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Kurioses Reisejahr 2017: Beine spreizen verboten

Ob denkwürdige Ereignisse, Urteile und Erlasse oder das merkwürdige Verhalten einiger Urlauber - auch 2017 hat sich in der Welt des Reisens viel Erstaunliches ereignet, das uns kräftig schmunzeln ließ. - 30.12.2017 08:00 Uhr

Die Madrilenen greifen jetzt durch und untersagen allen männlichen Passagieren in Bus und Bahn das so genannte „Manspreading“ — also die vermeintlich typisch männliche Eigenschaft, sich mit gespreizten Beinen Platz zu verschaffen und zu zeigen, wer hier der Boss ist. © Gerard Julien / afp


Januar: Weil ein Fluggast am 1. Januar seine Sitznachbarn und die Besatzung auf einem United-Airlines-Flug von Sydney nach San Francisco unermüdlich beleidigt, landet der Pilot im neuseeländischen Auckland. Der Mann wird abgeführt, die 252 Passagiere kommen im Hotel unter. Insgesamt kostet das den 42-jährigen Querulanten 150 000 Euro.

Ein 37-jähriger Japaner hat sich am 9. Januar mit seinem Surfbrett "verfahren". Vom Bulli Beach südlich von Sydney treibt er 80 Kilometer weit hinaus aufs Meer. Dort verbringt er schließlich die Nacht auf seinem Board, ehe ihn ein Frachter rettet.

In einem ICE entdeckt eine Schaffnerin am 10. Januar einen komplett nackten 22-Jährigen mit einem Messer in der Hand auf der Zugtoilette. Die Bundespolizei öffnet in Düsseldorf das Klo, in dem sich der Mann nach eigenen Angaben einer Intimrasur unterzieht. Das Rasieren im Zug-Klo ist keine Straftat, da der Mann aber kein Ticket hat, ist die Reise für ihn dennoch zu Ende.

Das Bundesfinanzministerium überrascht am 17. Januar mit einem neuen Erlass. Demnach ist Sex in einem Stundenhotel steuerfrei, wenn der Freier das Zimmer mietet. Bisher waren auch bei stundenweiser Vermietung in Hotels 19 Prozent Mehrwertsteuer fällig.

Februar: Qatar Airways führt vom 5. auf den 6. Februar den längsten Nonstop-Flug der Geschichte durch. 16 Stunden und 23 Minuten ist die Maschine auf Flug QR920 unterwegs, um die 14535 Kilometer lange Strecke von Doha nach Auckland in Neuseeland zu bewältigen.

März: Ein Südafrikaner und seine ukrainische Verlobte werden in Abu Dhabi wegen des Verdachts auf außerehelichen Sex inhaftiert, nachdem die Frau im Krankenhaus behandelt werden muss und dabei festgestellt wird, dass sie schwanger ist. In den Emiraten ist Geschlechtsverkehr zwischen Unverheirateten verboten.

Nachdem während eines Air-Berlin-Fluges am 24. März von Miami nach Berlin eine Ratte an Bord entdeckt wird, muss ein Airbus A330 in Tegel im Hangar bleiben. Zunächst kommt der Kammerjäger, der die Ratte nicht aufzuspüren vermag. Danach werden alle Anschlüsse und Leitungen des Flugzeugs überprüft, mit der Folge, dass der Flieger gut zwei Wochen am Boden bleiben muss.

April: 800 portugiesische Schüler wüten wie wild in einem Hotel im andalusischen Torremolinos. Matratzen fliegen aus den Fenstern, ein Fernseher in eine Badewanne, in den Gängen werden Feuerlöscher geleert. Das Hotel entdeckt die Schäden erst, als die Schüler schon wieder abgereist sind.

Eine 60-jährige Deutsche, die am 25. April beim Baden im Trevi-Brunnen in der italienischen Hauptstadt Rom erwischt wird, wird zu einer Strafe von 450 Euro verdonnert.

Ein Mann und eine Frau verbringen im Juni 2010 drei Nächte gemeinsam in einem Hotel in Halle, und nach neun Monaten wird ein Kind geboren. Leider weiß die Mutter von ihrem damaligen Begleiter nur den Vornamen - Michael. Sie will den vollen Namen vom Hotel wissen, doch das weigert sich, ihn herauszurücken. Das Münchner Amtsgericht gibt dem Hotel Recht, denn zu diesem Zeitpunkt waren vier Michaels zu Gast. Die könnten nicht alle gezwungen werden, ihre damaligen geschlechtlichen Kontakte zu offenbaren.

Mai: Llucmajor auf Mallorca führt Benimmregeln ein. Die Nachbargemeinde von Palma will Sex in der Öffentlichkeit künftig mit bis zu 3000 Euro Strafe belegen. Für kleinere Sünden wie laute Musik oder Geschrei sollen 50 bis 750 Euro fällig werden.

Flugpassagiere entdecken am 21. Mai beim Einsteigen in Düsseldorf ein Loch im Rumpf einer Maschine des italienischen Charterfliegers Mistral Air und verweigern den Abflug. Die Crew versucht vergeblich, die 70 Menschen zu überreden, an Bord zu bleiben. Zweieinhalb Stunden später heben sie mit einem anderen Flugzeug ab.

Weil er sich angetrunken auf der Flugzeugtoilette eine Zigarette anzündet, damit einen Brand des Mülleimers und anschließend eine Notlandung auslöst, muss ein Brite für mehr als neun Jahre ins Gefängnis.

Juni: In Madrid soll Männern das breitbeinige Sitzen in Bussen und Bahnen mit entsprechender Beschilderung untersagt werden. Auslöser ist eine Petition von Frauen, die sich durchs "Manspreading" auf ihren Sitzen eingeengt fühlen.

Rom verbietet das Picknick an Brunnen. Wer an oder in der Nähe von historisch oder künstlerisch wertvollen Brunnen picknickt, die Wasserspender verschmutzt oder darin badet, dem drohen Strafen bis zu 240 Euro.

Um vermeintliches Unglück abzuwenden, hat eine 80-jährige Chinesin am 27. Juni vor dem Flug von Shanghai nach Guangzhou Münzen in ein Triebwerk der Maschine geworfen. Die Frau wurde festgenommen, die 150 Passagiere mussten die Maschine wieder verlassen.

Juli: Mit einer Dose Bier, die er am 9. Juli auf dem Flug von Melbourne nach Perth eincheckt, via Facebook als Foto postet und anschließend auf dem Gepäckband filmt, landet der Australier Dean Stinson einen Internet- und Medien-Coup.

Eine französische Familie radelt am 24. Juli über den nur für Züge freigegebenen Hindenburgdamm nach Sylt. Dort wird sie von der Polizei empfangen. Aber die Radler haben eine Top-Ausrede: Ihr Navi habe ihnen den Weg durchs Watt als Radweg angezeigt. Deshalb hätten sie sich auch nichts dabei gedacht, ihre Räder über das Zufahrtstor zu hieven.

August: Zwei Berliner bieten Weltreisen an, bei denen der Kunde tot sein muss. Dann reist der Partner zu Preisen ab 4000 Euro mit der Urne um die Welt. Nur wenige Länder wie Kasachstan, Algerien und die Ukraine verweigern Touristen mit Urne die Einreise.

September: Stewardessen und Rezeptionistinnen in Hotels auf den Philippinen können aufatmen. Gemäß Beschluss können Damen nicht gezwungen werden, hochhackige Schuhe zu tragen. Das Arbeitsministerium beschränkt die Höhe der Absätze auf 2,5 Zentimeter.

Ein Mann aus Sri Lanka hat in seinem Hintern ein Kilogramm Gold und Juwelen versteckt. Er will nach Indien weiterfliegen und den Schmuck dort verkaufen. Doch der 45-Jährige fällt am 24. September beim Umsteigen am Flughafen Colombo auf. Beamte finden seinen Gang merkwürdig und durchleuchten ihn.

Das nach Luft schnappen am Bahnhof Bielefeld endet am 27. September für einen 59-Jährigen in einer waghalsigen Aktion. Als sich die Türen seines ICEs schließen, steht er auf dem Bahnsteig, seine Tasche aber ist im Zug. Da klammert er sich an den Faltenbalg zwischen zwei Waggons und fährt außen mit. Der Lokführer hat auf 160 Stundenkilometer beschleunigt, als er von dem Trittbrettfahrer erfährt. In Löhne, wo der ICE einen außerplanmäßigen Stopp einlegt, kann der Mann unverletzt wieder einsteigen.

Oktober: Im Charleroi Airport Hotel in Belgien wird den Gästen für 3,50 Euro pro Nacht ein Goldfischglas hingestellt - gegen Einsamkeit.

Auf dem Flughafen Utqiagvik in Alaska blockiert am 26. Oktober eine 200 Kilogramm schwere Robbe den Flugverkehr, als sie auf der Landebahn ein Nickerchen hält. Mit Hilfe eines Motorschlittens wird das Tier zurück ins Meer gebracht.

Ein siebenjähriges Mädchen schafft es am 29. Oktober in Genf, ohne Eltern, Papiere oder Ticket an Bord eines Easyjet-Fliegers nach Korsika zu kommen. Die Kleine entwischt ihren Eltern am Hauptbahnhof, fährt mit dem Zug zum Airport und schummelt sich durch alle Sicherheitskontrollen bis ins Flugzeug.

November: Frauen, die ihre Tage haben, bekommen nun an vier Tagen pro Woche in der Anna Loulou Bar in Tel Aviv 25 Prozent Rabatt auf ihre Drinks. Ein "spezieller Nachweis der Menstruation" sei für die Vergünstigungen nicht notwendig. Die Damen müssen lediglich bei der Bestellung angeben, dass es gerade wieder "diese Zeit im Monat" sei.

Die Fluggesellschaft Finnair ruft Passagiere dazu auf, sich vor dem Abflug in Helsinki freiwillig wiegen zu lassen. Die Daten sollen unter anderem helfen, den Kerosin-Verbrauch für die Maschinen besser planen zu können.

37 Jahre schon schreibt sich "Meier‘s Weltreisen" entgegen allen Rechtschreibregeln mit Apostroph. Nun gibt der Fernreisespezialist auf: Mit einer Auffrischung des Markenauftritts zum nächsten Sommer wird das Häkchen ersatzlos gestrichen. 

Karsten-Thilo Raab

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