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Hexen jagen auf der Schwäbischen Alb

Rund um Albstadt, das Outdoor-Eldorado Baden-Württembergs, wandert man märchenhaft - 01.09.2018 08:00 Uhr

Kleine Entdeckerinnen vor der wahrhaft majestätischen Aussicht auf die Hohenzollernburg. © Claudia Freilinger


Nele ist auf Hexenjagd. Die Vierjährige sucht mit ihren Blicken die Baumstämme ab, um ja keinen Zauberhut zu verpassen. "Da", ruft sie, wenn sie ein Markierungszeichen für den Wanderweg entdeckt und setzt zum Spurt an. Sie möchte Traufgänger sein. Und diesen symbolischen Titel holt sie sich, wenn sie die vier Kilometer lange Runde auf dem neuen Familienwanderweg "Traufgängerle Hexenküche" schafft.

Die Strecke führt rund um den Ebinger Schlossberg und in die Nähe des Traufs, wo die Schwäbische Alb steil abfällt und einen Fernblick freigibt auf Albstadt-Ebingen. Die Weite, sie ist typisch für die Region, und Albstadt ist das städtische Zentrum auf der Südwestalb auf halben Weg zwischen Bodensee und Stuttgart.

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Traufgängerle jagen Hexen auf der Schwäbischen Alb

Es ist fast wie Fliegen: Neun Wanderwege rund um Albstadt führen direkt an die steil abfallende Kante der Schwäbischen Alb. Die "Traufgänge" bieten beeindruckende Fernblicke, unter anderem auf ein der schönsten Burgen Deutschlands. Und sie haben Nachwuchs bekommen: den Familienwanderweg "Traufgängerle Hexenküche".


Mit den Traufgängen pflegt der Albstadt Tourismus eine eigene Wandermarke, die vom Deutschen Wanderinstitut regelmäßig das "Deutsche Wandersiegel" erhält. Eine der Rundstrecken bietet am Zeller Horn einen schönen Blick auf die Burg Hohenzollern, eine der schönsten Festungen Deutschlands. Wer sie erklimmt, kann von ihren Bastionen einen wahrhaft majestistischen Rundblick genießen – mit bis zu 100 Kilometern Fernsicht.

Das Traufgängerle "Hexenküche" ist neu seit diesem Sommer. Ulrike Wieland hat die Wege konzipiert und dafür teils Pfade im Wald anlegen lassen, teils schon vorhandene Pfade genutzt.

Während Neles Eltern am Albtrauf in die Ferne schauen, steckt die Tochter an einer Traufgängerle-Spielstation ihre Füße in zwei ausgesägte Hexenschuhe aus Holz. "Jetzt flieg‘ ich auch", sagt sie. Den Besen muss man sich halt dazudenken.

Der Familienweg führt vorbei an Felsformationen und mehreren kleinen Höhlen. In der größten hat die Decke eine schwarze Farbe. So wirkt es, als sei sie verrußt, während die Hexe ihren Zaubertrank braute. Die zehnjährige Franka hat sich sofort einen herumliegenden Reisigbesen geschnappt, den die Köchin wohl vergessen hat, und ein paar Flugsprünge vorgeführt.

Wildschweine im Insektenhotel

Nele war da schon wieder vorne, stets auf der Suche nach dem Hexenhut in der Wegmarkierung. Schnell macht sie ein paar wackelige Schritte über einen Kletterbaum und kriecht dann durch die ausgehöhlte Eiche. Selbst die Wildschweine, die sie von einer neugebauten Aussichtsplattform im riesigen Ebinger Gehege beobachtet, sind für die Vierjährige nicht der Höhepunkt der Wanderung. Auch nicht das Insektenhotel, die Infotafel mit Fußspuren vom heimischen Wild oder die Fledermausnistkästen.

Was Nele am schönsten fand? Markierungen suchen und Baumwurzeln am Rand des Weges, über die sie hüpfen konnte. Das war Ulrike Wielands Anliegen: "Wir wollten die Strecke nicht vollstopfen mit lauter Angeboten", sagt sie. "Das Wandern ist schließlich das Erlebnis."

Familien wird die Wanderung an einigen Stellen leichter gemacht, denn es gibt es mehrere Möglichkeiten, den Weg abzukürzen, wenn die Stimmung mal kippt oder jemandem beim Anstieg die Puste ausgeht. Am Start- und Endpunkt, dem Ebinger Waldheim, warten Gastronomie, Abenteuerspielplatz und ein riesiger Kletterpark.

Weil der schattige Weg wie eine Acht verläuft, passieren Familien das Waldheim auch nach der Hälfte und können sich den Rest des Weges für einen nächsten Besuch aufheben. Nele sieht das aber gar nicht ein. Sie bleibt auf Hexenjagd.

Mal ganz anders übernachten im Familien-Holzfass. © Claudia Freilinger


Erst als die Wanderung vorbei ist, zieht sie den Klettergurt an. Im Hochseilgarten, der sich in den natürlichen Baumbestand eingliedert, gibt es 13 verschiedene Parcours mit über 110 verschiedenen Kletterelementen. Bis in 20 Meter Höhe möchte die Vierjährige aber natürlich nicht klettern. Sie begnügt sich mit dem Bambini-Parcours und fährt unter anderem mit einem roten Rutschauto am Hängeseil durch die Luft.

Abends fällt Nele in Albstadt nicht etwa todmüde ins Bett, sie steigt lieber ins große Holzfass. Das steht auf dem Sonnencampingplatz Albstadt und ist der Schlafraum für eine vierköpfige Familie. Die Kinder lieben darin vor allem den Hohlraum unterm Doppelbett, das etwas erhöht liegt. Dorthin kann ihnen nämlich kaum ein Erwachsener folgen — der Durchgang ist zu eng. Deshalb beschließt Nele: "Da bau ich mir meine Hexenküche."

Mehr Informationen:
Albstadt Tourismus, www.albstadt-tourismus.de, der diese Reise unterstützt hat.

Die Traufgänge:
„Ausfliegen in die Natur“ - unter diese Überschrift hat Albstadt Tourismus seine „Premium-Wanderwege“ gestellt: Die Traufgänge, davon zwei Winterwanderwege, erschließen den Albtrauf - die steile Abfallkante der Schwäbischen Alb - auf Rundstrecken zwischen vier und 17 Kilometern Länge. Sie alle bieten eine besondere landschaftliche Kulisse mit Weitblick, tiefe Schluchten, schroffen Felsformationen oder offenen Heidelandschaften. www.traufgaenge.de

Bikezone Albstadt
Wer lieber mit dem Fahrrad fährt, kommt in Albstadt ebenfalls auf seine Kosten. Er findet 90 Kilometer ausgewiesenes Mountainbike-Streckennetz für den Sporttyp. Im Jahr 2020 findet in Albstadt die UCI Mountain Bike Cross Country Weltmeisterschaft statt.

Burg Hohenzollern
Wer dem Urlaub die Krone aufsetzen möchte, besucht in der Schwäbsichen Alb auch die Burg Hohenzollern, die mit ihrer Architektur und ihrem Fernblick jährlich Hunderttausende Besuche aus der ganzen Welt anzieht. Neben der Kunstsammlung, zu der die preußige Königskrone gehört, machen zahlreiche Konzerte, ein Open-Air-Kino und einer der schönsten Weihnachtsmärkte Deutschlands die Burg zu einer attraktiven Kultureinrichtung. Sie öffnet ganzjährig um 10 Uhr und schließt von 16. März bis 31. Oktober um 17.30 Uhr und vom 1. November bis 15. März um 16.30 Uhr. www.burg-hohenzollern.com, Besuchertelefon: 07471/2428

Kletterpark Waldheim
Dreizehn Parcours mit über 110 Kletterelementen versprechen Nervenkitzel und Naturerfahrung in bis zu 20 Metern Höhe. Unterschiedliche Schwierigkeitsstufen ermöglichen Spaß für Besucher jeden Alters. www.kletterpark-waldheim.de

Sonnencamping Albstadt
Der Campingplatz liegt auf einem sonnigen Südhang mit Aussicht auf die Hügel der Schwäbischen Alb. Er ist ganzjährig geöffnet und verfügt über Parzellen für Wohnmobile und Caravans sowie über eine Zeltwiese. Als weitere Mietunterkünfte stehen unter anderem große Holz-Schlaffässer bereit, Stelzenhäuser und Bungalows. www.sonnencamping.de

Badcap
Direkt gegenüber vom Campingplatz liegt das badcap, Albstadts Erlebnisschwimmbad mit Wellenbecken, Wildwasserfluss, Rutschenhaus und Saunalandschaft. www.badcap.de Die Gastronomen dort gehören auch zu den Traufgänge-Gastgebern, die sich zusammen geschlossen haben, weil bei ihnen regionale und saisonale Angebote im Vordergrund stehen.

Albaquarium
Anemonenfische, Rote Piranhas, Geckos, Chamäleons und sogar Weißbüscheläffchen: Im Albaquarium in Albstadt lassen sich zahlreichreiche Tierarten bestaunen. Das über 60 Jahre alte Schauaquarium ist zum Beispiel bei Regen ein abwechslungsreiches Ausflugsziel für Familien. www.albaquarium.de

 

  

Claudia Freilinger Nordbayerische Nachrichten Herzogenaurach/Höchstadt E-Mail

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