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Auf Martinique trinken sie Rum zum Baguette

Die französische Karibikinsel vereint zwei Kulturen - 31.08.2017 08:00 Uhr

Martinique hat auch wunderschöne Karibikstrände, hier Plage des Salines. © David Giral


Stockfischbällchen ("Accras") mit pikanter Sauce folgt französische Stopfleberpastete (Foie gras). Zum Hauptgang gibt es Wolfsbarsch mit einem Gratin der Yamswurzel und als Dessert eine Crème Brûlée oder in Rum flambierte Bananen, dazu Mini-Pâtisserien. Ganz klar, dass hier zwei Kulturen zusammenfinden. Wir haben aber noch mehr erstaunliches entdeckt.

Gelernt hat sie ihr Handwerk "auf dem Kontinent", wie sie sagt, nämlich in der renommierten Kochschule Ferrandi in Paris - gut 6800 Kilometer von ihrem Heimatort entfernt. Claire Marie ist Französin, aber das französische Festland ist weit weg. Die 42-Jährige kommt aus Martinique, einem Überseegebiet in der Karibik. Dorthin ist sie nach vielen Lehrjahren in Paris zurückgekehrt. In ihrem am Wasser gelegenen Haus, umgeben von Mangroven und üppigen Pflanzen, hat sie Gästezimmer eingerichtet. Außerdem bietet Claire Marie Dubois hier Kochkurse für Inselbewohner und Touristen an, auch in englischer Sprache.

Ihre Erfahrungen erklären jenen reizvoll-exotischen Mix der Einflüsse in ihrer Küche. "Auf meinem Tisch möchte ich die für Martinique so typische Großzügigkeit mit der französischen Präzision und Technik verbinden", sagt sie.

Ein Erbe der Sklaverei

Die einstigen Kolonien, zu denen auch das benachbarte Guadeloupe oder die Insel La Réunion im Indischen Ozean gehören, haben ihre eigene Kultur und Lebensart. Inzwischen ist Kreolisch hier auch offizielle Sprache und kann an der Universität studiert werden, doch Frankreich verbot zeitweise diese einstige Ausdrucksweise der Sklaven. Deren Nachfahren vermieden sie lange, um sich perfekt zu integrieren und keine Benachteiligung zu erfahren.

Bunte Häuser unter Palmen in Fort-de-France. © Oliver Timmermann


Überhaupt: Die Gleichberechtigung der Bewohner früherer Kolonien, die sich oft von Paris vernachlässigt fühlen, ist noch immer ein sensibles Thema. Erst spät hat Frankreich seine blutige Kolonialgeschichte aufgearbeitet. Heute wird sie von Museen wie der "Savane des Esclaves" oder der Fondation Clément - einem Landgut mit einer ehemaligen Plantage, das Sammlungen zeitgenössischer Kunst zeigt - thematisiert.

Entdeckt wurde Martinique 1502 von Christoph Kolumbus. Seit Frankreich es 1635 kolonialisierte und innerhalb von drei Jahrzehnten die einheimische Bevölkerung ausgerottet hatte, blieb die Insel der Kleinen Antillen bis auf kurze Phasen fremder Besatzung französisch. Heute gehört sie als Übersee-Département und Region zur EU. Bezahlt wird mit dem Euro, die Schulbücher und Polizeiuniformen sind dieselben wie auf "dem Kontinent". Knuspriges Baguette und Croissants, für die Frankreichs Bäcker zu Recht berühmt sind, gibt es ebenfalls.

Überall wird Rum in allen Variationen und Mischungen verkauft. © Birgit Holzer


Großes Vorzeige-Produkt und Nationalgetränk zugleich bleibt allerdings der Rum - "der weltbeste", wie Aurélie Bapté von der Distillerie J.M. versichert. Grund: Dieser "Rhum Agricole", den ein AOC-Herkunftssiegel schützt, wird nicht aus der Melasse von Zuckerrohr gewonnen, sondern aus frisch gepresstem Zuckerrohrsaft. "Wir benutzen unseren eigenen puren Rohrzucker, den wir rasch verarbeiten. Das ist der große Unterschied zum meist industriell produzierten Rum anderswo auf der Welt", erklärt die 30-Jährige. "Zwar produzieren wir auf Martinique weniger als ein Prozent des weltweiten Rums. Aber Sie schmecken den Unterschied", verspricht sie. Die einzelnen Schritte der aufwändigen Herstellung können Besucher in einem Rundgang nachvollziehen - vor der obligatorischen Verkostung. Inzwischen klappern Liebhaber die Destillerien der Insel auf einer "Rum-Route" ab.

Direktflug ab München

Martiniques Haupteinkünfte stammen aus dem Tourismus und der Landwirtschaft. Jährlich werden rund 200 000 Tonnen Bananen und 20 Millionen Liter Rum verkauft. Kamen 2015 noch 790 000 Touristen, möchte die Insel die Zahl bis 2020 auf eine Million erhöhen. Die meisten sind Franzosen vom Festland, doch es sollen auch mehr Deutsche kommen. Darum fliegt Condor in der Hauptsaison ab Anfang November nun auch direkt ab München an die tollen Strände im trockenen Süden.

"Doch auf Martinique kann man noch mehr entdecken", wirbt Philippe Rotin, Chef-Concierge im Hotel "French Coco". "Pflanzen und Tiere, Vögel und Sterne, tolle Wanderwege, Feste, Kulturerbe, Wellness, gutes Essen, nicht zu vergessen der Rum."

Im Norden ist die Natur tropisch, hier liegen Urwald und Berge. Der höchste ist mit 1397 Metern der Vulkan Montagne Pelée, der 1902 zuletzt ausbrach und mehr als 30 000 Tote forderte. Die Stadt Saint-Pierre, einst mondänes Zentrum, wurde ausgelöscht. Zurück blieb ein Fischerdorf, in dem Ruinen ans Grauen erinnern.

Wirtschaftliches Zentrum ist die Hauptstadt Fort-de-France, wo sich Häuser in karibischem, modernem und im Kolonialstil aneinanderreihen. Hier steht eine Statue von Joséphine de Beauharnais, der berühmtesten Tochter der Insel: Die Eltern der ersten Frau von Napoleon Bonaparte hatten dort eine Zuckerrohrplantage. Weil sie sich ein Leben ohne Sklaven nicht vorstellen konnte, führte Joséphines Mann, der Kaiser, 1802 die Sklaverei wieder ein, obwohl die französische Konvention acht Jahre zuvor deren Abschaffung beschlossen hatte. Das erklärt, warum Joséphines Statue der Kopf fehlt: Unbekannte haben ihn 1991 abgeschlagen. Es handelte sich wohl um einen nachträglichen revolutionären Akt - man ist hier schließlich in Frankreich.

Mehr Informationen:
Atout France
http://de.france.fr
die diese Reise unterstützt hat.

Die Küche von Claire-Marie: www.lacuisinedeclairemarie.com

Steckbrief: Die Karibik-Insel Martinique gehört zu den französischen Überseegebieten und zählt rund 400.000 Einwohner. Sie erstreckt sich auf ca. 70 Kilometer Länge und 30 Kilometer Breite. Bezahlt wird mit dem Euro und Besucher aus der EU können ohne Visum einreisen, Personalausweis genügt. Impfungen sind nicht notwendig, lediglich Mücken- und Sonnenschutz. Aufgrund der angenehmen Temperaturen um 28 Grad ist die Wintersaison zwischen November und April ist Hauptreisezeit.

Anreise: Mehrere Fluggesellschaften bieten Direktflüge vom Pariser Flughafen Orly aus an. Vom 4. November bis zum Frühjahr fliegt Condor außerdem vom Flughafen München aus jeden Samstag direkt nach Martinique. Erreichbar ist es über den internationalen Flughafen Aimé Césaire erreichbar, 12 Kilometer außerhalb der Hauptstadt Fort-de-France.

Quartier: Eine hochklassige Unterkunft mit Pavillons inmitten von üppiger Pflanzenpracht, guter Küche und in unmittelbarer Nähe zum Strand ist das Vier-Sterne-Hotel „French Coco“, Mitglied der Small Luxury Hotels of the World. Nachts auf den Sternenhimmel kann man in einer der vier transparenten, aufblasbaren Gästezimmer der „Domaine des Bulles“, einer ökologischen Unterkunft mit garantierter Naturnähe.

Ausflugstipps: Glutenfreie Kochkurse in französischer oder englischer Sprache lassen sich bei Claire Marie Dubois reservieren. Ausflüge auf dem Meer mit Schnorcheln, Aperitif oder Dinner bietet Xavier Suivant an. Die Fondation Clément zeigt eine Sammlung zeitgenössischer karibischer Kunst, eine ehemalige kreolische Plantage und Rum-Distillerie. In der Distillerie JM können Besucher die Herstellung des Rhum Agricole Schritt für Schritt nachvollziehen – und das Ergebnis danach verkosten. 

Birgit Holzer

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