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Diese entwickelten sich derart erfolgreich, dass bereits 1347 der Rat der Lagunenstadt vermelden ließ, dass Nürnberg durch den Handel mit ihrer Stadt aus dem Nichts zu großem Reichtum gelangt sei. Ehrlichkeitshalber sollte ergänzt werden, dass auch die Stadt südlich der Alpen Nutznießer des (nicht nur Nürnberger) Handels war. Und selbstverständlich war es üblich, dass viele Söhne von Nürnberger Kaufleuten ihr Handwerk in Venedig erlernten oder erweiterten. In unserem Fall verhielt es sich genau umgekehrt. Im Jahr 1550 gab der Venezianer Bernardo Viatis seinen zwölfjährigen Sohn Bartholomäus nach Nürnberg in die Lehre.
Aus dem Aufenthalt auf Zeit wurde schließlich ein Bleiben für immer. Sein Wohnhaus, das sich hier befand, ließ er aufwändig ausbauen. 1582 hatte Viatis in Venedig seinen wichtigsten Mitarbeiter und späteren Schwiegersohn kennen gelernt, Martin Peller. Dieser ließ im Übrigen Jahre später in prominenter Lage am Egidienberg ein mehr als repräsentatives Anwesen errichten.
Als der bekannteste Brückenschlag zwischen Venedig und Nürnberg schlechthin gilt die Fleischbrücke (2), als deren Vorläufer oder gar fälschlicherweise Vorbild oftmals die Ponte di Rialto über den Canal Grande genannt wird. Ende Februar 1595 zerstörte ein verheerendes Hochwasser die alte zweibogige Fleischbrücke. Aufgrund dieser Erfahrung wurde angedacht, bei dem notwendigen Neubau an dieser Engstelle des Flusses ganz auf einen Mittelpfeiler zu verzichten. Was einfach erscheinen mag, war mit gewaltigen Problemen verbunden.
Als Hauptverkehrsader musste die Brücke selbst für schwer beladene Fuhrwerke gut befahrbar bleiben, die Fahrbahn durfte folglich zum Scheitel nur gering ansteigen. Eine Lösung wie bei der Ponte di Rialto, die nur für Fußgänger gedacht war, schied somit von vornherein aus. Ein flacher Bogen verursacht jedoch einen deutlich größeren Schub an den Widerlagern. Die Brücke wurde schließlich von 1596 bis 1598 unter Stadtwerkmeister Jakob Wolff dem Älteren errichtet. Bei einer Breite von 15,30 Metern hat der Bogen eine lichte Weite von 27 Metern. Zusammengefasst lässt sich sagen: Die Ponte di Rialto ist wohl malerischer und fotogener, die bescheiden wirkende Nürnberger Brücke ist von der Ingenieursleistung her jedoch wesentlich anspruchsvoller und kühner, weil flacher. Sie gilt zu Recht als das bedeutendste Brückenbauwerk der Renaissancezeit in Deutschland.
Die Türme von Sankt Sebald (5)verweisen ungewollt auf eine weitere Gemeinsamkeit zwischen Nürnberg und der Serenissima („Die Allerdurchlauchteste“). So vornehm dieser Beiname auch klingen mag, so wenig zimperlich sollen die Venezianer gewesen sein, um an die Reliquien des prominenten Stadtheiligen Markus zu kommen. Sie wurden angeblich von venezianischen Kaufleuten 828/829 in Alexandria geraubt und nach Venedig überführt.
Zur Rechtfertigung diente eine Legende, nach der Markus auf seinen Missionsfahrten auch die noch unbewohnte Lagune von Venedig durchquert und dort von einem Engel die Weissagung erhalten habe, hier würden einst seine Gebeine ruhen. Wie anrührend nimmt sich im Gegensatz dazu die Legende um den Nürnberger Stadtheiligen Sebaldus aus, der, den Tod ahnend, sich auf einen von zwei Kühen gezogenen Leiterwagen legte und sich von den Tieren zu seiner so auserkorenen Grabstätte fahren ließ. Die Kühe hielten schließlich an, wo heute die Sebalduskirche steht.
Wie dem auch sei: Beide Male wurden die Stadtheiligen auf etwas wundersame Weise „importiert“. Der Markuslöwe, das Wappentier Venedigs, ist an vielen Stellen der Stadt zu finden. Wir können ihm hier auf engstem Raum gleich zwei Mal begegnen. Zum einen als Konsolenfigur unter dem Ritter in der Ecknische des IHK-Gebäudes (4), zum anderen am Schönen Brunnen (3). Hier ist der Evangelist Markus mit dem geflügelten Tier zu sehen. An der Fassade der Industrie- und Handelskammer glorifiziert zudem ein Kaufmannszug den Handel längst vergangener Tage. Natürlich ging nicht nur „Nürnberger Tand in alle Land“, sondern es wurden im Gegenzug aus Venedig Gewürze, Baumwolle oder Seide eingeführt.
In der Sebalduskirche selbst kann neben dem Sebaldusgrab auch das Tucher-Gedächtnisbild des Dürerschülers Hans von Kulmbach aus dem Jahr 1513 bewundert werden. In seiner Farbigkeit zeigt es mehr als deutlich venezianische Einflüsse.
Wir gehen weiter bis zum Gänsemännchenbrunnen (6) und blicken zum Rathaussaal, der unter Albrecht Dürers Leitung ab 1521 ausgestaltet wurde. Nürnbergs bedeutendster Künstler hielt sich 1505/07 in Venedig auf. Von der deutschen Kaufmannschaft hatte er den lukrativen Auftrag erhalten, für ihre Pfarrkirche San Bartolomeo ein Gemälde („Das Rosenkranzfest“) anzufertigen. Das Verhältnis zu einigen seiner venezianischen Malerkollegen dürfte jedoch zumindest zeitweise nicht unproblematisch gewesen sein. Diese sahen sehr wohl die nicht zu unterschätzende Konkurrenz. Dürer fürchtete sogar, von ihnen vergiftet zu werden. So habe man ihm geraten, er solle mit den „Molern“ in Venedig „nit eß und trink“. Beeindruckt war er hingegen von der enormen Wertschätzung seitens der Obrigkeit.
Unser Weg führt uns weiter in die Bindergasse (7), hier kann die Bebauung als steinernes Zeugnis des Wirtschaftswunders und des Wiederaufbaus angesehen werden. In dieser Zeit erfasste eine Reisewelle das Land. Beliebte Urlaubsziele (nicht nur) der Nürnberger waren der Gardasee sowie viele Badeorte an der oberen Adria. Wer erinnert sich nicht an Urlaube in Jesolo, Caorle oder Bibione? Höhepunkt war natürlich ein Besuch von Venedig. Das Auto konnte man damals wie heute am Parkplatz am Punta Sabbioni stehen lassen und bequem mit dem Schiff nach Venedig fahren. Und was kostete so ein Urlaub? Ein bekanntes Nürnberger Busunternehmen bot 1959 eine fünftägige Rundfahrt Dolomiten – Venedig – Gardasee für 64 Mark an. Übernachtet wurde in Zwei-Personen-Zelten.
Unsere letzte Station für heute ist das Martin-Behaim-Denkmal am Theresienplatz (8). Im unteren Abschnitt flankiert an beiden Seiten je eine weibliche Allegorie für Handel und Wissenschaft. Behaim selbst vermittelt eher den Eindruck eines Herrschers als den eines Kaufmanns und Seefahrers. Das Selbstverständnis des Großbürgertums Ende des 19. Jahrhunderts spiegelt sich eindrucksvoll wider. Schon zu Lebzeiten wurden Martin Behaim (1459-1507) die erstaunlichsten Fähigkeiten und Leistungen zugeschrieben. Vieles aus seinem Leben ist jedoch im Dunkeln geblieben. Fest steht, dass er 1491 für zwei Jahre aus Portugal in seine Heimatstadt Nürnberg zurückkehrte.
Hier hat er zusammen mit Hartmann Schedel und Georg Glockendon wohl im Auftrag des Rates den heute ältesten erhaltenen Erdglobus in Kugelform geschaffen. Möglicherweise sollte er als Demonstrationsobjekt für zukünftige Handels- und Entdeckungsfahrten dienen. Diese wurden letztlich Nürnberg und Venedig gleichermaßen zum Verhängnis. Mit der Entdeckung der Neuen Welt verlagerte sich der Handel immer mehr in den Westen Europas. Die ehemals günstig gelegenen Zentren gerieten hingegen für lange Zeit ins Abseits.
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