Endlich ein Film, der hält, was der Titel verspricht: In «Delfine und Wale» zeigt Jean-Jacques Montello alle möglichen Meeressäuger hautnah und ohne Computertricks: «Zwölf Expeditionen, 600 Stunden unter Wasser und viel Geduld waren nötig», erzählt der Regisseur, der zur Premiere nach Nürnberg gekommen ist. «Denn die Tiere sind scheu und entscheiden selbst, wie nah sie kommen wollen.»
Und sie kommen ganz nah: Der fast dreißig Meter lange Finnwal, der ganze Fischschwärme mit einem Haps verspeist, die putzigen Delfine oder – der heimliche Star des Films – die Manati-Seekuh mit ihrer Haut wie aus altem Leder. Wenn die einen aus ihren sanften Knopfaugen anblickt, könnte man sofort zum aktiven Tierschützer mutieren.
Die sind auch vor Ort bei der Premiere im Cinecittà: Die Initiative «Delfinbefreier» hat einen Infostand vor dem Kino aufgebaut und sammelt Unterschriften für ein Volksbegehren, das Nürnberger Delfinarium zu schließen – mit großem Erfolg, denn die über 500 Plätze im Imax sind bei dieser Premiere alle belegt.
Regiseur Montello unterstützt solche Begehren, auch wenn er sich selbst eher als Beobachter denn als Aktivisten sieht: «Zoohaltung ist Gefangenschaft für Meeressäuger. Delfine, die sich per Echolot orientieren, sind in Betonbecken praktisch blind.» Das Argument, die Tiere seien Botschafter ihrer Art, lässt er nicht gelten: «Wenn man sie in den Irak bringen und in eine Zelle stecken würde... Wären sie dann Botschafter – oder Gefangene?»
Sein Film kommt ohne markige Töne und gruselige Bilder aus. Ganz sanft streut die Erzählerstimme von Martina Gedeck ihre umso eindringlicheren Warnungen ein. Vor allem die Kinder bestürmen Montello mit Fragen: Wie lang er gedreht hat (vier Jahre), wie tief er getaucht ist (bis zu 40 Meter) und wie er darauf kam, Unterwasserfilme zu machen: «Seit ich als Kind die Filme von Jacques Cousteau, dessen Sohn uns beraten hat, gesehen habe, liebe ich die Tiere.» Vielen kleinen Besuchern wird es nach diesem Abend genauso gehen.