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Auf Griechenlands Halbinsel Athos ist alles Männersache

Nicht einmal weibliche Haustiere sind in der Mönchsrepublik erlaubt - 09.09.2017 08:00 Uhr

Die Klöster auf Athos liegen oft hoch oben am Berg, hier vom Meer aus fotografiert. © Georg Klietz


Am Herd ist der griechische Mönch Nikitas ganz in seinem Element. Ob er für seine rund 100 Mitbrüder im Kloster oder für bis zu 2000 Gäste kocht, ob er mit interessierten Küchenchefs Kräuter sammelt und ihnen zeigt, wofür sie im Kloster die Blätter und Stängel der Heilpflanzen verwenden - Nikitas ist mit Herz und Seele bei der Sache: "Die Kochkunst verbindet die Menschen. Sie ist ein Symbol der Liebe."

Im fast 900 Jahre alten orthodoxen Kloster Koutloumousiou ist der 43 Jahre alte Nikitas für die Küche und den Fischfang zuständig. An einem Abend im Juni hat er jedoch sein ruhiges Zuhause verlassen und ist in den quirligen Hafenort Ouranoupoli gekommen, um im Rahmen des "Kouzina Kochfestivals der Region Athos" Gästen und Touristen vorzuführen, was in den Klöstern jenseits der mit Stacheldraht bewehrten Grenze auf den Tisch kommt.

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Die Küche der Mönche unterscheidet sich in einigen Punkten von der übrigen griechischen Küche. Gyros und Souvlaki wird man hier vergeblich suchen. Die gottesfürchtigen Männer essen kein Fleisch und keine Milchprodukte, dafür aber Fisch und Meeresfrüchte, die sie aus den ungewöhnlich klaren Gewässern rund um Chalkidiki fischen. Olivenöl ist wichtiger Bestandteil vieler Speisen, allerdings steht dreimal pro Woche "Ölfasten" auf der Tagesordnung. Gemüse und Hülsenfrüchte, Obst, Wein und Brot bestimmen darüber hinaus den Speiseplan.

Die Basis vieler mönchischer Gerichte ist eine Zwiebelpaste, die es in dieser Form nur in der Athos-Küche gibt: Große Gemüsezwiebeln werden halbiert und bei milder Hitze in wenig Wasser weichgekocht und anschließend püriert und kaltgestellt.

Sämiger Fischeintopf vom Mönch serviert

Beim Kouzina-Festival führt Athos-Mönch Nikitas vor, wie das mit der Zwiebelpaste funktioniert: Er legt in seinen breiten Topf grob zerkleinerte Artischocken und Schellfisch. Darüber verteilt er mehrere Löffel voll pürierte Zwiebeln und einige halbierte Knoblauchzehen. Dann wird Wasser vorsichtig in den Topf gegossen und zwar so, dass es mit der Zwiebelpaste nicht in Berührung kommt. Jetzt kommt das Ganze zugedeckt auf den Herd und wird auf großer Flamme in einer halben Stunde gargekocht. Zum Schluss wird mit Salz und Kräutern abgeschmeckt. Voilà - der würzige, sämige Fischeintopf "Agioritikos" ist fertig - und schmeckt köstlich.

Am nächsten Morgen nimmt Nikitas denselben Weg zurück in die Mönchsrepublik wie einige Dutzend Pilger. Einmal am Tag um Viertel nach neun legt ein Schiff in Ouranoupoli ab und bringt sie zum einzigen Hafen der Halbinsel.

Nikitas hat sein Leben ganz dem Dienst an Gott verschrieben. Gut, dass dazu nach der Auslegung seines Ordens auch das Kochen gehört. © Georg Klietz


Die Pilger haben ihr "Diamontirion" in der Tasche, jenes begehrte Dokument, das sie nach einer wochenlangen Anmeldeprozedur im Pilgerbüro ausgehändigt bekommen haben. Ohne dieses Schriftstück darf man niemand seinen Fuß auf den Athos setzen.

Auch wenn nur wenige die Mönchsrepublik jemals besuchen, so spielt sie in der Region Athos und auf der ganzen nordgriechischen Halbinsel eine wichtige Rolle - und nicht nur, weil "die Menschen hier religiöser sind als anderswo", wie es der Radiomoderator Aimilios Tsarouchas aus Thessaloniki formuliert. Die abgeschottete Halbinsel ist eine der Hauptattraktionen der Region - gerade weil man sie nicht ohne weiteres betreten darf.

Ausflugsschiffe fahren an der steilen Küste der Mönchsrepublik entlang und lassen die Touristen aus 500 Metern Entfernung einen Blick auf die teils hoch in die Felsen gebauten Klosteranlagen werfen und auf den Heiligen Berg: Der Athos ragt 2033 Meter aus dem Meer auf, ein massiver Kegel, den häufig kleine Wolken umwehen.

Unermessliche Kunstschätze hinter dicken Mauern

20 orthodoxe Klöster gibt es noch auf der Halbinsel, 17 davon sind griechisch-orthodox, ferner je ein russisch-, serbisch- und bulgarisch-orthodoxes. Gut 1600 Mönche leben hier; vor hundert Jahren waren es noch über 7400. Nach einem Tiefststand in den 1970-er Jahren steigen die Zahlen wieder langsam an. Unermessliche Kunstschätzen liegen angeblich hinter den Klostermauern, darunter zahlreiche Handschriften und das weltweit größte Stück vom Kreuz Christi.

Wer einmal einen Einblick ins klösterliche Leben bekommen möchte, kann an der Pforte des Klosters Evangelismos tis Theotokou in Ormylia (auf halbem Wege zwischen Thessaloniki und Athos) klopfen und um Einlass bitten. Vielleicht bekommt er sogar die traditionelle Begrüßung: ein Tsipouro (Tresterschnaps), weil er gegen das Schwitzen hilft; ferner einen Kaffee, weil er belebt, und schließlich Loukoumi, eine klebrige Süßigkeit, die dem müden Wanderer wieder Kräfte verleiht.

Dieses Schild weist darauf hin, dass dahinter die Mönchsrepublik beginnt. Wehe dem, der die Grenze unerlaubt überschreitet. © Georg Klietz


Schwester Katharina lebt lange im Kloster in Ormylia und kennt die Geschichte dieses Ortes. Vor gut 40 Jahren übernahmen einige, aus dem Gebiet der Meteoraklöster kommende Nonnen das heruntergewirtschaftete Anwesen und bauten Stück für Stück ihr Kloster auf. Heute leben und arbeiten mehr als 100 Nonnen hier. Haupteinnahmequelle sind die zum Kloster gehörenden Olivenbäume. Daneben lebt die Gemeinschaft vor allem von Spenden.

Schwester Katharina stammt aus Leipzig. Als junge Frau war sie auf der Suche nach Spiritualität mit dem orthodoxen Glauben in Berührung gekommen und wenig später nach Griechenland ausgewandert. Wenn sie von ihrem klösterlichen Alltag erzählt, von der Arbeit und dem Gebet, dann strahlen ihre Augen vor Glück.

Es ist eine abgeschottete Welt. Was in der Welt draußen vor sich geht, erfahren die Nonnen immerhin ab und an von den Besuchern.

Mehr Informationen:
Griechische Zentrale für Fremdenverkehr
www.visitgreece.gr, die diese Reise unterstützt hat.
Tel.: 069 257827 0 

Georg Klietz

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