Dienstag, 13.11.2018

|

zum Thema

Hawai‘i: Am Ziel aller Träume

Der Pazifikarchipel ist ein Sehnsuchtsort für Menschen aus aller Welt - 01.09.2018 08:00 Uhr

Auf einem Hügel im Park in Honolulu direkt am Pazifik entstehen aus japanischer Sicht perfekte Hochzeitsfotos. © Gudrun Bayer


Den Busfahrern, die gerade ihre morgendliche Ladung Touristen auf dem Gipfel des Vulkans Haleakala abgesetzt haben, ist das Sonnenaufgangs-Spektakel in 3000 Metern Höhe egal. Sie sitzen in dicken Jacken auf Klapphockern beieinander, wärmen ihre Hände an Tassen, in denen heißer Kaffee dampft, und tratschen darüber, ob ihr neuer Kollege ein echter Hawai‘ianer ist; "pure Hawai‘ian", wie sie es formulieren.

Ihr Gesprächsstoff überrascht in einer Gegend, die doch gerade durch einen unglaublich zutatenreichen Mix aus Nationen und Kulturen geprägt ist. Durch entspannte Vielfalt; durch lässiges Miteinander; durch Achtung voreinander, egal, woher man irgendwann gekommen ist. Eine Gegend, in der Gäste begrüßt werden wie hochrangige Persönlichkeiten, in dem man ihnen Ketten aus kunstvoll aufgefädelten frischen Blumen um den Hals hängt. Deren cooler Spirit neun Millionen Urlauber pro Jahr anzieht.

Bilderstrecke zum Thema

Hawai´i: Inseln mit eigenem Charakter

Wer an Hawai‘i denkt, denkt an Honolulu und an die Surfer vom Waikīkī Beach. Doch der 50. US-Bundesstaat besteht aus 137 Inseln und Atollen, die meisten davon sind allerdings unbewohnt. Wir haben die drei größten besucht.


Und die vielen als Ziel aller Träume gilt: Surfern, die auf der Insel O‘ahu am Waikiki Beach von Honolulu lernen wollen, die großen Wellen zu reiten. Geologen, die an den Vulkanen von Hawai‘i Island beobachten können, was sonst im Inneren der Erde verborgen bleibt. Triathleten, die einmal im Leben am Ur-Ironman teilnehmen wollen. Botanikern, die durch die Mischung aus fruchtbarem Lavagestein, reichlich Regen und ebenso reichlich Sonne eine außergewöhnliche Pflanzenwelt erkunden können. Musikern, die der Mix aus allen möglichen Stilrichtungen, von hawai‘ianischer Volksmusik bis zu Blues, Rock, Pop und Hip-Hop fasziniert. Liebespaaren, die sich vor filmreifer Kulisse das Jawort geben wollen. Kinofans, die live erleben wollen, wo ihre Lieblingsstreifen gedreht wurden. Erholungssuchenden, die an den perfekten Stränden der Insel Maui ebenso perfekte Cocktails genießen wollen.

Nicht zu vergessen: Gescheiterten Amerikanern, die darauf bauen, hier, im Bundesstaat mit der niedrigsten Arbeitslosenquote der USA und demokratisch regiert, doch noch ihr Glück zu finden. Und Auswanderern, die ein neues Zuhause für sich und ihre Familien suchen. So, wie die ersten, die den Archipel besiedelten. Aus Polynesien kamen sie, etwa 500 nach Christus. 600 Jahre später erlebte Hawai‘i eine zweite Einwanderungswelle aus Tahiti. 1778 entdeckte der englische Seefahrer James Cook den Archipel im Pazifik mit seinen 137 Inseln für die westliche Welt.

Man muss die Seele der Einheimischen kennen

Ihm folgten protestantische Missionare. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wanderten Portugiesen – überwiegend von den Azoren –, Chinesen, Filipinos, Koreaner und Japaner ein; die meisten, um auf den gigantischen Ananas- und Zuckerrohrplantagen zu arbeiten. 1898 annektierten die USA das Insel-Königreich, die wiederum verschiedenste Kulturen mitbrachten, die Afroamerikaner zum Beispiel, die Lateinamerikaner oder die Mexikaner. 1959 machten die USA Hawai‘i zu ihrem 50. Bundesstaat.

Und was bitteschön ist dann bei all dem "pure Hawai‘ian"? Einer der Busfahrer am Gipfel des Haleakala grinst. "Na einer, der hier geboren und aufgewachsen ist. Der weiß, worauf es bei uns ankommt. Der unsere Seele kennt."

Die hawai‘ianische Seele also, die vielleicht inmitten all der Internationalität gar nicht so leicht zu greifen ist. Und gerade deshalb für die Eingeborenen wieder so wichtig geworden ist. Mike Sisiam, 52-jähriger Beachboy und Kapitän eines Ausleger-Kanus, mit dem mehrere Insassen gleichzeitig surfen können, spricht am Waikiki Beach ebenfalls von ihr. Und auch Fremdenführer Ehiku, als er uns auf Hawai‘i Island, der größten der Inseln, durch den Volcanoes Nationalpark lotst. Einem Nationalpark, der allerdings kurz nach unserem Besuch vorübergehend geschlossen wurde: Der Kilauea brach aus und baut mit frischer heißer Lava die Gegend gerade kräftig um.

Ehiku, ein 32-jähriger Hüne mit polynesischen Gesichtszügen, schwarzer Sonnenbrille, lässigen Baggy Pants und einer aschblonden Wallemähne bis zum Po, setzt dabei Seele mit Identität gleich. Er beschreibt das unter den Insulanern mehr und mehr zurückkehrende Bewusstsein für die eigenen Wurzeln und Traditionen. Und für die eigene Sprache – eine der ältesten der Welt.

Nur 13 Buchstaben hat die Sprache

Aus nur dreizehn Buchstaben besteht sie: aus fünf Vokalen, sechs Konsonanten und dem ‘okina – diesem umgekehrten Apostroph, das für einen Glottal, also eine kurze Pause im Wort steht, und so dessen Aussprache und Bedeutung erheblich beeinflusst. Ein Buchstabe, der den Amerikanern zu umständlich war und den sie kurzerhand wegließen. Und damit abschafften. Daher ist er den Hawai‘ianern jetzt mit ihrem neuen Selbstbewusstsein besonders wichtig. Ein kleines Symbol für die eigene Seele. Die eigene Identität.

Bei weitem nicht das einzige. Am auffälligsten im Urlauber-Alltag: das Essen. Eine klar definierte hawai‘ianische Nationalküche hat sich zwar nie entwickelt. Dafür aber setzen immer mehr Köche und Bäcker auf das, was ihre Vorfahren überliefert haben. Mit Erfolg. Poké, roher kleingeschnittener Fisch, vermischt mit Zutaten wie Frühlingszwiebeln, Sesam oder Nüssen, mariniert mit unterschiedlich gewürzten Sojasaucen – die Verschmelzung von japanischer, polynesischer und US-Westküstchenküche – ist beliebter denn je. Und wer in eine der köstlichen Malasadas – ein krapfenähnliches portugiesisches Hefegebäck – von Leonard’s Bakery in Honolulu beißen will, muss vorher Schlange stehen.

Nicht ganz so auffällig, aber doch bedeutsam: Immer mehr Hotels verzichten bei ihren abendlichen Unterhaltungsshows auf bauchtanzende Hula-Mädchen im Baströckchen. Sie lassen den Hula stattdessen wieder auf traditionelle Weise aufführen: als mit Sprechgesang kombinierter Tanz von Männern, mit dem Sagen und Mythen erzählt und von Generation zu Generation überliefert werden. Pur Hawai‘ian. Ohne jeden Zweifel.

Mehr Informationen:
Hawai‘i Tourismus, www.gohawaii.com/de und
Reiseveranstalter FTI-Touristik, www.fti.de,
die beide diese Reise unterstützt haben.

  

Gudrun Bayer

1

1 Kommentar

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus dem Ressort: Reise