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Im Garten des Farbenmagiers

Tilman Urbachs einfühlsame Doku über Gotthard Graubner - 03.09.2015 08:35 Uhr

Gotthard Graubner öffnete für den Fil­memacher sein Atelier.

Gotthard Graubner öffnete für den Fil­memacher sein Atelier. © Film Kino Text


Mit Gerhard Richter teilte er die per­sönliche Zurückhaltung, mit Georg Baselitz die Vorliebe für Hüte. An die Popularität dieser beiden Kollegen ist Gotthard Graubner nie wirklich her­angekommen, aber er war einer der großen deutschen Maler des 20. Jahr­hunderts. Seine unverwechselbaren Bilder hängen im Reichstag und in den bedeutendsten Museen der Welt. Zu seinem 80. Geburtstag hatte er dem Filmemacher Tilman Urbach sein Atelier geöffnet, ließ sich beim Malen, beim Vorbereiten von Ausstel­lungen beobachten und geduldig befragen.

Vom Wachsen und Gedeihen

Man sieht ihm zu, wie er mit Pinseln groß wie Rinderfüße zarteste Lasuren auf dick gepolsterten Stoffen überein­anderlegt, wie er sie mit Wasser be­sprüht fast wie ein Gärtner, der seine Pflanzen hegt. Eine Assoziation, die so falsch offenbar nicht ist: „Ein Bild wächst und gedeiht, es verdichtet sich zu einem Organismus“, sagt Graubner später im Film.

Und er fragt sich beim Betrachten der Landschaft auf der Museumsinsel Hombroich, wo er sein Atelier hatte, ob die Menschen diese wunderbaren Nuancen von Grün überhaupt noch wahrnehmen: Das wirkliche Sehen, so klagt er, sei heute eine Seltenheit. Der Film bietet in seiner wohltuend ruhi­gen und dennoch spannenden Mach­art Gelegenheit dazu. Immer wieder zoomt die Kamera auf Details der Bil­der oder zeigt Blicke in Ausstellun­gen, die wie Wundertüten mit vielen bunten Bonbons wirken.

Wie ein Konzert

Graubner selbst verglich die Male­rei gerne mit der Musik: Die Nuancen von Farben, die miteinander klingen, das sei wie ein Konzert. Und er selbst fühle sich beim Malen, wenn er Lasur auf Lasur streicht, jedes Mal so, als würde er ein Saiteninstrument um­stimmen – immer auch in der Gefahr daneben zu liegen.

Ganz früh, noch in DDR-Zeiten, malte der gebürtige Sachse gegen­ständlich, verschrieb sich aber dann Jahrzehnte lang dem Abstrakten, genauer gesagt der Farbe. Auf sie hat­te er „endlosen Appetit“, sie setzte er mit unermüdlicher Neugier in immer neue Dialoge. Nie hart oder aggressiv, sondern stets fließend, weich, orga­nisch eben. Allen Betrachtern rät er: „Meine Bilder sollte man mit dem Atem aufnehmen.“ (D/93 Min.; Metro­polis, Nbg.) 

Birgit Ruf

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