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Ein extra Bier für den Sommer

Im oberfränkischen Pegnitz wird auch „geflindert“ - 09.05.2012 12:30 Uhr

Ein Fass mit besonderem Inhalt: der Flinderer, der in Pegnitz jetzt wieder getrunken wird.

Ein Fass mit besonderem Inhalt: der Flinderer, der in Pegnitz jetzt wieder getrunken wird. © Aslanidis


NZ: Um was handelt es sich beim Brauch des Flinderns genau?

Thümmler: Das ist eine alte Tradition in Pegnitz. In erster Linie hat es damit zu tun, dass einst unsere Bauern und Anwohner in der Innenstadt ein Braurecht hatten. Gleichzeitig mussten die Felder bestellt werden. Dann haben sich die Leute zusammengeschlossen und gesagt: Jeder macht sein eigenes Fass Bier auf, das nach einigen Tagen verdorben ist – das machen wir anders. In der Zeit, wo die Felder bestellt werden, öffnet immer einer von uns abwechselnd wöchentlich sein Wirtshaus von früh bis nachts. Und dafür brauen wir ein eigenes Bier. Das wurde eben Flinderer-Bier genannt. Dabei wurden neben Bier auch Bratwürste, Blut- und Leberwurst und sättigende Brotzeiten serviert. Flindern ist der turnusweise Bierausschank der Kommunbrauereien in den Sommermonaten.
 

NZ: Woher kommt der Begriff Flindern?

Thümmler: Im Mittelhochdeutschen gibt es das Wort „flinderlin“ mit der neuhochdeutschen Bedeutung Flinder und Flitter. Das war unter anderem die Bezeichnung von kleinen blinkenden Blechmünzen, die im 16. Jahrhundert Bestandteil von Frauentrachten waren. Flinder glänzt und blinkt. Übertragen kann man den Begriff auf blinkende und flatternde Bänder und Streifen im Kranz und Busch, der als Bier- oder Weinzeichen ausgehängt war. Kernpunkt ist heute der Buschen und die Schweinsblase, die man an der Eingangstür aufhängt. Hängt der Büschel und die Schweinsblase draußen, heißt es: Hier gibt es das Flinderer-Bier. Grundsätzlich gibt es diese Art nur in Pegnitz.

NZ: Welchen Stellenwert hat das Flindern heute in Pegnitz?

Pegnitz' Bürgermeister Manfred Thümmler.

Pegnitz' Bürgermeister Manfred Thümmler. © Aslanidis


Thümmler: Es gab eine Phase, wo nur noch der Gasthof „Zum Melcher“ flinderte. 1982 bin ich Bürgermeister geworden und habe versucht, das Flindern wieder etwas attraktiver zu machen. Seit den achtziger Jahren werden im Namen der Stadt Behörden- und Wirtschaftsvertreter zu einem Wirtschaftstag mit anschließendem Flindern eingeladen. Je öfter ich das gemacht habe, desto mehr Menschen haben Interesse gezeigt. In diesem Jahr flindern 14 Gasthäuser mit.

NZ: Aber es gibt wohl nicht 14 verschiedene Biere?

Thümmler: Nein, wir haben hier zwei Brauereien. Das ist einmal die Brauervereinigung, die ursprüngliche Kommunbrauerei. Die zweite ist die Jura-Bräu: Das ist eine Privatbrauerei, die um 1900 gegründet worden ist. Diese zwei wechseln sich im Turnus ab.

NZ: Es ist sich schön zu sehen, dass das Flindern wieder beliebt ist.

Thümmler: Ohne Zweifel. Der Flinderer ist heute die fünfte Jahreszeit in Pegnitz. Man sitzt zusammen, auch etwas enger – wie in einer größeren Familie. Nicht nur die Älteren, auch die Jüngeren haben das Flindern wieder aufleben lassen.

NZ: Wie schmeckt das Flinderer-Bier?

Thümmler: Es ist etwas stärker als andere Biersorten. Beim Abgang bitzelt es etwas auf der Zunge. Damit spüre ich: Es ist eben einfach ein anderes, besonderes Qualitätsprodukt – und das sollte man auch bewahren.

Geflindert wird vom 1. bis 7. Mai in der Gaststätte Schützenhaus, Am Zipser Berg und in der Gaststätte „Zum Melcher“, Hauptstraße 70. Das Bier kommt aus der Brauerei Böheim. Weitere Informationen: www.flinderer.info und unter Tel. 09241/7230.

Bilderstrecke zum Thema

Ott, Oberleinleiter Kathie-Bräu, Heckenhof Lindenbräu, Gräfenberg
Unterwegs im Land der 1000 Biere - die zweite Runde

In der zweiten Runde auf der Suche nach dem Bier des Jahres sind wir in der Fränkischen Schweiz zu Gast gewesen. In der User-Gunst am höchsten lagen die Brauerei Ott aus Oberleinleiter sowie die Brauereien Friedmann und Lindenbräu aus Gräfenberg. Mit diesen Brauereien gibt es ein Wiedersehen in der abschließenden Finalrunde.


 

Fragen: Sabine Ebinger

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