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Fitnesstrainer müssen auch im Kopf fit sein

NZ-Talentcheck: Dualer Studiengang mit Bachelor-Abschluss - 16.07.2014 09:12 Uhr

Der 19-jährige Steffen Moritz macht eine Ausbildung im Nürnberger Fitness-Studio Blue Line. Daneben absolviert er ein Studium. © Eduard Weigert


Ein großer Raum: Vorne ist gerade eine muntere, kleine Gruppe beim Zirkeltraining, weiter hinten sind schon die Ersten bei Ausdauerübungen aktiv. Ein Stockwerk tiefer spielen Kinder. Sie werden betreut, damit ihre Mütter oben mit den anderen richtig loslegen können. Wir sind im Fitness-Studio Blue Line an der Nürnberger Edisonstraße. Neben Inhaber und Diplom-Sportlehrer Michael Kuhr achtet noch jemand darauf, dass die Bewegungen beim Training exakt ausgeführt werden: Steffen Moritz. Der 19-Jährige absolviert ein duales Studium zum Fitnesstrainer A-Lizenz und Bachelor of Arts in Europäischer Wirtschaftslehre.

Er arbeitet also bei Blue Line, während gleichzeitig ein Jahr lang über die private Bildungs-Akademie Safs & Beta verschiedene praktische Lehrgänge in den Studios Sportpark Nordwest in Fürth und im Scala Fitness Center in Lauf auf dem Programm stehen. In dieser Zeit wird zum Beispiel auch die Fitnesstrainer B-Lizenz erworben. Dann beginnt an der Europäischen Fernhochschule Hamburg das dreijährige BWL-Studium.

Bei Blue Line wird Steffen während der vier Jahre unter anderem zum Reha-Übungsleiter ausgebildet. Auch ansonsten lernt er hier alles, was für den Betrieb eines Fitness-Studios notwendig ist – von der Organisation bis zum Beschwerdemanagement. „Wir bilden breit gefächert aus“, betont Michael Kuhr und ergänzt: „Jemand, der ein duales Studium in Angriff nimmt, muss sehr diszipliniert sein. Es gibt weniger Präsenzzeiten an der Hochschule und – außer zwei bis drei Prüfungen pro Semester – auch nicht so viele Lernzielkontrollen. Das liegt nicht jedem.“

Michael Kuhr erwartet als Schulabschluss Abitur. Die Bewerber sollten außerdem in mehreren Sportarten fit sein. Noten interessieren den Diplom-Sportlehrer dagegen weniger. „Gute Zensuren sind kein Garant dafür, dass die Studenten viel Einfühlungsvermögen haben, kommunikativ sind und entsprechend mit den Kunden umgehen können.“ Das ist bei dieser Tätigkeit aber wichtig. Schließlich gilt es herauszufinden, welches Training der jeweilige Kunde braucht.

„Ich lasse die Studenten immer gleich zu Beginn einmal im Trainingsbereich alleine und sehe mir aus der Distanz an, wie sie mit den Menschen umgehen.“ Kuhr nimmt auch Quereinsteiger. „Wenn jemand schon eine Berufsausbildung hat, ist das auf keinen Fall ein Nachteil. Ich finde es außerdem gut, wenn junge Leute nach der Schule schon gejobbt haben.“

In Steffens Leben hat Sport immer eine große Rolle gespielt. Bereits mit sechs begann er mit Karate. Über die Jahre nahm die Begeisterung dafür jedoch ab. Laufen und Fahrradfahren wurde attraktiver, schließlich begann er mit Triathlon. „Und dann hatte ich den Wunsch, andere für Sport zu begeistern und sie fachgerecht zu betreuen“, so Steffen.

Sein Ziel heute ist, dass der Kunde sich gut aufgehoben fühlt. „Dazu braucht man viel Hintergrundwissen. Ich überlege mir genau, welche Methoden zum Beispiel beim Krafttraining zur jeweiligen Person passen. Das ist wichtig. Wenn jemand Rückenprobleme hat, kann man mit falschen Übungen viel kaputtmachen.“

Nach jetzt acht Monaten dualem Studium ist sich Steffen sicher: „Die Berufswahl war richtig.“ Der 19-Jährige liebt seine Schützlinge, geht achtsam mit ihnen um. „Ich bin ganz vorsichtig und frage immer, weshalb jemand so und nicht anders trainiert, wenn die Bewegung nicht richtig ist. Dann taste ich mich heran, versuche zu korrigieren und gemeinsam etwas Neues zu entwickeln.“ Meistens seien die Betroffenen dann ganz glücklich. „Das fühlt sich ja viel besser an“, habe ihn ein Kunde kürzlich gelobt.

Stolz ist Steffen auch darauf, dass er einen Marathonläufer, der sein Training abgebrochen hatte, wieder dauerhaft motivieren konnte. „Das ist ein schönes Gefühl. Wir wollen die Leute nicht nur überzeugen, dass Sport wichtig und gesund ist, sondern ihnen auch vermitteln, wie viel Spaß Bewegung machen kann.“

Man muss später nicht zwingend im Studio arbeiten

Zu seiner beruflichen Zukunft erklärt Steffen: „Heute weiß ich noch nicht, wo ich anschließend arbeiten möchte. Es bestehen viele Möglichkeiten: in einem Fitness-Studio, bei einer Krankenkasse, einem Sportartikelhersteller oder in einem Hotel – auch im Ausland. Da lasse ich mir Zeit.“

Blue Line übernimmt bei diesem dualen Studiengang übrigens nicht nur die Kosten für die Ausbildung, sondern zahlt auch eine Ausbildungsvergütung, die an die Tarife der Sport- und Fitnesskaufleute angelehnt ist (Auskunft bei der IHK).

Weitere Infos zum Beruf:

Michael Kuhr, 0911/6589732,

Mail: info@blue-line.net,

www.blue-line.net;

www.safs-beta.de/studium.html; www.euro-fh.de

  

Elisabeth Porzner-Reuschel

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