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Hier tun Strafen richtig weh

Der ADAC-Fachmann Wolfgang Lieberth verrät schräge Verkehrsregeln in Europa - 27.05.2017 08:00 Uhr

In Schweden warnt dieses Schild vor Verkehr unter Elchen. © Johansson / dpa


Herr Lieberth, können Sie uns bitte einige der außergewöhnlichsten Verkehrsregeln in Europa nennen, die wir so nicht auf dem Schirm haben?
In Estland leuchten die Ampeln anders als bei uns. Wenn sie von Grün umschalten, fängt Grün an zu blinken, dann wird die Ampel gelb und dann rot. Nur, dass man bei Gelb - im Gegensatz zu Deutschland - nicht mehr fahren darf. Oder in Serbien: Fußgänger dürfen dort beim Überqueren der Straße kein Handy benutzen, sie dürfen noch nicht einmal einen Kopfhörer tragen, denn so hören sie vielleicht ein kommendes Auto nicht.
In Slowenien muss man den Warnblinker einschalten, wenn man rückwärts fährt. In Schweden sieht man auf einigen Land- und Schnellstraßen rechts oft einen markierten Fahrstreifen - auf den darf man ausweichen, wenn von hinten ein schnelleres Fahrzeug kommt. Und in Rumänien muss man fünf Meter vor einer Straßenbahn, die an einer Haltestelle ohne Einbuchtung stoppt, stehenbleiben. Wer genau wissen will, welche Sonderregeln in seinem Reiseland gelten, sollte sich vor der Reise bei seinem Automobilclub informieren und sich ein Tour-Set zusammenstellen lassen.

Man wird nicht alle abweichenden Regeln pauken können. Was kann einem schlimmstenfalls drohen?
In vielen europäischen Ländern sind die Bußgelder für zu schnelles Fahren, falsches Parken und Fahren unter Alkoholeinfluss viel höher als hier. Wer zum Beispiel in Italien 20 Kilometer pro Stunde zu schnell ist, muss 170 Euro Bußgeld zahlen, in Norwegen mindestens 420 und in Schweden 270 Euro. Darum nochmal mein Tipp: Machen Sie sich wenigstens mit den wichtigsten Abweichungen vertraut und halten Sie sich unbedingt an die geltenden Verkehrsregeln und die Höchstgeschwindigkeiten, um hohe Bußgeldzahlungen zu vermeiden.

In Bordeaux meint man mit diesem Schild nicht, dass Radler trinken sollten. Sie dürfen ausnahmsweise fahren. © Matthias Niese


Braucht man eigentlich immer noch die grüne Versicherungskarte für die Reise ins Ausland, oder gibt’s da inzwischen andere Möglichkeiten?
Wir empfehlen nach wie vor die Mitnahme der Grünen Versicherungskarte. Sie dient als Versicherungsnachweis am Unfallort und hilft, dass der Schaden so problemlos wie möglich abgewickelt werden kann.

Welche Dokumente gehören noch ins Handschuhfach, falls ich im Ausland einen Unfall habe oder in eine Kontrolle komme?
Idealerweise haben Sie Ihren nationalen Führerschein im EU-Scheckkartenformat dabei. Dann brauchen Sie die Zulassungsbescheinigung Teil I, die als Fahrzeugschein bekannt ist, und den Europäischen Unfallbericht. Falls der Fahrer nicht der Halter des genutzten Fahrzeuges ist, kann manchmal eine so genannte Nutzungsbevollmächtigung vom Fahrzeughalter nützlich sein, etwa in Polen.

Wie verhält man sich, wenn man von der Polizei zur Kontrolle angehalten wird - gibt es da Unterschiede in Europa?
Grundsätzlich sollte man bei einer Polizeikontrolle Ruhe bewahren, höflich bleiben und keinen Anlass geben, dass sich die Polizisten bedroht fühlen. Bei Dunkelheit die Innenleuchte einschalten und im Auto warten, bis der Beamte den Fahrer anspricht. Hände aufs Lenkrad legen ist nur in einigen Ländern wie Polen oder Rumänien vorgeschrieben.

Angenommen, man kommt offensichtlich nur mit Bestechungsgeld aus der Polizei-Patsche heraus. Sollte man einen Schein rüberreichen?
Von jeglichen Bestechungsversuchen raten wir dringend ab.

Wolfgang Lieberth (57) ist der Nürnberger ADAC-Experte für Vekehrsrecht. © ADAC


Wenn ich einen Strafzettel bekommen habe, kann ich den daheim in Deutschland wegwerfen oder sollte ich ihn bezahlen?
Ein Abkommen innerhalb der EU besagt, dass "Geldsanktionen" ab 70 Euro im Heimatland vollstreckt werden. Da in diesem Betrag die Verfahrenskosten inbegriffen sind, können zum Beispiel aus einem Bußgeld von 35 Euro durch Verwaltungsgebühren schnell mehr als 70 Euro werden. Dadurch wird auch ein kleiner Strafzettel vom Bundesamt für Justiz vollstreckbar.
Liegt die Strafe darunter und man zahlt nicht, könnte es spätestens bei der Wiedereinreise ins jeweilige Land Probleme geben. Man sollte einen Strafzettel also nicht einfach ignorieren, sondern prüfen, ob man rechtlich dagegen vorgehen kann. Wenn ja, muss man sich im Land, in dem man das vermeintliche Vergehen begangen hat, einen Anwalt suchen, der gegen den Bescheid Rechtsmittel einlegt. Falls die keinen Erfolg versprechen, sollte man die Strafe fristgerecht bezahlen. 

Matthias Niese Magazin am Wochenende / Gute REISE E-Mail

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