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Kellerkommando: Kärwa-Lieder und krachende Beats

Hier wird fränkische Volksmusik durch den Wolf gedreht, gesampelt und aufgepeppt - 23.07.2012 17:34 Uhr

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Die Geschichte vom Kellerkommando begann im tiefsten Urwald: Nur mit einem Tuch um die Hüften stand David Saam im Sommer 2009 als Mowgli in „Das Dschungelbuch“ auf der Bühne des Bamberger Kindertheaters „Chapeau Claque“. Singen sollte er auch. Doch weil es die Truppe aus rechtlichen Gründen ohne Ruhe und Gemütlichkeit (und die Original-Songs) probieren musste, waren neue Lieder gefragt.

Und so kam Sebastian Schubert ins Spiel. Der Bassist, HipHop-Produzent und passionierte Beat-Bastler komponierte die Songs und verstand sich auch musikalisch prächtig mit dem Akkordeon-Spieler David Saam – obwohl der eigentlich aus der Volksmusik kommt und mit Projekten wie „Kapelle Rohrfrei“ und „Boxgalopp“ bereits erste Erfolge feierte. Doch Saam ist auch ein Verfechter zeitgenössischer, innovativer Volksmusik, will sie von ihrem Mief befreien. Deshalb veranstaltet er seit 2003 den Bamberger „Antistadl“.

Mit Saam und Schubert fanden fränkische Kärwa-Lieder und HipHop-Beats zusammen. Der deutsch-russischen HipHopper Schokk garnierte die Volksmusik mit russischem Straßenrap. Mit Erfolg: Die Band gewann den renommierten Creole-Weltmusikwettbewerb. Die Konzertagentur Four Artists (Die Fantastischen Vier, Seeed, David Guetta) nahm die Truppe unter ihre Fittiche, die Plattenfirma Warner Music veröffentlicht das Debüt-Album Anfang 2013.

Rapper Schokk ist mittlerweile nicht mehr dabei – er feiert auch als Solo-Künstler Erfolge in Russland. Stattdessen reimt Ali A$, ein Münchner mit pakistanischen Wurzeln, deutsche Texte ins Mikro. „Die Leute freuen sich, dass sie jetzt mehr verstehen – Fränkisch ist ja schon exotisch genug“, schmunzelt David Saam.



Auf der vor kurzem erschienenen EP „Mondscheinbrüder“ lässt sich schon eine neue Marschrichtung erkennen, die deutlich mehr auf die Tanzfläche weist als zu Beginn. „Wir haben jetzt fetteren Sound, spielen mehr auf den Punkt“, meint David Saam. Die Stimme wird teilweise durch den Vocoder gejagt, Volksmusik- und HipHop-Teile fusionieren zu krachenden Beats.

Vor allem live ist das siebenköpfige Kellerkommando ein echtes Erlebnis – wenn auch ein derbes. „Und wenn mei Nachbar numoll sacht, ich hätt’s mit seiner Maad, dann steig ich übern Gaddnzaun und scheiß auf sein Salod“, singt Saam etwa in „Nachbar“. Noch heftiger wird es in „Kellerkommando mit Hut“: „Wenn ich auf des Bambercher Bier ned spei, wärch i no a Bizza nei, und an Big Mägg hinderher, fälld mer’s Speia goa ned schwer.“

Offenbar hat die Band damit einen Nerv getroffen. „Wir zeigen, dass fränkische Volksmusik nicht altbacken sein muss. Wir transportieren Franken ins dritte Jahrtausend“, meint Saam und verspricht fürs Bardentreffen eine außergewöhnliche Party mit viel Tanz.

Zu hören und zu sehen am Samstag um 21.30 Uhr auf der Insel Schütt. 

MARTIN MÜLLER

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