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WaiWi in Tirol: Ein Weitwanderweg für Anfänger

Auf allen drei Etappen hat die Tour eine sportliche und eine gemütliche Variante - 07.10.2017 08:00 Uhr

Der Wildseelodersee mit Wildseeloderhaus. © Toni Niederwieser / TVB PillerseeTal


Von wegen goldener Herbst: Statt milder Temperaturen und Sonnenschein schaufelt ein Adria-Tief dicke Wolken von Süden über die Alpen. Gut verpackt in Regenkleidung und mit einem gut gelaunten Lachen empfängt Berg-Wanderführerin Lisa Flatscher ihre Wandergruppe in Waidring. "Wir nehmen heute die leichtere Variante und gehen am Pillersee entlang. Da sehen wir bei diesem Wetter einfach mehr als oben auf den Gipfeln", erklärt die 46-Jährige an einer Infotafel.

Auf jeder seiner drei Etappen hat der "WaiWi" eine sportliche und eine gemütliche Variante. Oft bieten Bergbahnen oder Busse die Möglichkeit, die Tour noch weiter zu "entschärfen", erklärt die Wanderführerin, die den Weg mitentwickelt hat. Ein kleiner Gipfel ist aber auch bei der Einsteiger-Tour dabei: Gut eine Stunde lang führt ein weicher Pfad durch lichten Bergwald auf den Waidringer Hausberg. Bei gutem Wetter eröffnet sich vom Gipfelkreuz ein schöner Ausblick auf die Berge ringsum.

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Weil sich Loferer Steinberge, Steinplatte und Kaisergebirge an diesem Tag in dicke Wolken hüllen, erzählt Lisa Flatscher, was man mit etwas Glück auf dem eher unscheinbaren Hausberg noch so entdecken kann: Rauhfußhühner zum Beispiel: "Hier gibt es einige Schneisen und freie Flächen, da fühlt sich das Kleine Haselhuhn wohl", berichtet die Wanderführerin. Aber auch balzende Auer- und Birkhühner hat sie mit ihren Gästen hier schon erspäht.

Nach dem Abstecher zum Gipfel geht es entlang eines Wildbaches wieder talwärts. An der nördlichen Spitze des Pillersees steht die Adolari-Kirche. Die hübsche Wallfahrtskirche mit einem Dach aus Lärchenholzschindeln ist im Inneren mit farbenprächtigen Malereien und einem barocken Altar ausgestattet. Ganz gemächlich schlängelt sich der Weg anschließend am grün schimmernden Pillersee entlang. Zum Baden ist das Wasser den meisten Gästen zu kalt, erzählt Lisa Flatscher. Eine Fahrt mit dem Tretboot oder die Einkehr in einem der Lokale am See ist aber eine gute Alternative. Zum Tagesziel St. Jakob in Haus ist es am Ende nur noch ein entspannter Spaziergang durch Wiesen und kleine Ortschaften mit blumengeschmückten Bauernhäusern.

Bernhard Kaufmann, Wirt vom Wildseeloderhaus, serviert Tiroler Küche. © Clara Grau


An Tag zwei hat der Regen eine Pause eingelegt. Dafür ist es neblig und kalt. Also nehmen wir den Sessellift zum Jakobskreuz. 30 Meter ist der begehbare Bau hoch, nachts ist er erleuchtet und strahlt übers Tal.

"Lange wurde über den Bau diskutiert, sogar ein Bürgerentscheid wurde abgehalten", berichtet die Wanderführerin. Mittlerweile hat sich das Jakobskreuz zu einem Ausflugsziel und Wahrzeichen der Gemeinde St. Jakob in Haus entwickelt. Im Inneren des Gebäudes gibt es mehrere Räume, die für Tagungen oder Feste gemietet werden können. Regelmäßig finden Kunstausstellungen statt. Von verschiedenen Aussichtsplattformen bietet sich bei gutem Wetter eine Rundumsicht auf die Kitzbüheler Alpen und das Kaisergebirge.

Abwechslung auch für Kinder

Durch Almgelände führt der Weg nun in einer guten Stunde hinab nach Fieberbrunn. Weil das Wetter immer noch schlecht ist, entscheidet sich die Wandergruppe erneut für die gemütliche Variante des Wegs: Mit der Gondel zur Mittelstation sparen sich alle immerhin rund 500 Höhenmeter im Aufstieg. Wer mit Kindern unterwegs ist, findet auch im Winter im dortigen Skigebiet jede Menge Abwechslung, doch auch in Frühling, Sommer und Herbst sorgen ein Waldseilgarten, ein Abenteuerpfad und eine Sommerrodelbahn für Vergnügen.

Nach und nach wird der "WaiWi" nun etwas wilder: Idyllische Almwege wechseln sich mit Wanderwegen über Felsen und durch Latschenflächen ab. Gefährlich ist der Steig zum Wildseelodersee aber nicht. Die wenigen knackigen Stellen sind mit Ketten gesichert.

Leckere Marillenknödel auf der Hütte. © Clara Grau


Nach dem etwa zweistündigen Aufstieg brauchen die Wanderer eine Stärkung: Im Wildseeloderhaus, einer Hütte des Österreichischen Alpenvereins, bietet der junge Wirt Bernhard Kaufmann ab April typische Tiroler Küche. Es gibt gemütliche Zweier- und Viererzimmer, die renoviert sind und aus duftendem Zirbenholz gebaut wurden. Außerdem stehen zwei Bergsteigerlager mit über 26 Schlafplätzen zur Verfügung. Je nach Wetter- und Schneelage ist das gemütliche, aus dem Jahr 1892 stammende Schutzhaus bis Ende Oktober geöffnet.

Am nächsten Morgen reißt der Wind endlich ein paar Lücken in die Wolkendecke: nichts wie hinauf zum Wildseelodergipfel (2118 Meter)! Knapp eine Stunde dauert der Aufstieg von der Hütte aus. Entlang des Sees, dann durch eine steile Bergflanke, führt der Weg zu einem Felsentor. Anschließend geht es über einen Grat zum Gipfel. Schon auf dem Weg ist der Blick beeindruckend, vom Gipfelkreuz aus eröffnet sich aber ein wirklich großartiges 360-Grad-Panorama: Der Wilde Kaiser, die Leoganger und die Loferer Steinberge stehen dabei in der ersten Reihe.

Wer nach diesem Abstecher noch nicht ins Tal zurück möchte, findet rund um die Hütte weitere Gipfelziele: Auf die Henne und den Marokka führen sogar Klettersteige. Man steigt ins Ruderboot der Hütte oder besichtigt das Hütten-Museum, das im ehemaligen Maultier-Stall untergebracht ist. Bevor eine Materialseilbahn gebaut wurde, transportierten die Tiere Lebensmittel und Getränke hinauf.

Der Abschied von dem idyllischen Platz fällt nicht leicht. Aber es steht noch ein langer Abstieg ins Tal nach Fieberbrunn bevor.

Mehr Informationen:
Tourismusverband Pillerseetal
www.pillerseetal.at, der diese Reise unterstützt hat. 

Clara Grau

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