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Alpenquerung für Faule: Bequem übern Berg

Eine Wanderung vom Tegernsee nach Südtirol für jedermann muss gemütlich sein - 22.07.2017 08:00 Uhr

Am Achensee gibt es etliche Gelegenheiten, wo man die Wanderschuhe gegen die Badehose tauschen kann. © www.die-alpenueberquerung.com


Das Wetter zeigt sich von einer gnädigeren, trockeneren Seite, als uns der Bus von Mayrhofen im Zillertal hinauffährt zum türkis schimmernden Schlegeisspeicher. Wer es bis hierher geschafft hat, der hat ab Tegernsee über die Blauberge, den Achensee und weiter durchs Zillertal bereits über 70 Kilometer Fußmarsch und einige Tausend Höhenmeter hinter sich. Doch die Motivation ist groß, denn jeder hier wollte schon immer mal zu Fuß über die Alpen laufen.

Motiviert marschieren wir auf dieser vorletzten Etappe los, leicht ansteigend führt uns der Weg in den Zamser Grund hinein, rechts rauscht der Bach, links wachsen rote Alpenrosen. Zu beiden Seiten schützen uns die bis zu 3000 Meter hohen Zillertaler Alpen, von denen immer wieder Wasserfälle herunterprasseln. Junge Rinder verfolgen die Wanderer mit neugierigen Blicken.

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Georg Pawlata, unser Bergwanderführer, erklärt, dass die Kühe, obwohl wir noch in Tirol sind, keine "Österreicher" seien. Das Weiderecht an dieser Stelle gehört Bauern im italienischen Südtirol auf der anderen Seite. Das ist schon seit Jahrhunderten so, weil südlich des Alpenhauptkamms früher viel mehr Menschen wohnten als auf der Nordseite und sie sich dort neue Weidegründe erschlossen.

Und so kommen wir auch schon bald zur Lavitz-Alm, zu der die Rinder gehören. Dort könnten wir frische Milch oder Buttermilch trinken, doch schon drohen die nächsten dunklen Wolken. "Gemma weiter", meint Georg, "vielleicht schaffen wir's noch bis zum Pfitscherjochhaus, bevor ein Gewitter aufzieht." Der 43-jährige Geograph aus Innsbruck hatte die Idee, dass es neben den anspruchsvollen Touren über die Alpen - wie den berühmten E 5 von Oberstdorf nach Meran oder den Traumpfad München-Venedig - doch auch gemütlichere Wege über die Berge geben müsste. Auch durchschnittlich trainierte und nicht so schwindelfreie Wanderer sollten in diesen Genuss kommen. Drei Jahre tüftelte Georg an einer passenden Route herum, studierte Karten, ging selbst verschiedene Wege, bis endlich 2013 "Die Alpenüberquerung" geboren war.

Fast jeder kann diese Tour meistern

Seitdem wächst die Fangemeinde dieser Route beständig. Von der Familie mit Teenagern über Paare und Frauengruppen mittleren Alters bis hin zu betagten Senioren haben schon Tausende diese Tour gemacht. Dabei muss man sein Gepäck nicht selbst tragen, es wird von Ort zu Ort gefahren. Und man muss sich auch kein Matratzenlager auf vollen Hütten teilen, sondern schläft in Drei- und Viersternehotels entlang der Route. Das "Wandern mit Genuss" steht im Mittelpunkt der Alpenüberquerung, die man als geführte Tour oder auch individuell buchen kann.

Das mit dem Genuss bewahrheitet sich sogleich. Als wir die italienische Grenze am Pfitscherjoch bei Schneesturm überqueren, freuen wir uns auf die warme Stube im 2275 Meter hohen Pfitscherjochhaus. Der Wirt dort serviert uns Hütten-Makkaroni. Dazu lassen wir uns den Süditroler Grünen Veltliner schmecken.

Georg erzählt von den Zeiten, als hier noch Schmuggler zwischen Italien und Österreich unterwegs waren. Nach einem Cappuccino scheint auch bald wieder die Sonne und gibt den Blick frei auf die Berge, während wir 850 Höhenmeter nach unten ins Pfitscher Tal laufen.

Am Pfitscherjoch geht es von Tirol hinunter nach Südtirol. © Elke Bodendörfer


Dort ist die Zeit stehen geblieben. Bergbauern mähen mühevoll mit der Sense die steilen Hänge. Auf den verwitterten Holzbalkonen der Bergbauernhöfe leuchtet der Blumenschmuck in knalligen Farben. Auf den Wiesen wachsen noch ganz viele duftende Wildkräuter. Ein Ort, an dem man gerne lange verweilen möchte. Doch wir haben noch einige Kilometer zu gehen, bis wir in Kematen in unserem Hotel in der Sauna die müden Muskeln wieder auf Vordermann bringen können.

Aber alles halb so wild: Die sieben Etappen sind zwischen elf und 22 Kilometer lang, und bei keiner Etappe sind mehr als 900 Höhenmeter zu bewältigen. So begeben auch wir uns am nächsten Tag auf die letzte Etappe gemütlich hinunter durchs Pfitscher Tal nach Sterzing, der pittoresken nördlichsten Stadt Italiens, wo es dann in der Tourismus-Info ein original Alpenüberquerer-T-Shirt gibt. Und zwar nur da. Auch der letzte Stempel ins Alpenüberquerer-Heftchen kann dort eingetragen werden.

Wir treffen ein Ehepaar aus dem Hunsrück wieder, das wir schon am Pfitscherjoch kennengelernt haben. "Auf den letzten Kilometern hab ich fast zu heulen angefangen", meinte die Frau mittleren Alters, so bewegt war sie, dass sie die Alpenüberquerung selbst geschafft hat.

Mehr Informationen:
www.die-alpenueberquerung.com
sowie bei der Alpenregion Tegernsee Schliersee, www.tegernsee-schliersee.de, die zusammen mit den anderen genannten Regionen an der Strecke diese Reise unterstützt haben. 

Elke Bodendörfer

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