Deutsches Kleinstadtdrama, hochklassig besetzt mit August Diehl, Dagmar Manzel, Devid Striesow und Fritzi Haberlandt.
Erstickt an einem «Liebesknochen»
Falsche Idylee: «Freischwimmer»
Vor vielen Jahren studierte David Lynch einmal in Österreich. Genau zwei Wochen lang. Dann, so erzählt man, entschied er, dass die romantische Berg-Idylle seiner düsteren Kunst nicht zuträglich sei und floh zurück ins heimische Amerika. Schade.
«Freischwimmer» von Andreas Kleinert kommt einem solchen FachwerkLynch ziemlich nahe: Es ist die Geschichte einer kleinen, freundlichen Touristenstadt und ihrer Menschen. Rico zum Beispiel, der wegen seines Hörgeräts und seiner Unsportlichkeit immer gehänselt wird. Vor allem vom Macho-Sportlehrer Sammer (Devid Striesow), der dummerweise auch noch der Liebhaber von Ricos Mutter ist, sowie von dessen Zögling Robert.
Den findet man eines Tages tot in der Umkleide-Kabine – erstickt an einem Sahne-Gebäckteil mit dem netten Namen «Liebesknochen». Unfall? Oder Gift? Die Pfarrerin (die sich sonst nur für Alkohol, Zigaretten und Männer interessiert) versucht zu ermitteln, aber Rico – einziger Zeuge von Roberts Tod – flieht zu seinem Lieblingslehrer Martin Wegner (August Diehl). Der will pädagogischen Fortschritt und scheint ganz angenehm. Doch was liegt da in seinem Keller? Wird nicht verraten!
Es macht Spaß, den Dorfbewohnern auf ihrer gruseligen Abwärtsspirale zu folgen und immer mehr Geheimnisse zu entdecken. Der ganze Film ist ein prächtiger Bastard aus schwarzer Komödie, Heimatfilm und Krimi – nie weiß man genau, was an der nächsten Ecke lauert. Doch immer überzeugen die elegant komponierten Bilder (die aber nie konstruiert wirken), das dichte Sound-Design und die Musik, sowie das großartige Ensemble.
Wie Lynchs «Twin Peaks» hat auch dieser Film eine fiese Schönheit, die einen immer mehr in den Bann zieht. Nur Sahnegebäck möchte man gleich danach nicht unbedingt essen.