Es beginnt mit einer Formsache: Der pensionierte Militärpolizist Hank Deerfield (Tommy Lee Jones) erhält die Nachricht, dass sein Sohn Mike - der gerade erst aus dem Einsatz im Irak zurückkam - sich seit drei Tagen nicht mehr in der Kaserne gemeldet hat. Wenn Mike nicht bald auftaucht, droht ein Disziplinarverfahren.
Doch der alte Spürhund wittert, dass da etwas nicht stimmt: Sein Sohn würde nie unerlaubt fehlen, er sei «ein guter Junge, der Demokratie in ein Dreckloch» (gemeint ist der Irak) gebracht habe. Also macht Hank sich auf die Suche nach dem verlorenen Sohn - aber die Spur führt ihn dorthin, wo die guten Jungs nicht hingehen sollten: In Oben-Ohne-Bars und zu mexikanischen Drogendealern. Und dann wird Mike entdeckt. Als zerstückelte verbrannte Leiche.
Polizei und Militär scheinen ratlos - wurde der junge Soldat Opfer eines Drogenkrieges - oder hat es etwas mit seinen Erlebnissen im Krieg zu tun, die nach und nach als verstümmelte Handyfilme zu dem immer geschockteren Vater vordringen? Unterstützung bei der Wahrheitssuche erhält Hank von der Polizistin Emily (Charlize Theron), obwohl die als alleinerziehende Mutter und einzige Frau in der Männerwelt der Polizei noch ganz andere Päckchen zu tragen hat ...
Paul Haggis, Autor und Regisseur des gefeierten «L. A. Crash» versucht in «Im Tal von Elah» sehr vieles gleichzeitig: Familiengeschichte, politischer Kommentar, Essay über sexuelle Demütigung von Frauen, Innenansicht des Militärs, Analyse des Apparates von Ermittlungen, Auseinandersetzung zwischen dem Ideal des ,guten Kameraden und der grausamen Wirklichkeit - und nicht zuletzt natürlich eine tragische Familiengeschichte.
Über all den vielen Fäden verliert er aber das Wichtigste aus den Augen: Die Spannung. Bald tritt die Ermittlung auf der Stelle und die Charaktere tun es ihr gleich - Susan Sarandon etwa bleibt als Mikes Mutter darauf reduziert, die großen Augen aufzureißen und zu weinen, während die Geigen mitjammern. Der Zuschauer hat derweil genügend Zeit und Hinweise, das Puzzle lang vor den Akteuren richtig zusammenzusetzen und womöglich sogar das - wenig überraschende - Schlussbild zu raten.
So wird aus «Im Tal von Elah» ein sehr ambitionierter, sehr ehrenwerter Langweiler. PETER ROMIR