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Drei Premium-SUVs im Vergleich

Jaguar F-Pace, Volvo XC60, Mercedes GLC - 05.10.2017 22:42 Uhr

Mercedes GLC, Jaguar F-Pace und Volvo XC60: Was können die Premium-SUVs? © Hersteller


Beliebt sind sie weiterhin, die größeren SUVs. Daran hat sich auch wenig geändert, seit die Dieselversionen wegen der (bekannten) Manipulationen in der Kritik stehen. Die sparsamen Selbstzünder werden weiterhin gebraucht, und sei es nur wegen ihrer unbestrittenen Qualitäten als eine längerfristige Übergangslösung. Und so wird sich der Diesel bei mittleren und größeren SUV auch in absehbarer Zukunft als sparsame und CO2-günstige Motorisierung halten - vorausgesetzt, er ist mit SCR-Kat und AdBlue-Einspritzung (aus einem großem Tank) ausgerüstet.

Eine Bedingung, die alle drei Kandidaten unserer Gegenüberstellung erfüllen. Frisch auf dem Markt treffen Jaguar F-Pace und Volvo XC60 auf den etablierten Mercedes GLC. Angesiedelt sind die drei Kontrahenten in der gehobenen Mittelklasse. Zusammen mit dem Audi Q5 und dem Porsche Macan verstehen sie sich als Premium-Modelle, was sich auch im Preis von jeweils mehr als 50.000 Euro bereits für die Basisversion niederschlägt: Ab 52.860 Euro erhält der Kunde den Jaguar F-Pace 25d, für 52.600 Euro den Volvo XC60 D5 und ab 52.812 Euro den Mercedes GLC 350d - den einzigen Sechszylinder im Trio.

Mercedes GLC: Er ist ein etablierter Kandidat unter den Premium-SUVs der Midsize-Kategorie. © Hersteller


Jaguar und Volvo begnügen sich mit Zweiliter-Vierzylindern, die 240 und 235 PS leisten; beim Mercedes, dessen Hubraum drei Liter beträgt, sind es 258 PS, er hat aber 140 Newtonmeter mehr Drehmoment als der Volvo und 120 Nm mehr als der Jaguar. Derart gerüstet gefällt der V6 durch seine Laufkultur, den guten Durchzug und feinen Klang.

Das erste SUV von Jaguar

Mit dem F-Pace tritt erstmals bei Jaguar ein SUV an. Klar, dass man da einiges erwartet. Zunächst fällt seine pure Größe auf, er ist mit 4,73 Meter ein paar Zentimeter länger als seine Konkurrenten, aber vor allem fühlbar breiter, auch wenn es nur maximal fünf Zentimeter sind. Platz gibt es vorn genug, hinten reicht er auf straffen Polstern aus. In seinem massigen Heck bietet der F-Pace am meisten Raum für großes Gepäck, 650 bis 1.740 Liter sind es. Werden die Rücksitze genutzt, dann passen 100 Liter mehr als in den Mercedes hinein und 145 Liter mehr als beim Volvo. Die mögliche Zuladung könnte dagegen höher sein.

Der F-Pace fährt sich leichtfüßig. Dazu trägt auch die direkt ansprechende Lenkung bei. Wer adaptive Dämpfer für 1.520 Euro Aufpreis bestellt, steigert Fahrdynamik und Sicherheit. Doch die Federungsabstimmung erscheint nicht besonders harmonisch, sie steckt kleine Unebenheiten nicht so gut weg wie die beiden anderen. Noch etwas Feinschliff könnte der auch der Zweiliter-Motor vertragen. Er reagiert nicht eben spontan auf Gaspedaldruck und untermalt seine Arbeit in niedrigen Drehzahlen akustisch. Mancher wünscht sich auch, dass die Achtstufenautomatik im Zusammenspiel mit dem Motor noch mehr Fahrfreude vermittelt.

Was den Verbrauch betrifft, so liegt der Jaguar in der Praxis auf ähnlichem Niveau wie der Volvo, 7,9 l/100 km waren es im Schnitt, bei zurückhaltender Fahrweise knapp über sechs Liter Dieselkraftstoff. In dieser Disziplin schneidet der Mercedes, unter anderem seinem höheren Leergewicht geschuldet, mit durchschnittlich 8,3 Litern oder, ruhig bewegt, mit sechseinhalb Litern auf der Distanz ab.

Volvo XC60: Die Schweden haben ihr Erfolgsmodell eben erst frisch renoviert. © Hersteller


Wer bietet die beste Bedienbarkeit?

Bei der Bedienung muss sich der Umsteiger in den F-Pace an einige Eigenarten gewöhnen, sei es beim langsam reagierenden Schaltdrehknopf oder dem Multimediasystem. Da haben die beiden anderen die Nase vorn, besonders der GLC, dessen Cockpit und Monitor klarer und durchdachter wirkt. An den bei Mercedes üblichen Automatikwählhebel rechts am Lenkrad hat man sich inzwischen gewöhnt

Der Volvo XC60, der auf einer verkürzten Plattform des XC90 steht, macht in neuester Auflage eine gute Figur. Sei es beim Platzangebot, beim Sitzkomfort oder beim geschmeidigen Vierzylinder. Der Schwede stellt bei der Bedienung niemanden so schnell vor Rätsel, ausgenommen vielleicht beim Starter-Drehknopf und bei der Bedienung des Hochkantmonitors. Die Luftfederung bringt für 2.270 Euro Mehrpreis ein Komfortplus, zumindest bei mittleren und höheren Geschwindigkeiten. Wer besonders agil fahren will, dürfte wohl an der Volvo-Abstimmung weniger Gefallen finden. Lenkung und Untersteuern im Grenzbereich bewahren den Fahrer vor Übermut, erst recht der autonome Notbremsassistent (wobei die Zahl der Nothelferchen bei allen drei Kandidaten hoch ist).

Jaguar F-Pace: Wie seine beiden Konkurrenten arbeitet sich auch der Brite mit Allradantrieb durchs Gelände. © Hersteller


Allradantrieb sorgt für Wintertauglichkeit

Rundum souverän zeigt sich der Mercedes. V6-Motor, Neungangautomatik, Fahrkomfort (hier mit Luftfederung für 2.261 Euro), alles vom Besten in dieser Gruppe. Geräumig ist er auch, selbst im Fond erwartet Erwachsene ein guter Sitzkomfort. Nur bei den Bremsen (Bremsweg und ESP-Regelung) vermelden Automagazine Handlungsbedarf. Vom Fahreindruck her können die drei Premium-SUVs weitgehend überzeugen. Handling und Fahrspaß kommen vor allem beim F-Pace nicht zu kurz. Er fährt sich leichtfüßig um Biegungen. Da ist im Segment nur der Porsche Macan, dessen Einstiegspreis höher liegt, spürbar fahrdynamischer ausgelegt. Den Wendekreis empfindet man bei allen als zu groß. Der Allradantrieb der Kontrahenten im Test sorgt für besonders gute Wintertauglichkeit. 

Ingo Reuss

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