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Auf Tour durch Myanmar

Kreuzfahrt durch Südostasien: faszinierende Landgänge und Entspannung an Bord - 13.02.2016 08:00 Uhr

Der einstigen königlichen Barke nachempfunden: ein Hotelschiff auf dem Ayeyarwaddy-Fluss.

Der einstigen königlichen Barke nachempfunden: ein Hotelschiff auf dem Ayeyarwaddy-Fluss. © Gerhard Lauchs


Mein täglicher Aperitif“, sagt Henryk Meyer schumzelnd und nippt an seinem Rum. Unaufgefordert hat einer der Barkeeper an der Tui-Bar ihm einen Teller mit einem Berg Limettenschnitten hingestellt. „Die kennen mich schon lange“ sagt der weißhaarige Mittsechziger aus Oldenburg. Immerhin ist es schon seine elfte Reise auf der „Mein Schiff 1“. Und er ist bei weitem nicht der einzige Stammgast.

Meyer und seine Frau Irma lieben Kreuzfahrten und vor allem die Atmosphäre auf der relativ kleinen „Mein Schiff 1“. Einmal waren sie mit einem der „großen Pötte“ aus Amerika in der Karibik. 5000 Menschen waren dort an Bord, sagt Meyer. „Vor allem bei den Landausflügen kam man sich vor, als wären alle Bewohner einer Kleinstadt gleichzeitig auf Schulausflug.“

Ein Drink vor dem Abendessen

Auf das erste Schiff der Tui-Flotte – inzwischen baut man schon am sechsten – passen nur gut 1900 Passagiere. Etliche gönnen sich wie Meyer vor dem Abendessen einen Drink. Gelegentlich auch zwei. Kostet schließlich nicht extra. Die meisten Getränke sind im Preis der Kreuzfahrt inbegriffen. Auch edle Marken werden ausgeschenkt. Die Barkeeper an der mehr als 70 Meter langen Theke haben zu tun.

Premium All inclusive heißt das Konzept an Bord von „Mein Schiff 1“. Dazu gehören die Drinks an den Bars ebenso wie das Essen in den meisten Restaurants

Wir sind auf dem Rückweg einer kleinen Südostasien-Kreuzfahrt. Von Phuket in Thailand geht es über Malaysia hinab nach Singapur. Die 99 Trauminseln von Langkawi, Kuala Lumpur und Georgetown auf der malaysischen Insel Penang in der Straße von Malakka, der dichtest befahrenen Wasserroute der Welt, stehen noch oder standen schon auf dem Programm.

37 Grad Hitze

Georgetown mit seinen britischen Kolonialbauten, den chinesischen Tempeln ist ein Muss für einen Landgang. Wären da nur nicht die 37 Grad Hitze, die hohe Luftfeuchtigkeit und die gemein stechende Sonne. Also nur noch schnell eine Portion Dim Sum, diese wunderbaren gefüllten Teigtäschchen, die schon dem Namen nach „das Herz berühren“, und dann zurück aufs klimatisierte Schiff.

Ein bisschen Entspannung haben wir uns schließlich verdient – nach gefühlt Tausenden von Pagoden und Zehntausenden von Buddhastatuen in einem Land, das lange Jahrzehnte abgeschottet war und in vielen Teilen erst noch richtig entdeckt werden muss: Myanmar, Birma oder Burma, wie es zu britischen Kolonialzeiten noch hieß. Erlebnis-Kreuzfahrt heißt dieses neue Konzept: tief eintauchen ins Land und danach erholen an Bord.

Yangon, die ehemalige Hauptstadt des 52 Millionen Einwohner zählenden Landes: Am Flughafen wird gebaut, die Zufahrtsstraße ist eine Aneinanderreihung von Hoch- und Tiefbauten, die den ohnehin hektischen Verkehr zum Chaos werden lassen. „Wer hat in Yangon Vorfahrt?“, heißt es in einem Witz. „Der, der am mutigsten ist!“, so die Antwort. Stimmt!

"Mein Schiff 1" ankert vor der Küste Thailands

"Mein Schiff 1" ankert vor der Küste Thailands © Gerhard Lauchs


Die Briten planten die Stadt einst neu für 36.000 Einwohner. Heute leben über fünf Millionen Menschen dort. Rund zehn Prozent der Gesamtbevölkerung Myanmars. Und es werden ständig mehr. Aber auffallend: Anders als in allen anderen asiatischen Städten und auch anders als in Burmas zweitgrößter Stadt Mandaley knattern keine Mopeds durch die Straßen. Eine Erinnerung daran, dass hier einst die Militärdiktatur ihren Regierungssitz hatte. Das Mopedverbot sollte mögliche Anschläge verhindern, sagt unsere Führerin Nang Laong Tang. Wie lange sich das Mopedverbot noch hält, nachdem die Hauptstadt einige hundert Kilometer nach Norden in die Retortensiedlung Naypyidaw verlegt worden ist?

Über alle Gebäude Yangons ragt weithin sichtbar die Shwedagon-Pagode fast 100 Meter in die Höhe. Nach jedem Erdbeben – und es gab viele – wurde das religiöse Weltwunder der Buddhisten höher, prächtiger und größer wieder aufgebaut. Goldglänzend leuchtet sie tagsüber in der Sonne. Nachts zeigen Scheinwerfer die Pracht. Das Gold daran ist übrigens echt. Alle paar Jahre erhält sie einen neuen Überzug aus Blattgold. Längst hat „die Shwedagon“ der religiös eigentlich bedeutsameren und viel älteren Sula-Pagode nahe des Hafens nicht nur von der Höhe her den Rang abgelaufen.

Die Unesco hat 2300 Tempel gezählt

Pagoden: Schon beim Anflug aus Yangon im orangefarbenen Licht des Sonnenaufgangs sind sie in der palmenbestandenen Ebene von Bagan zahllos zu sehen. Tausende von kleinen und großen, spitzen Backsteingebäuden, willkürlich verteilt in der staubtrockenen braunen Ebene.

Knapp 2300 Tempel und Sakralbauten hat die Unesco hier schon gezählt und das Areal als erste Welterbestätte Myanmars vorgesehen. Inzwischen hat man schon deutlich über 3000 jahrhundertealte Bauten ausgemacht. Jede von ihnen ein wenig anders.

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Da ist die goldglänzende Shwezigon-Pagode gleich am Ayeyarwaddy-Fluss, der Gubyaukgyi-Tempel mit unzähligen Fresken im Inneren, der prächtige Ananda-Tempel aus dem 11. Jahrhundert mit neun Meter hohen Buddha-Figuren, die das Innere bewachen. Die Gläubigen lassen sich von den Touristen nicht stören. Nicht sehr pietätvoll geht es dagegen am Abend auf den wenigen „Sonnenuntergangspagoden“ zu, die man noch erklettern darf. Statt Andacht gibt es Selfies, fliegende Händler und Musik. Der Sonnenuntergang über den ausgedörrten Staubfeldern Bagans ist dennoch beinahe mystisch.

Nein, die alten Tempel hat Kyant Kyant Lay noch nicht gesehen. Aber im Sommer will ihr Vater sie mit dem Moped mitnehmen. Eine kleine Weltreise wird das für die Neunjährige offenbar, so aufgeregt, wie sie davon erzählt. Obwohl ihr Dorf Taung Ba gerade einmal zehn Kilometer von Alt-Bagan entfernt liegt. Noch vor wenigen Jahren wäre es unmöglich gewesen, das 1600-Einwohner-Bauerndorf zu besuchen. Die Militärs wollten nicht, dass sich Touristen und Dörfler unterhalten.

Kyant will Lehrerin werden

Unser Reiseveranstalter Gebeco unterstützt seit Jahren neben dem Kindergarten auch die örtliche Schule, bezahlt einen Teil der Lehrkräfte, baut Brunnen und Toilettenanlagen. Kyant, 4. Klasse Grundschule, will Lehrerin werden, sagt sie stolz. Und dann ihr Wissen weitergeben, um die Menschen klug machen. Die Mädchen sind sehr eifrig beim Lernen, unterstreicht auch der ehemalige Bürgermeister U Soe Maung. Der 59-Jährige ist stolz auf die Entwicklung seines Dorfes. Seitdem es Strom gibt, haben sich sogar schon 80 Familien ein Fernsehgerät angeschafft. Handy, Moped: Das ist der Stoff aus dem die Träume junger Burmesen ist. Auch wenn die meisten als Bauern im Dorf bleiben werden und mit ihren von Zeburindern gezogenen Karren hinaus zur Sesam- und Erdnussernte fahren werden.

Ähnlich vorgezeichnet scheint der Weg des kleinen Aung am Inle-See im Nordosten Myanmars zu sein. Mit seinen zehn Jahren steuert er schon überaus geschickt das flache Boot. Sogar das Rudern mit einem Bein, damit man die Hände frei hat für die Netze, funktioniert schon ganz gut. Aber wird das auf Dauer zum Leben auf dem See reichen? Zumal die Beute in den Maschen immer geringer wird.

Die Einbeinruderer vom flachen Inle-See mit maximal acht Metern Wassertiefe sind berühmt, genauso wie die schwimmenden Gärten mit den Tomatenplantagen, die Stelzendörfer mitten im See oder die Lotusweber, die aus Pflanzenfasern edle Schals fertigen. Viele Gründe, warum es zunehmend Touristen, meist Rucksackreisende, aufs 1000 Meter hohe Shan-Plateau zieht.

Bummelbahn der Briten

Viele der „Inthas“, der „Söhne des Sees“ profitieren von dem zunehmenden Interessen der Reisenden. Vor allem, wenn sie sie mit ihren knatternden Langbooten auf Tagestour zu den 37 Dörfern am See schippern können. Obwohl es gar nicht so einfach ist, den Inle zu erreichen. Der nächste Flughafen Heho mit einer Landebahn für Kleinflugzeuge ist 80 Kilometer entfernt. Und die Bummelbahn, die die Briten schon angelegt haben, ist eine reine Stoßwellentherapie für die Wirbelsäule. Der See entschädigt aber für Vieles.

Zurück an Bord von „Mein Schiff 1“: Ist es wirklich erst gestern gewesen, dass man barfuß Tausende von Stufen zu Tempeln hoch geklettert ist, dass wütende Affen versuchten, die Wasserflasche zu klauen, dass unheimlich freundliche Menschen sich ständig nach Deutschland erkundigten?

Hier am Schiff gibt es Aufzüge, noble Restaurants, Bars. Viel Luxus. Nur schade, dass es kein Myanmar-Bier an Bord gibt. Das schmeckte nicht nur am Ufer des Ayeyarwaddy richtig gut.

Weitere Infos:

Erlebnis-Kreuzfahrt von Gebeco und Tui-Cruises, die diese Reise unterstützt haben.

www.gebeco.de/reisen

Reiseveranstalter Gebeco und die Kreuzfahrt-Reederei TUI Cruises bieten als neue Reiseform Erlebnis-Kreuzfahrten an – eine Kombination aus Erlebnisreise mit Gebeco Länder erleben und Wohlfühl-Kreuzfahrt mit TUI Cruises. Eine der elf Erlebnis-Kreuzfahrten verbindet eine Rundreise durch Myanmar mit einer anschließenden Kreuzfahrt auf der „Mein Schiff 1“ durch Asien.

Preisbeispiel: „Myanmar und Meeresbrise“, 17-Tage-Erlebnis-Kreuzfahrt ab 3095 Euro.

www.gebeco.de/reisen/256S000
  

Gerhard Lauchs

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