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Weinbau in der Türkei: Ein süffiges Teufelswerk

Obwohl ihm der Staat Steine in den Weg legt, produziert ein Winzer nahe Antalya beharrlich Wein - 15.07.2017 08:00 Uhr

Burak Özkan in seinem Weinkeller. © Joachim Hauck


"Oh ihr, die ihr glaubt: Der Wein und das Glücksspiel sind ein Gräuel und Teufelswerk. Meidet es, auf dass es euch wohl ergehe."

Die Worte des Koran sind für fromme Muslime Gesetz. Für sie ist Wein, wie jeder Alkohol, strikt verboten. Burak Özkan ist Muslim, er lebt in einem islamischen Land, in einem recht konservativen Teil der Türkei sogar. Und er trinkt nicht nur Wein - er baut ihn sogar an. Burak Özkan ist einer der wenigen privaten Winzer in der Türkei, ein Weinbauer, der edle, auch international ausgezeichnete Tropfen produziert.

Der Weinbau an den Ausläufern des Taurus-Gebirges hat Tradition, schon vor 4000 Jahren pflanzten dort die Hethiter Reben an, gefolgt von Griechen und Römern. Mit dem Islam geriet die Kunst des Weinbaus in Vergessenheit. "Was vor 25 Jahren da und dort noch produziert wurde, konnte man nicht trinken," sagt Özkan.

Als er 1998 beschloss, es selbst zu versuchen, sammelte er erst Daten: Taugt des Klima wirklich für den Weinbau, welche Reben gedeihen am besten, was muss ein guter Winzer lernen, um guten Wein zu machen? Özkan ging die Wetterdaten der letzten 20 Jahren durch, und siehe da: Das Klima ist fast ideal. Auf 1000 Metern Meereshöhe ist es tagsüber oft 40 Grad heiß, nachts stürzen die Temperaturen nicht selten auf zehn Grad ab. "Diesen heftigen Wechsel liebt der Wein", sagt Özkan, "und Reben der Sorten Cabernet-Sauvignon, Shiraz, Açikara und Boðazkere mögen ihn ganz besonders".

Wissen und Technik aus Europa

Ein Jahr später wurden die ersten Rebstöcke gepflanzt. Dann ging Özkan auf Wanderschaft, studierte Weinbau in England, sammelte Erfahrungen in Chile und Argentinien, ließ sich von europäischen Experten vor Ort in Elmali beraten. Die technische Ausrüstung bestellte der junge Winzer in Deutschland, seine Pressen in der Schweiz, die Abfüllanlage in Italien, die Weinfässer kommen aus den Wäldern Frankreichs.

150 Medaillen hat Özkan, der erste Winzer an der türkischen Mittelmeerküste, mit seinen Weinen inzwischen in Frankreich, Großbritannien und Italien gewonnen. Aus 40.000 Flaschen, die seine Weinberge in den ersten Jahren hergaben, sind inzwischen 500.000 geworden. Rot- und Weißweine halten sich in etwa die Waage, "weil die Touristen im Sommer vor allem Weißen und im Winter lieber Roten trinken" - wenn sie denn zum Urlaub in die Türkei kommen.

Im letzten Jahr, als das Land massive Einbrüche im Tourismus erlitt, erwischte es auch Özkan heftig: "Die Deutschen, die Wein gern mögen, sind weitgehend weggeblieben. Die Russen sind gegen Jahresende zwar wiedergekommen, doch die trinken keinen Wein, sondern Wodka." 50 Prozent Umsatz sind dem türkischen Winzer weggebrochen. Viele gute (und teure) Restaurants zwischen Alanya und Bodrum haben zwar Likya-Weine auf der Speisekarte, doch leben kann der Winzer davon derzeit nicht. Die meisten All-inclusive-Häuser an der Küste schenken Billig-Wein aus dem Container aus, und den würde Özkan niemals herstellen. Und so versucht er, seinen Wein vermehrt ins Ausland zu verkaufen.

Das Weingut ist ein wichtiger Arbeitgeber in der armen Region. © Joachim Hauck


Leicht gemacht wird Özkan das Geldverdienen so oder so nicht. Zwar hat der anfängliche Widerstand der Leute in Elmali merklich nachgelassen - mit frommen Nachbarn hat er schon lange keine Schwierigkeiten mehr gehabt, denn viele Leute verdienen ihr Geld in seinen Weinbergen, und eine Menge Bauern verkaufen ihm Trauben von ihren Feldern.

Doch das wirtschaftliche und politische Umfeld ist hart: Dass der Staat von jeder verkauften Flasche Wein satte 50 Prozent Steuern kassiert, würde allein schon reichen, um Unternehmer verzweifeln zu lassen.

Die Regierung Erdoðan aber, die den Türken die Lust auf Wein, Bier und Raki gründlich verderben will und Alkohol deshalb mit immer höheren Abgaben belegt, legt noch einige Schippen drauf: Werbung für Alkohol im Fernsehen, im Radio und in Zeitungen ist strikt verboten, auch online darf Burak Özkan in der Türkei nichts verkaufen. Organisierte Ausflüge in sein Weingut sind nicht erlaubt, selbst Weinfeste, die in der Vergangenheit viele Besucher und auch ein bisschen Geld nach Elmali gebracht hatten, sind inzwischen verboten.

"Ich weiß nicht, wie lange wir das durchhalten", sagt Özkan. "Kostendeckend können wir so auf Dauer nicht arbeiten." Dass sein Engagement lohnend und wichtig ist für die lokale Wirtschaft, dass gute heimische Weine auch eine gute Reklame für den türkischen Tourismus sind, steht für den Winzer außer Frage. "Dass das die Regierung nicht nutzt und uns stattdessen das Leben schwer macht, kann ich nicht verstehen."

Mehr Informationen:
www.likyawine.com 

Joachim Hauck

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