Dienstag, 25.09.2018

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Ungarn feiert seine hochverehrte Sisi

In Budapest erinnert vieles an die Kaiserin, die Ungarn so sehr liebte - 08.09.2018 08:00 Uhr

In Schloss Gödöllö nahe Budapest hielt sich Sisi am liebsten auf. © irenne56 / Pixabay / Lizenz CC0


Nur mal schauen" ist in der Regel keine Option beim Besuch des Cafés Gerbeaud im Zentrum Budapests. In der meterlangen Vitrine der 1858 gegründeten Traditionskonditorei locken sündhaft feine Spezialitäten wie zartschmelzende Katzenzungen, Cremeschnitten und aufwendig dekorierte Torten. Auch die österreichische Kaiserin Elisabeth, die sonst sehr auf ihre Figur achtete, griff gerne zu.

Sie war in dem Kaffeehaus, das sich sein charmantes k. u. k.-Ambiente bewahrt hat, ein häufiger Gast. Angeblich liebte Sisi Esterházy-Schnitten – eine ungarische Spezialität aus Biskuit und Buttercreme. Und sie liebte das Land der Magyaren — Ungarn war schließlich ein Teilreich der Habsburger Monarchie. "Elisabeth verbrachte nachweislich 7,3 Jahre, in Ungarn. Mehr als in Österreich," sagt unsere Reiseführerin Noemi Csondor.

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Die Ungarn dankten diese Zuneigung ihrer Erzsébet (Elisabeth auf Ungarisch) mit einer Verehrung, die selbst 120 Jahre nach ihrem Tod noch spürbar ist. Zum Gedenken an sie errichteten sie landesweit mehr als 40 Denkmäler, 100 Gedenkparks und Gedenkwäldchen. Auch Straßen und Plätze tragen ihren Namen. "In den Jahren nach ihrer Ermordung 1898 entwickelte sich ein Kult um Sisi, der bis heute anhält", sagt Csondor.

Die Elisabeth-Brücke etwa trägt ihren Namen. Und vom Café Gerbeaud ist es nicht weit zum Elisabeth-Park, in dem sich ganzjährig ein Riesenrad dreht. Ein Muss für Sisi-Fans ist ein Besuch im prunkvollen Opernhaus, das sie oft besuchte. Hier sehen Besucher ihre Loge und im Vestibül steht eine Sisi-Büste aus Bronze — perfekt für ein Selfie mit der Kaiserin der Herzen. Das Nationalmuseum zeigt einige persönliche Gegenstände: ein paar Schuhe, einen Gürtel und die schwarze Jacke, die Sisi trug, als der Anarchist Luigi Lucheni sie in Genf mit einem Stich ins Herz tötete.

In der Matthiaskirche wurden sie gekrönt

Mit einem Tuk-Tuk-Taxi setzen wir die Reise auf Sisis Spuren fort. Es geht hinauf ins Burgviertel Vár im Stadtteil Buda. Hier steht die imposante Matthiaskirche, in der das österreichische Kaiserpaar 1867 zu König und Königin von Ungarn gekrönt wurde. "Elisabeth trug eine weiße, mit Silberfäden durchwobene Robe, die in Paris gefertigt worden ist, aber auf Sisis Wunsch hin einer ungarischen Tracht nachempfunden war", erzählt Noemi.

Von der Fischerbastion im Burgviertel haben wir eine wunderbare Aussicht auf das riesige Parlament im gegenüberliegenden Stadtteil Pest, das bei Sisis Tod aber noch nicht fertig war. Aber es hätte ihr sicher gefallen, gilt das Parlament den Ungarn bis heute als Symbol der Unabhängigkeit, für die sich Sisi Zeit ihres Lebens einsetzte.

Das Café Gerbeaud serviert über 100 Kuchensorten. © Uta Buhr / dpa


Auch der derzeit hippste Stadtteil von Budapest, der VII. Bezirk, schmückt sich mit dem Namen der Herzogstocher aus einer pfälzischen Nebenlinie des Hauses Wittelsbach, die in München und am Starnberger See aufwuchs. Das Stadtviertel wird als Erzsébetváros (Elisabethstadt) bezeichnet. Vor dem Zweiten Weltkrieg war er das Zentrum der jüdischen Gemeinde. Wie durch ein Wunder wurde er im Krieg kaum beschädigt. Dadurch haben sich viele historische Gebäude bis heute erhalten. In einige sind in den letzten Jahren die sogenannten "Ruinenbars" eingezogen, die ein junges, feierfreudiges Publikum anziehen.

25 Kilometer nordöstlich von Budapest liegt Schloss Gödöllö, Sisis Lieblingsresidenz. Das Schloss, das Krönungsgeschenk der Ungarn an Sisi und Franz Joseph, wurde für Elisabeth zum Zufluchtsort. "Hier hat man seine Ruhe, keine Verwandten, niemand sekkiert dich, im Gegensatz zu Wien, wo die ganze kaiserliche Bagage ist! Hier bedrückt mich gar nichts, ich lebe hier wie im Dorf, ich kann allein spazieren gehen oder Kutschfahrten machen!"schrieb Sisi aus Gödöllö an ihre Mutter.

Das Schloss bestand seinerzeit aus 136 Zimmern, 103 davon waren Wohnräume. Einige ausgewählte wurden in den letzten Jahren liebevoll renoviert und im Stil der damaligen Zeit wieder eingerichtet. Wenn Sisi der Sinn nach Gesellschaft stand, lud sie Künstler, Dichter oder Artisten hierher ein. Oder sie veranstaltete im Park Reiterwettkämpfe, Jagden oder Windhunderennen. Die Elite des ungarischen Pferdesports sei oft hier zu Gast gewesen, darunter der ungarische Freiheitskämpfer Graf Gyula Andrássy, mit dem Sisi, so der Tratsch am Hof, eine Affäre gehabt haben soll.

Im Schlosspark errichteten die Bewohner von Gödöllö nach Sisis Tod ein Elisabeth-Denkmal — lange bevor eines in Wien aufgestellt wurde. Aber auch Sisi machte den Ungarn ein Geschenk: Jahrhundertelang war kein königliches Kind mehr in Ungarn geboren worden. Deshalb brachte sie ihr viertes Kind Marie Valerie im April 1868 in Budapest zu Welt. Das Mädchen bekam den Beinahmen "das ungarische Kind".

Im Gegensatz zu ihren anderen Kindern, die am Hof in Wien von Gouvernanten erzogen wurden, widersetzte sich die Kaiserin von Österreich und Königin von Ungarn nun der Tradition und sorgte selbst für ihre Tochter. "Jetzt weiß ich, was für eine Glückseligkeit ein Kind bedeutet", schrieb sie auf.

Mehr Informationen:
Ungarisches Fremdenverkehrsamt, www.ungarn-tourismus.de, das diese Reise untestützt hat.

  

Christiane Neubauer

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