die musikalische Liebeskomödie «Das Leben ist ein Chanson» vom französischen Altmeister Alain Resnais. Im deutschen Kino allerdings kommt die Einsicht einer kleinen Sensation gleich. So leicht, ohne seicht zu sein, hat sich eine deutsche Beziehungskomödie selten präsentiert. Sechs Figuren, deren Leben miteinander verknüpft ist, suchen das Glück, aber immer wieder, wenn es vor ihnen steht, wissen sie nichts damit anzufangen. Da ist das zentrale Paar des Films, Anna (TV-Star Alexandra Neldel) und Thilo (Jan Henrik Stahlberg). Sie: nicht eben souveräne Grundschullehrerin («SETZT! EUCH! HIN!»), er: Schauspieler, dessen beste Zeit – mit 35 – schon hinter ihm zu liegen scheint. Sie: resignierter Single, er: soeben verlassen worden, was er, wie so manch Elementares in seinem Leben, mitunter kurzzeitig vergisst. «Märzmelodie» ist moderne Großstadtstory und Märchen in einem und hält die Balance verblüffend gut. Das liegt vor allem daran, dass der Regisseur allen Figuren Raum und Individualität gibt, dass er sämtliche Situationen bis ins Detail liebevoll inszeniert, dass er mit feinem Gespür die im Alltag oft verdrängten Sehnsüchte ausfindig macht, dass er Bilder findet für die Realität und solche für kleine und größere Träume. Kleiner Wermutstropfen: Zwar hat Walz fantastische deutsche Musikstücke ausgewählt – darunter «Wie das Glas in meiner Hand» von Petra Pascal, ein lässig- rauchiger Schlager aus den 70ern, aber er spielt sie alle nur kurz an; bei Zarah Leanders «Nur nicht aus Liebe weinen» kommt der Refrain nicht einmal vor. Nur dem melancholischen Lied «Halt dich an deiner Liebe fest» von Rio Reiser gönnt er mehr Zeit – und prompt gerät die Szene mit dem weinenden Thilo unter dem verhangenen Nachthimmel von Berlin zu einer der schönsten des Films. Tamara Dotterweich
Appetithappen für Verliebte
Anna (Alexandra Neldel) ist eine sensible Grundschullehrerin, die beim schrillen Klang der Pausenglocke zusammenzuckt, Thilo (Jan Henrik Stahlberg) ein schüchterner Schauspieler mit Gedächtnislücken, der nebenbei im Call-Center Wein verkauft. «Die passen doch gut zusammen!», denken sich nicht nur wir Zuschauer, sondern auch ihre Freunde Valerie und Moritz und versuchen die beiden zu verkuppeln. Obwohl sie eigentlich selbst genug Probleme damit haben, ihre Gefühle füreinander über Jobund Nachwuchssorgen zu retten. Wer hier am Ende zusammen kommt (oder bleibt) ist – obwohl noch ein drittes Paar eingeflochten wird – keine Überraschung. Dennoch macht «Märzmelodie» von Martin Walz Spaß: Die Darsteller wirken natürlich und frisch, so dass man ihnen ganz automatisch die Daumen drückt, wenn sie sich wieder in eine dieser kringeligen Situationen manövriert haben, wo Mann und Frau beieinander sitzen und nicht genau wissen, was sie einander sagen können. Also fangen sie an zu singen: Kurze Playback-Schnipsel von Zarah Leander über Udo Lindenberg bis Rio Reiser, zu denen die Schauspieler die Lippen bewegen. Eine nette Idee, die vor allem als Gag funktioniert, mit der Virtuosität ,echter‘ Musicals aber wenig gemein hat. «Märzmelodie» ist ein luftiger Appetithappen für Pärchen und solche die es werden wollen: Ein Film, der Lust macht auf mehr. Mehr Musicals! Mehr Rio Reiser! Mehr... pet