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"Japan lernt von uns" - sagt ein deutscher Berater

Moderne deutsche Bäderkultur ergänzt sich mit traditionellen Onsen - 14.07.2018 08:00 Uhr

Deutschlands Onsen-Koryphäe: Markus Matz aus Bad Krozingen. © Kerstin Benz


Herr Matz, wieso berät ein Deutscher Japan in Sachen Onsen?
In Japan hat die Badekultur eine uralte Tradition, aber auch bei uns gibt es viele traditionsreiche Thermalbäder. Also haben sich japanische Delegationen in Deutschland umgeschaut, wo es schon lange ein modernes Marketing gibt. Und Japaner lieben den Herz-zu-Herz-Gedanken, den Kontakt von Mensch zu Mensch. So kamen sie wohl auf Bad Krozingen und mich.

Was ist das Tolle an Onsen?
Japaner würden in unserem nur etwa 40 Grad heißen Thermalwasser fast schon frieren. Ihre Quellen sind ihnen heilig. Sie sehen darin ein Geschenk Gottes. Mit unseren Spaß-Bädern hat das nichts zu tun. Im Vordergrund steht die Gesundheit und das Ritual der Reinigung. Ein Erlebnis auch für Europäer!

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Mehr als Fettnäpfchen: Japans uralte Onsen-Bäderkultur

Auf der japanischen Südinsel Kyushu dampft es aus jeder Pore der vulkanischen Erde. Das schwefel- und mineralhaltige Thermalwasser sehen die Japaner als Geschenk der Natur. Sie nutzen es ausgiebig zum Kochen und Heizen - und natürlich zum traditionellen Baden in den Onsen, von Thermalwasser gespeisten Becken. Auf dem Weg dorthin treten Fremde allerdings in so manches Fettnäpfchen...


Und was bringt so ein Gipfel?
Japan hat das gleiche demografische Problem wie wir: immer mehr alte Menschen. Vor allem in Großstädten immer mehr Herzinfarkte und Burnout. Deshalb will man bei den Leuten wieder dieses Bewusstsein für Natur und Naturheilung schaffen. Und weil dieser Weg wegen langer Arbeitszeiten und wenig Freizeit nur schwierig mit diesem back-to-the-roots-Gedanken zu vereinbaren ist, möchte man eine Infrastruktur neben traditionellen Onsen-Destinationen schaffen. Der Onsen soll wieder sexy werden! Für alle.

Profitieren davon auch deutsche Touristen?
Thermalwasser gibt auf der ganzen Welt. Jedes Land arbeitet mit seinen eigenen, natürlich vorkommenden Heilmitteln. Bei dem einen ist das der Heilschlamm, beim anderen mineralhaltiges Wasser. Neue Erfindungen gibt es da nicht. Aber da in vielen Ländern die Kosten für solche Behandlungen nicht mehr vom Gesundheitssystem gestemmt werden, müssen sich Bad-Betreiber auf der ganzen Welt etwas einfallen lassen, womit sie für die nun privat zahlenden Gäste attraktiv sein können. Da tut sich gerade ganz viel. Und Japan hat einen starken Impuls gegeben.

Mehr Informationen: http://en.visit-oita.jp/ und bei der Kyushu Tourism Promotion Organization www.welcomekyushu.com 

Kerstin Benz

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