Schon seit den späten 1980er Jahren ist eine Verfilmung des Anti-Superhelden-Comic «Watchmen» im Gespräch. Aber erst jetzt, unter der Regie von Zack Snyder («300»), wurde dieses Projekt als düsteres, pessimistisches, opulentes Werk umgesetzt, in dem noch die Spannungen zwischen den USA und der Sowjetunion im Mittelpunkt stehen.
Die Welt am Abgrund
Die «Watchmen«-Comics von Alan Moore und Dave Gibbons revolutionierten vor 20 Jahren das Genre. Regisseur Zack Snyder hat sie jetzt für die Leinwand adaptiert – und setzt vor allem auf Gewalt.
Ein bekanntes Bild: Eine Gruppe Hippies steht vor einem Bataillon Soldaten, die sie mit Gewehren in Schach halten. Ein Mädchen tritt vor und steckt eine Blume auf das auf sie gerichtete Bajonett. Kurz Stille. Dann feuern die Soldaten.
USA als Polizeistaat
Es ist das Jahr 1985. Richard Nixon ist noch immer Präsident der USA, die er in einen Polizeistaat verwandelt hat. Aufgebaut wurde sein Regime von den «Watchmen«, selbsternannte Superhelden – die in Wirklichkeit aber alle ziemlich erbärmlich, böse oder krebserregend sind und seit dem offiziellen Verbot von Superhelden vor dem Fernseher vergammeln oder von der Vermarktung ihrer eigenen Action-Figuren leben.
Bis eines Tages ein unbekannter Mörder einen der ihren tötet, woraufhin der maskierte Zyniker Rorschach (Jackie Earle Haley) versucht, die verbleibenden Watchmen auf Mörderjagd zu schicken. Doch die haben ganz andere Probleme: Ein Atomkrieg mit der UdSSR droht, den womöglich nur der radioaktiv veränderte Dr. Manhattan aufhalten kann...
Finsterer Gegenentwurf
Die«Watchmen«-Serie von Moore und Gibbons gilt als einer der selbstreflexivsten und komplexesten Comics der Geschichte – ein finsterer Gegenentwurf zu all den netten Spider- und Supermännern. Leider ist er nun in die Hände eines ausgesprochenen Grobmotorikers gefallen: Zack Snyder, Regisseur des digitalen Bodybuilder Epos’ «300«, interessiert sich kaum für Charaktere oder Geschichten, aber sehr für Blut und Gewalt. Er macht aus der interessanten Story-Vorlage eine quälende Abfolge von brutalen Gräueltaten, die im Gegensatz zum eingangs erwähnten Beispiel keinerlei satirisch-kritische Komponente mehr haben, sondern dem reinen Selbstzweck dienen: Gewalt als Schauwert.
So ist «Watchmen« ein weiteres erschreckendes Beispiel dafür, wie stark die Brutalität von Hollywood-Mainstream-Produktionen in den letzten fünf Jahren zugenommen hat. Was früher ein Nischenprodukt für ein handverlesenes – und volljähriges - Szene-Publikum gewesen wäre, bekommt heute eine Freigabe ab 16. Unverständlich!
...nie anschauen
Oder um es mit den Worten Alan Moores zu sagen: «Mein Buch wurde gemacht, um gemütlich am Kaminfeuer mit heißem Kaffee gelesen zu werden, wo man zurückblättern und sich Zeit lassen kann.« Den Film will Moore sich nie anschauen. Kluge Entscheidung.