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Zweithöchster Gipfel: Mit Bergführern auf die Wildspitze

Im Tiroler Pitztal laufen auch weniger Geübte über Gletscher bis ans Kreuz - 07.08.2017 08:00 Uhr

In so eine Gletscherspalte fiel Yvonne hinein. Zum Glück war sie angeseilt. © Michael Husarek


Dass unser Weg zur Wildspitze, mit 3768 Metern Nordtirols höchster Berg, weitgehend über Gletschergelände verläuft und dass wir deshalb eine Seilschaft bilden müssen, war uns klar. Dabei sind alle Wanderer einer Gruppe mit einem Seil verbunden, das mittels Karabinerhaken an einem Klettergurt festgemacht wird. Aber dass tatsächlich der Ernstfall eintritt?

Bergführer Raphael hat es zumindest für möglich gehalten: "Heuer ist es brutal, der Gletscher schmilzt extrem, kein Schnee, der obendrauf eine feste Decke bilden könnte." Höllisch aufpassen sei deshalb die einzige Möglichkeit, heil weiterzukommen. Und es reift die Erkenntnis, dass die Wildspitze, eigentlich ein ohne besondere Anforderungen zu besteigender Berg, nur mit Bergführer angegangen werden sollte - wegen akuter Einbruchgefahr. Und zwar vor allem auf dem Mittelbergferner, dem zweitgrößten Gletscher Tirols, auf dem von September bis Mai die Skifahrer unterwegs sind. Und es geht noch über den Taschachferner.

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Österreich: An der Wildspitze vom Gletscher verschluckt

Im Pitztal wartet auf Gäste ein besonderes Abenteuer: Mit Bergführern wandern sie auf den zweithöchsten Gipfel Österreichs. Dabei landet so manche Seilschaft fast in der Gletscherspalte.


Mindestens einmal pro Woche ist Raphael in den Sommermonaten oben, nicht immer klappt die Gipfeltour. Mal liegt es am Wetter, das am Alpenhauptkamm im Pitztal rasch umschlagen kann, mal liegt es auch an der fehlenden Kondition eines Teilnehmers, der sich heillos überschätzt hat.

Immerhin folgen noch viereinhalb Stunden Aufstiegszeit von der auf 2840 Metern gelegenen Bergstation des Gletscherexpresses, rund 1000 Höhenmeter in dünner Luft, trotzdem sollten die Bergsteiger immer extrem konzentriert sein. Anfangs wegen der Gletscherspalten, kurz vor dem Gipfel wegen der Kraxelei. All das zehrt an den Kräften und überfordert manchen Touristen.

Die ersten kehrten schon bald um

Die zweite mit uns zeitgleich gestartete Seilschaft hat das Abenteuer Wildspitze denn auch schon am Anfang des Taschachferners beenden müssen. Wir hatten dagegen schlicht Glück, denn unser Bergführer hat es den drei Männern und drei Frauen seiner Seilschaft zugetraut, trotz des Gletscherspalten-Einbruchs zu Beginn der Tour, das Ziel zu erreichen.

Nur noch ein Stück, dann ist der imposante Gipfel der Wildspitze erreicht. © RomanTyulyakov / TVB Pitztal


Wir haben es ihm mit klaglosem Verzicht auf längere Pausen gedankt und wurden am Ende des Aufstiegs mit dem Blick vom Gipfelkreuz für alle Strapazen entschädigt. Denn vom Dach Tirols lässt sich weit blicken. In unserem Fall hat der Nebel nach wenigen Minuten zwar den Ausblick getrübt. Egal: Die Glückshormone, die der Körper nach erfolgreicher Gipfel-Besteigung aussendet, ließen sich davon nicht vertreiben.

Die Wildspitze an einem Tag erobern

Auch wenn es niemand zugeben mag: Das Gefühl, auf Österreichs zweithöchstem Berg (der Großglockner ist mit 3798 Metern gerade mal 20 Meter höher) zu stehen, entfaltet magische Kraft. Und anders als am Großglockner, der zumeist mit einer Zwischenübernachtung bezwungen werden muss, kann man die Wildspitze an einem Tag erobern - obwohl wir uns dabei sogar Zeit gelassen haben.

Anspruchsvolle Kletterpartie am Seil. © Michael Husarek


Wir sind dann über nicht enden wollende Gletscherformationen bis zum Taschachhaus hinabgestiegen, um zu übernachten. Die Alpenvereinshütte bietet Schlafplätze im Matratzenlager oder aber im für DAV-Hütten sehr komfortablen Zweibettzimmer. Und ein sehr gutes Essen: Wir haben auf 2434 Metern selbstgemachten Tafelspitz und zum Dessert Marillenknödel verschlungen. Kräftig zugegriffen hat auch Yvonne. Ihr Sturz in die Gletscherspalte war auch das Hauptthema am Tisch. Den Moment, in dem der Gletscher sie verschluckt hat, wird sie nie vergessen. Der Rest der Seilschaft ebensowenig.

Mehr Informationen:
Bergwanderern mit hochalpiner Erfahrung bereitet die eintägige Route auf die Wildspitze kein Problem. Die Pitztaler Bergführervereinigung bietet die Tour bis 22. September immer freitags an. Dann startet der Gletscherexpress bereits um 7 Uhr an der Talstation. Die geführte Tour kostet 100 Euro pro Person, dazu kommen 21 Euro für die Berg- und Talfahrt.
Tourismusverband Pitztal, www.pitztal.com, der diese Reise unterstützt hat. 

Michael Husarek

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