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Frankens größte Boulderhalle eröffnet in Dechsendorf

Zwei Erlanger Freunde erfüllen sich einen Traum - 01.10.2012

Simon Herr (l.) und Simon Brunner eröffnen in Dechsendorf eine Boulderhalle mit 1600 Quadratmetern.

Simon Herr (l.) und Simon Brunner eröffnen in Dechsendorf eine Boulderhalle mit 1600 Quadratmetern.


Sie heißen beide Simon. Sie sind beide 30 Jahre alt. Sie haben eine gemeinsame Leidenschaft: das Klettern. Und sie eröffnen jetzt zusammen eine Boulderhalle.

Ausgerechnet ein ehemaliges Autohaus für diesen Zweck auszuwählen, scheint allerdings auf den ersten Blick sehr verwegen. Ein Autohaus mit seinen großen, bodentiefen Glasscheiben ringsum, hinter denen man einmal chromglänzende Wagen bestaunen konnte – wo soll denn da der Platz für Kletterwände herkommen? Das Problem haben die beiden Jungunternehmer längst gelöst. Die Kunstfelsen sind aufgestellt und im Boden verankert. Beinahe 2000 Klettergriffe sind daran festgeschraubt. In ein paar Tagen wird ihr Boulder-Eldorado erstmals seine Pforten öffnen. Und auf den zweiten Blick erscheint alles sehr schlüssig.

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„Wir sind Outdoorsportler, wir wollen eigentlich raus“, sagt Simon Brunner. Anderen Kletterern gehe es genauso. Doch abends nach der Arbeit schnell noch in die Fränkische Schweiz zu einem Felsen hinauszufahren — das sei einfach zu weit. Und im Winter sei es manchmal zu kalt, um draußen zu klettern. „Wir wollten eine Halle mit so viel Outdoorfeeling wie nur irgend möglich haben“, erklärt Brunner. Zuerst dachten die beiden an ein Gewächshaus. Doch dann stießen sie auf das ehemalige Autohaus Schaz in Dechsendorf. Und in der Tat: Anders als in anderen Hallen ist hier tagsüber kein Kunstlicht nötig.

Ansprüche an die Ästhetik

Wie wichtig Licht ist, kann Simon Brunner auch aus beruflicher Sicht beurteilen. Der Produktdesigner ist Inhaber der in Nürnberg ansässigen Firma „Neues Licht“, entwirft Leuchten und Lichtinstallationen für große Firmen und kennt sich aus mit der Wirkung von Licht auf die menschliche Seele. Und er stellt Ansprüche an die Ästhetik. Sogar bei Kletterwänden. Sein Partner stimmt mit ihm überein. „So eine Wand soll schön ausschauen“, sagt Simon Herr. „Andererseits will man möglichst abwechslungsreiche Strukturen zum Klettern schaffen, denn davon lebt dieser Sport.“


Man glaubt den beiden sofort, dass sie sich ausführliche Gedanken über das Design ihrer Halle gemacht haben und dass keiner der Kunstfelsen zufällig zu seiner endgültigen Form gekommen ist. Hannes Huch und Reto Faulenbach haben in Nürnberg mit dem Café Kraft – einer Boulderhalle — vorgemacht, dass Hallenklettersport nicht in der bis dato üblichen nüchternen Umgebung stattfinden muss, sondern Atmosphäre verträgt – und dann das Zeug zum coolen Szenetreff in sich birgt, der jede Menge Zuspruch findet.

Bewährt hat sich außerdem, dass für das leibliche Wohl gesorgt wird. So gibt es auch in der Halle in Dechsendorf einen großzügigen Gastrobereich, außerdem eine nette Ecke zum Sitzen und Plaudern, und wer will, kann sich aus einem Buchregal einen Reiseführer holen und schon mal die nächste Tour in – sagen wir mal – Südamerika planen. Für den Nachwuchs gibt es einen abgetrennten, betreuten Kinderbereich. Geplant sind außerdem Boulderkurse. Und bei den über 100 Routen (nach einer Ausbauphase werden es über 200 sein) ist in allen Schwierigkeitsgraden etwas dabei.

Vielfalt an Bewegungen

Warum speziell das Bouldern so beliebt ist, darüber muss Simon Herr nicht lang nachdenken: „Man braucht außer Kletterschuhen kein Equipment, man braucht keinen Sicherungspartner, und man kann abgefahrene Bewegungen ausprobieren.“ Fast jeder Zug sei anders. Die Vielfalt an Bewegungen ermögliche es, dass es nie langweilig werde und das Training nicht einseitig sei. „Da spürt man Muskeln, von denen man nicht wusste, dass man sie hat“, bekräftigt er. Da sei also jede Menge körperliches Training möglich, bloß auf spannendere Art und Weise als im Fitnessstudio. Und noch einen Grund gibt es, der in den Augen der beiden fürs Bouldern spricht. „Wir wollten nie eine Kletterhalle, weil sich da immer wieder mal tödliche Unfälle ereignen“, sagt Simon Brunner. Das könne bei einer Boulderhalle nicht passieren, das Verletzungsrisiko sei gering.

Die beiden Inhaber sind bei der Sektion Erlangen des DAV keine Unbekannten. Hier haben sie sich in der Jugendgruppe einst kennengelernt, später waren sie selbst Jugendleiter. Dass sie ein eingespieltes Team sind, ist offensichtlich. „Wir sind beste Freunde“, sagt Simon Brunner. „Und wir sind beide leidenschaftlich in allem, was wir machen.“ Ideale Voraussetzungen, finden sie, um aus ihrer kommerziellen Boulderhalle ein Erfolgsprojekt zu machen. Dass das nur klappt, wenn die – inzwischen sehr große — Klettergemeinde mitspielt, ist klar. „Blockhelden“ heißt die neue Halle.

„Wenn man einen Boulder, das heißt Block, geschafft hat, hat man ein kleines Heldengefühl“, erklären sie. „Jeder kann Blockheld werden.“ Mit dem Namen, so ergänzen sie, „benennen wir die Leute, die hier klettern.“ Denn ihnen sei klar: „Wir können zwar die schönste Halle der Welt bauen, aber was daraus wird, hängt von den Leuten ab, die herkommen.“

Die Boulderhalle Blockhelden, Weisendorfer Straße 18, Dechsendorf, eröffnet am 3. Oktober um 9 Uhr mit einem Tag der offenen Tür. Geöffnet an Wochentagen von 15 bis 23 Uhr (ab 3. November elf bis 23 Uhr), an den Wochenenden ab neun Uhr. 

EVA KETTLER

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