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"T2 Trainspotting": Die Party ist vorbei

Viel Nostalgie: Danny Boyles gealterte Helden sind zurück auf der Leinwand - 16.02.2017 08:00 Uhr

20 Jahre später sind die Illusionen verflogen: Ewan McGregor als Mark (re.) und Jonny Lee Miller (Simon).

20 Jahre später sind die Illusionen verflogen: Ewan McGregor als Mark (re.) und Jonny Lee Miller (Simon). © Foto: Sony


Ein bürgerliches Leben mit Familie, Auto und Waschmaschine – das war die Idee, als Mark Renton (Ewan McGregor) am Ende des ersten Films seine Kumpels um ihren Anteil an den 16.000 Pfund aus einem Drogendeal brachte und mit dem Geld nach Amsterdam verschwand.

Aus dem Traum ist nichts geworden. Jetzt ist Mark nach Edinburgh zurückgekehrt und bricht gleich zu Beginn auf dem Laufband im Fitnesscenter zusammen. Bei den anderen sieht es nicht viel besser aus. Spud (Ewen Bremner) hat seinen Job auf einer Baustelle verloren und hängt noch immer an der Nadel, "Sick Boy" (Jonny Lee Miller), der jetzt seinen echten Namen Simon trägt, hat jede Menge wenig seriöser und wenig erfolgreicher Geschäftsideen, und der cholerische Begbie (Robert Carlyle) sitzt seit damals im Gefängnis.

Klingt ernüchternd und ist es auch. So wie "Trainspotting" 1996 mit seinen delirierenden Bildern und dem aufputschenden, coolen Britpop- Soundtrack das wilde Lebensgefühl einer Generation einfing, die sich wenig um die Zukunft scherte, ist Danny Boyle jetzt nah an der bitteren Realität arbeitsloser, mittelalter Männer im prekären neuen Edinburgh.

Du hast keine Chance, also nutze sie. Nachdem Simon Mark zum Empfang das Billard-Queue über den Schädel gezogen hat, werden Pläne geschmiedet fürs Geldverdienen. Ein Sexsauna-Club mit EU-Förderhilfe (nach dem Brexit wäre das keine Option mehr) könnte ein großer Coup werden.

Doch die bizarren Existenzrettungsversuche sind nur Nebensache. Stattdessen zeigt Boyle, wie die wiedervereinte alte Truppe trotz allem zusammenhält. Szenen aus dem ersten Film halten den Nostalgiefaktor hoch. Und viel Melancholie schwingt mit, als Mark, Simon und Spud das Grab ihres an einer Überdosis gestorbenen Freundes Tommy besuchen und Mark von seinem Vater erfährt, dass seine Mutter bis zu ihrem Tod auf ihn gewartet hat.

Richtig trashig wird es erst wieder, als der Schläger Begbie, der Mark die Sache mit dem Geld nie verziehen hat, aus dem Knast entkommt. Dass sich die beiden ausgerechnet in einer Männertoilette begegnen, erinnert natürlich an die berühmte Kloszene aus dem ersten Film. Allerdings gibt es hier keinen Tauchgang mehr ins halluzinierte blaue Meer.

Die Realität hat die Freunde eingeholt. Am Ende legt Mark in seinem alten Jugendzimmer noch einmal Iggy Pops "Lust for Life" auf den Plattenteller, fängt an zu tanzen und die Kamera fährt wie durch einen Tunnel weit, weit zurück. Die wilden Zeiten sind vorbei, aber die Musik ist immer noch da. Auf der Tonspur läuft Blondie, Frankie Goes to Hollywood, The Clash – der Soundtrack ist jetzt noch mehr retro als damals, aber auch in "T2 Trainspotting" die halbe Miete. (GB/117 Min.

Regina Urban

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