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Auf Safari in Botswana: Jetzt aber weg hier

Vorsicht ist stets ein guter Ratgeber im afrikanischen Busch - 08.09.2018 08:00 Uhr

Wenn ein Flusspferd wie hier im Okavango-Delta sein Maul weit aufreißt, ist das eine Warnung an Eindringlinge. Die so behäbig wirkenden Tiere sind unberechenbar und blitzschnell. © Bushways / dpa


Wir sind gewarnt: "Wenn ihr nachts vor dem Zelt zwei gelbe Augen seht", sagt Jeanette, unsere Schweizer Reisebegleiterin, "ist`s ein Löwe". Und unser einheimischer Führer Ed legt nach: "Geht nach Sonnenuntergang nie allein auf die Busch-Toilette; nehmt immer jemanden mit, der mit der Taschenlampe die Umgebung ausleuchtet." Schon zuhause hatten wir im Internet ähnlich gute Ratschläge gefunden: Nicht zu erschrecken zum Beispiel, wenn man in einer kühlen Nacht plötzlich etwas Dickes und Warmes an der Zeltwand spürt – ist ja nur ein Löwe, der Wärme sucht . . .

Eine Safari für Fortgeschrittene führt uns von Südafrika quer durch Botswana zu den Victoria-Fällen nach Simbabwe und wieder zurück nach Johannesburg. Dabei wohnen wir auch in ungeschützten, weil nicht umzäunten und selbst aufgebauten Camps. In Zelten mit einfachen Pritschen und mit Essen vom Lagerfeuer, an dem abends Safari-Latein gesponnen, ein Bierchen der Marke "Windhoek" getrunken, um spätestens Neun zu Bett gegangen und um Fünf wieder aufgestanden wird.

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Der erste Tag im botswanischen Nationalpark Savuti ist anstrengend — nach hunderten Kilometern auf holprigen, überschwemmten Schlaglochpisten. Und wer dachte, dass die Warnungen der Safari-Experten bloß ein Scherzchen waren, kommt bald ins Grübeln: Dutzende Elefanten kreuzen den Weg, Hyänen heulen – und da ist eine Löwenfamilie, die in der Dämmerung vor sich hindöst.

Nicht weit davon ist das Camp, das die Begleit-Crew für die nächsten vier Tage aufgebaut hat: Ein großes Küchenzelt, fünf Schlafzelte, eine Camping-Dusche und als Highlight die Busch-Toilette: Ein Campingstuhl mit einer hölzernen Klobrille darauf und einem selbst gegrabenen Loch darunter. Statt Spülung gibt’s einen Spaten – tagsüber kein Problem. Nachts verkneift sich jeder den Gang und greift im Notfall zur Bettflasche.

Schleicht da etwa was ums Zelt?

Und natürlich spitzt jeder im Schlafsack die Ohren. Hat da nicht was in der Nähe gebrüllt, schleicht da nicht etwas ums Zelt? Nach einem Viertelstündchen schläft trotzdem jeder ein, und am nächsten Morgen sind noch alle da. So geht das jeden Tag, und in den Zelten sind wir sicher.

Mit jeder Begegnung schwinden Ängste: Zu sehen, wie eine Herde Gnus entspannt nur 50 Meter entfernte Löwen beäugt und bei deren erster Bewegung davonsprintet, beruhigt. Und Löwen live beim Liebesspiel zu beobachten, ist nicht nur ein einmaliges Erlebnis, sondern auch Anlass zu hier nicht auszubreitenden Kommentaren: Immerhin wird er, um garantiert den Eisprung der Auserwählten zu erwischen, fünf Tage lang ungefähr alle 30 Minuten aktiv – allerdings nur für jeweils wenige Sekunden.

Wieder mal warm duschen und in bequemen Betten schlafen: das dürfen wir in der "Elephant Sands-Lodge", die um ihre Großzelte spitze Betonklötzchen gruppiert hat. Sicherheitshalber, denn die Lodge ist ums Lieblings-Wasserloch der Elefanten gebaut, ihre Pfade gehen durch die Anlage. Wer die Warnschilder "Elefanten haben Vorfahrt" sieht, mag erst mal darüber lächeln. Wenn ihm auf dem Weg von der Bar zum Bett aber wirklich ein Elefantenbulle begegnet, sind die Verkehrsregeln klar: Wer mag schon zwei Meter langen Stoßzähnen und sechs Tonnen Fleisch die Vorfahrt streitig machen.

Verkehrsknotenpunkt: An einer Mokoro-Sammelstelle liegen zahlreiche Einbaum-Boote, mit denen sich die flachen und teilweise sehr schmalen Wasserwege im Delta befahren lassen. © Christiane Schulte / dpa


Viel Respekt sollte haben, wer statt des "Game Drive" im sicheren Jeep zum "Game Walk" aufbricht, zur echten Wanderung durch den Busch. Man ist vorsichtig, bestimmt und folgt Spuren; man prüft, wie alt sie und der Kot der Tiere sind und plant den Weg entsprechend. Cedrik, unser Führer im Okavango Delta, nennt das "die Busch-Zeitung lesen", und er kennt sie fast auswendig. Die Python gleich neben unserem Pfad, die keiner entdeckt hätte, sieht er sofort; den Weg des noch weit entfernten Elefanten zu den nahen drei Bäumen mit leckeren Marula-Früchten sagt er exakt voraus. Also Deckung nehmen, die Windrichtung checken und rechtzeitig verschwinden. Denn Elefanten verstehen bei Marulas keinen Spaß, und sie sind bis zu 40 Kilometer pro Stunde schnell.

Unberechenbare und gefährliche Sprinter sind auch die so behäbig daherkommenden Flusspferde. Im abgelegenen Pepere-Camp, erreichbar erst nach drei Stunden Schnellboot-Fahrt im Okavango-Delta, haben sie sich das Flussufer und ein paar Trampelpfade durchs Lager reserviert. Ihnen beim nächtlichen Plantschen und Grunzen zuzuhören, macht Spaß — die großen Zelte stehen auf massiven Stelzen, die kein Flusspferd je kleinbekommt.

Aus Elefantendung Trinkwasser herauspressen

Den Hippos verdanken wir schmale Furten durch die Sümpfe im Okavango, die sich mit dem Mokoro durchfahren lassen – dem seit Urzeiten benutzten Einbaum-Boot. Es gleitet durch meterhohes Papyrus-Schilf, über Teppiche blühender Seerosen, begleitet nur vom leisen Plätschern sanfter Wellen. Das geballte Naturerlebnis macht derart Eindruck, dass manche bereits geplante Hubschrauberflüge übers Delta absagen. Deren Lärm, der Vögel aufscheucht, Paviane, Elefanten und Flusspferde verstört, passt nach dem Erlegnis einfach nicht mehr.

Lieber sehen wir noch, wo und wie Elefanten schlafen. Und wie man aus ihrem Dung notfalls Wasser auspresst, um in Trockenzeiten zu überleben. Eine Kunst, die auch das Volk der San, der Ureinwohner des südlichen Afrikas, meisterlich beherrscht.

In der Kalahari-Wüste gehen wir mit drei San auf Erkundungstour: Unaussprechliche Namen wie Nqamxho Xgaiga und Qqoe Magu haben sie, die X und Q stehen für Knall- und Zischlaute. Doch ihr Wissen über die Natur beeindruckt jeden: Aus dieser Wurzel lässt sich Wasser gewinnen, aus der eine Medizin gegen Skorpion-Bisse oder Menstruationsbeschwerden; dieses Blatt taugt zum Färben von Kleidern, jenes als eine Art feuchtes Toilettenpapier. Wir sind baff und ein wenig beschämt, weil unsere Zivilisation all das nur mit Chemie und endlos viel Abfall schafft.

Mehr Informationen:
Afrikascout, www.afrikascout.de
und Turkish Airlines, www.turkishairlines.com/de-de.
Beide haben diese Reise unterstützt.

  

Joachim Hauck

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