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Friedliche Zeiten

Friedliche Zeiten
Genre: Drama, Komödie Land: Deutschland  2008
Von: Neele Leana Vollmar
Mit: Katharina Schubert, Oliver Stokowski, Nina Monka, Leonie Brill, Tamino Wecker
Musik: Thomas Mehlhorn
Produzent: Caroline Daube
Buch: Birgit Vanderbeke
FSK: 6
URL zum Film: www.friedlichezeiten.kinowelt.de

DAS MEINEN UNSERE KRITIKER
  

Was, wenn "der Russe auf den Knopf drückt"?

Filmkritik Logo NZStell dir vor, es herrscht Studentenrevolte und keiner geht hin. Schließlich haben manche Leute im Sommer 1968 auch noch andere Dinge zu tun, als das «kapitalistische Schweinesystem» zu bekämpfen. Wie zum Beispiel die eigene Mutter (Katharina Schubert), eine von der frühen Flucht aus der DDR immer noch tragikomisch traumatisierte Frau, an dem zu hindern, was sie aufgrund ihres chaotisch-paranoiden Naturells immer wieder prophezeit: «Bestimmt jung zu sterben» nämlich.
Keine leichte Aufgabe für die kaum zu Teenies gewordenen Schwestern Ute und Wasa (pointen-stark: Nina Monka, Leonie Brill) in der milden deutschen Familienkomödie «Friedliche Zeiten ». Zumal ihr hilfloser Vater (Oliver Stokowski) nicht zu seiner zwischen Ostalgie und Russenfurcht schwankenden Frau durchdringt. «Kette vor» ist deren Universalrezept gegen alle Bedrohungen von außen, seien es tratschende Nachbarinnen, der Warschauer Pakt oder in Form von Kaugummiblasen auftretende «amerikanische Sitten».

Außereheliche Fluchtbewegungen

Dass diese immer ein wenig mit Hysterie unterfütterte Abwehrstrategie nicht nur außereheliche Fluchtimpulse beim Ehemann auslöst, sondern auch bei den Kindern seltsame Ideen aufkeimen lässt, ist da nicht verwunderlich. Eine Scheidung muss her, beschließen die, denn nur so können die Anfälle der Mutter unter Kontrolle gebracht und die Eltern wieder miteinander versöhnt werden. Was dann auch funktioniert, aber anders als gedacht.
Der große komödiantische Wurf ist «Friedliche Zeiten » trotz dieser turbulent klingenden Ereignisse dann aber doch nicht. Dazu fehlt es dem durchaus sympathischen Film am nötigen anarchistischen Kick. Zu harmlos und lieb wirken die meisten Szenen, die immer nur dann Fahrt aufnehmen, wenn die Kinder den Ton angeben. Dann laden sich plötzlich herumschwirrende Erwachsenenausdrücke wie «der Russe», der ständig irgendeinen «Knopf drücken» könnte, im kindlichen Sprachgebrauch mit solch komischer Energie auf, dass man hinter dem nur netten Film (literarische Vorlage: Birgit Vanderbeke) einen möglichen Komödienkracher förmlich spüren kann.

Ralph Martin
Filmkritik Logo NNAuf familiärem Minenfeld

«Da kommen die Russen!»: Als Flüchtlinge aus der «Ost-Zone» sind Ute und Wasa Striesow (gespielt vom starken Mädchen-Duo Leonie Brill und Nina Monka) im Jahr 1968 die Außenseiterinnen in ihrer Grundschule – und das obwohl sie schon sieben Jahre im Westen sind.

Und auch zu Hause in der Etagenwohnung sieht es nicht rosig aus: Papa Dieter (Oliver Stokowski) geht jede Nacht auf Sauftour, Mutter Irene (Katharina Schubert) fühlt sich dagegen nur wohl, wenn «alle drin sind und die Kette an der Tür zu ist». Wenn die Kette mal auf ist, droht sie mit Selbstmord ...

So kann das nicht weitergehen, beschließen die Mädchen – eine Lösung scheint sich zu ergeben, als sie von den Nachbarinnen das magische Wort «Scheidung» hören. Nur wie sollen sie Mama und Papa so weit bringen? Sie hecken einen Plan aus ...

Politischer Bezug konstruiert

«Friedliche Zeiten» von Neele Leana Vollmar ist – schon wieder! – ein deutscher Film, der sich wortreich am Bild der ebenso dominanten wie depressiven Mutter abarbeitet. Wobei hier auch gleich noch ein politischer Bezug zur deutschen Teilung konstruiert wurde: Irene Striesow organisiert ihre Familie wie eine Diktatur (um ihre eigenen Ängste vor Krieg, Tod und Einsamkeit zu bekämpfen), ihr Mann probt den Ausbruch mit Kaugummi, Kino und Television. Naja.

Am besten gelungen sind die Szenen, welche dem Vater oder dem Mächenduo allein gehören und die viele nette Details aus der Epoche enthalten: Zum Rauchen trifft man sich im VW, vor der Schule ziehen die Mädels die Kniestrümpfe nach unten und die Röcke nach oben um «flotte Feger» zu sein.

Es mangelt an Distanz

Aber insgesamt fehlt den «Friedlichen Zeiten» doch reichlich die Distanz – gefangen in immergleicher schmeichelbrauner Super-8-Optik und süßlicher Fahrstuhl-Musik wächst auch beim Zuschauer bald die Sehnsucht nach einer Flucht aus dieser Spießerhölle. Auch Fans von Sängerin Meret Becker seien gewarnt: Die spielt zwar im Film mit (als Musiklehrerin) kommt aber nur etwa zwei Minuten lang vor. Und singen tut sie auch nicht.

pet
19.09.2008
  
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