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Sindbads neues Leben

Kerstin Engels päppelt in El Gouna kranke Pferde auf und erfüllt Touristen-Träume - 13.05.2017 08:00 Uhr

Ausritt am Strand von El Gouna. Die Guides von Habiba Horse gehen zu Fuß mit. So können sie immer eingreifen, falls ein Pferd nicht das macht, was sein Reiter will. Außerdem drücken sie die Auslöser der Touristen-Kameras. Denn Selfies funktionieren auf Pferden nicht so gut. © Gudrun Bayer


Sindbad ist noch nicht ganz klar, wie verhängnisvoll die Begegnung mit Kerstin Engels für ihn war. Wie sich durch dieses Frau sein Leben ändern wird. Dass er sich also entspannen kann. "Ich muss es ihm erst noch beibringen", sagt Engels. Dabei hat sie für den braun-weiß gescheckten Wallach sogar eine Ausnahme gemacht. "Nur Stuten" war bisher ihre Devise gewesen. Damit das ganze männliche Getue wegfällt. Sindbad ist das erste männliche Pferd bei Habiba Horses. "Aber er ist ein ganz lieber", sagt seine neue Besitzerin.

Sindbad ist ein Neuzugang. Kerstin Engels muss ihm erst beibringen, dass er ihr vertrauen kann. © Habiba Horse


Habiba Horses, der Reitstall von El Gouna, liegt am Rand der ägyptischen Stadt. Dort, wo Baulaster mächtig Staub aufwirbeln und die Wüste noch deutlich erkennbar ist. Kerstin Engels hat die Gebäude bewusst rosa angemalt. Das fällt aus dem Rahmen.

Als die Marketing-Frau vor einigen Jahren ihren Job verlor, ging sie in sich. Schob den Verstand beiseite und befragte ihr Herz, wie es nun weiter gehen soll. Und wagte in El Gouna den Neuanfang. Seitdem versammelt sie Pferde aus schlechter Haltung um sich. Und Touristen. Denn wer einmal einen Strand-Ausritt mit den Pferden von Habiba erlebt hat, kommt immer wieder. Und nimmt über Facebook das ganze Jahr über Anteil an den Geschehnissen auf dem Hof.

Bilderstrecke zum Thema

Für den Urlaub erschaffen: El Gouna

Eine Stadt in Privatbesitz? In Ägypten geht das. Samih Sawiris hat El Gouna auf einem Landstreifen zwischen dem ostägyptischen Bergmassiv und dem Roten Meer vor etwa 25 Jahren gegründet. Der Beginn einer Erfolgsgeschichte. El Gouna steht für Sonne, Meer, Entspannung, Spaß - für ältere, aber auch jüngere Urlauber, die gerne mal die ein oder andere Sportart ausprobieren wollen.


"Ägyptische Pferde habe einen großen Vorteil", sagt Engels. "Sie tun nur immer genau so viel, wie sie müssen. Nicht mehr." Das bedeutet: Nimmt ein Anfänger im Sattel Platz, geht das Pferd im Schritt langsam vor sich hin. Spürt es, dass es mit jemandem zu tun hat, der schon mal geritten ist, lässt es sich durchaus zu Trab oder Galopp bewegen. Und macht wieder langsam, sobald der Reiter es zulässt.

Dennoch: Es ist ganz schön viel Arbeit nötig, bis die geretteten Pferde bereit sind für die Ausflüge mit den Touristen. Arbeit, Geduld und Liebe. "Wir sind besonders gut zu unseren Tieren", sagt Kerstin Engels, "dann sind sie auch besonders gut zu den Gästen".

Urlaubsstadt El Gouna

Zu jedem ihrer Tiere kann sie eine Geschichte erzählen. Zu der gesprenkelten Shakira, der braunen Heidi oder Gamila, der Schimmelstute, die sie im März gekauft hat, der Körper von Verletzungen übersät war und die in den ersten Tagen nichts gefressen hat. Immer wieder stellt sich erst nach dem Rettungskauf heraus, dass eine Stute trächtig ist. Und so springen mehrere Fohlen auf der Koppel herum. Mokka zum Beispiel, ein zuckersüßer Hengst, der erst am 26. April geboren wurde. Oder Paula, ein Muli - also eine Mischung aus Pferd und Esel -, die mit ihren zehn Monaten gerade mitten in der Pubertät steckt.

Sonnenaufgang am Strand von El Gouna. © Gudrun Bayer


"Am wichtigsten ist es mir, dass die Tier glücklich sind", sagt Kerstin Engels. Dass sie damit auch Gäste glücklich machen kann, ist sehr hilfreich. Denn die bringen die nötigen Einnahmen. Pferde kaufen, Mitarbeiter bezahlen, Gebäude erhalten und weiter ausbauen, Medikamente und Futter kaufen - das geht ins Geld. Besonders das Futter, das im heißen, staubigen El Gouna nicht wächst, sondern hergeschafft werden muss, hat sich durch den Kursverfall des ägyptischen Pfunds extrem verteuert.

Auch Gamila ist noch nicht lange da. Ihr hatte jemand mit einem Nassrasierer das Fell geschoren und dabei ihre Haut verletzt. Doch auch sie erholt sich. © Gudrun Bayer


Bei jedem Neuzugang im Stall  erhöhen sich also die Betriebskosten. Aber immer, wenn Kerstin Engels wieder auf ein krankes, ausgemergeltes oder verletztes Pferd aufmerksam gemacht wird, spielt das keine Rolle. Dann geht es nur um eines: Das Tier zu retten. Seinem Leben eine neue Wendung zu geben. Wie dem von Sindbad.

Mehr Informationen:

www.habibahorse.de

Reiseveranstalter FTI
www.fti.de

FTI hat diese Reise unterstützt. 

Gudrun Bayer

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