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Brasilien: Im Improvisieren geübt

Auch wenn nicht immer alles klappt: Brasilien ist übersät mit atemberaubenden Zielen - 29.11.2012 14:09 Uhr

Entlang des schönsten Stadtstrands der Welt, der Cobacabana, tobt der Verkehr und es regnet in Strömen. Keine Bikinischönheiten zeigen sich, keine Männer, die an Turngeräten ihre Muskeln stählen und keine Surfer, die sich in die Brandung stürzen. Die Strandcafés sind verwaist. Nur eine Sandburg, die die weltberühmte Christusfigur in Miniformat schützend umgibt und die Schriftzüge „Welcome to Rio“ und „Rio 2016“ trägt, wird streng bewacht, damit auch ja kein Tourist fotografiert, ohne seinen Obolus dafür zu entrichten.

Wenn das Wetter mitspielt, sind die Ausblicke spektakulär: Rio im Abendlicht.

Wenn das Wetter mitspielt, sind die Ausblicke spektakulär: Rio im Abendlicht. © Felipe Dana/AP/dapd


„Der brasilianische Frühling beginnt heuer recht feucht. Dabei kennt Rio de Janeiro eigentlich nur zwei Jahreszeiten: einen frischen und einen heißen Sommer“, entschuldigt sich Stadtführerin Ines für das Wetter. Die Straßen sind permanent verstopft und die Autofahrer müssen sich durch zahllose Baustellen quälen. Seit der Vergabe der Fußball-WM 2014 und der Olympischen Spiele 2016 an Rio macht sich die Stadt am Zuckerhut fit für die Ereignisse.

„Ein neues Verkehrssystem ist geplant, aber wahrscheinlich reichen die Maßnahmen nicht aus, um den Verkehr fließen zu lassen“, lacht Ines, „aber wir sind darin geübt, zu improvisieren!” Ein Nachrichtenmagazin befürchtete sogar, dass das Maracanã-Stadion frühestens 2038 umgebaut sein wird, wenn es beim bisherigen Arbeitstempo bleibe. Wirklich schön ist die Stadt nur von oben. Ziemlich genau vor 100 Jahren schwebte die erste, von einem deutschen Unternehmen gebaute Gondel in schwindelnder Höhe hinauf auf den Zuckerhut. Oben eröffnet sich – bei schönem Wetter – ein atemberaubendes Panorama über die Buchten und grünen Hügel Rios hinüber zur gut fünf Kilometer entfernten, weltberühmten Christusstatue auf dem 704 Meter hohen Corcovado.

Die Wasserfälle in Iguaçu.

Die Wasserfälle in Iguaçu. © Eveline Krabec


Brasilien ist ein riesiges Land, und um andere Städte und Naturreiseziele kennen zu lernen, muss man fliegen. Etwa 1500 Kilometer von Rio entfernt ziehen die gewaltigsten Wasserfälle der Welt und ein riesiger Nationalpark in Foz do Iguaçu Touristen aus aller Welt an. Ein etwa vier Kilometer langer Panoramaweg führt entlang der spektakulären Kaskaden durch subtropischen Regenwald. Unbeeindruckt von den Besuchern zeigen sich Südamerikanische Nasenbären auf den Gehwegen. Sie haben sich längst an die Touristen gewöhnt.

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Ein anderes Naturreservat ist eine weitere Tagesreise entfernt: das im Dreiländereck von Paraguay, Bolivien und Brasilien liegende Pantanal. Vom Flughafen in Cuiabà aus gelangt man nach einer mehrstündigen Autofahrt ins größte Feuchtsavannengebiet der Erde, das von der Fläche her fast so groß wie Rumänien ist. Von den Lodge-Unterkünften geht es je nach Regen- oder Trockenzeit per Boot oder Jeep ins Sumpfgebiet, das wegen seiner Tier- und Pflanzenvielfalt vor zwölf Jahren zum Weltnaturerbe und Biosphärenreservat erklärt wurde.

Die Sandburg an der Copacabana wirbt für Rio 2016.

Die Sandburg an der Copacabana wirbt für Rio 2016. © Eveline Krabec


Der Klimawandel macht sich auch hier bemerkbar. Nach dem Regen in Rio also extreme Trockenheit im Feuchtgebiet: die Gruppe macht sich bei heißen 40 Grad zu Fuß auf den Weg, um das Naturreservat zu erkunden. Die Rangerin zeigt Pflanzen, die bei Magengeschwüren helfen oder die Weißfleckenkrankheit mildern. Sie klopft an einen mit Termitennestern übersäten Baum, quetscht die kleinen Tierchen zwischen Daumen und Zeigefinger und lässt uns den Zitronenduft riechen. Wunderschöne Hyazinth-Aras mit leuchtend blauem Gefieder machen durch ihr Krächzen auf sich aufmerksam. Ungefähr 650 Vogel- und 100 verschiedene Säugetierarten sind im Pantanal heimisch.

Als Hauptattraktion gelten aber die bis zu zweieinhalb Meter langen Kaimane, die sich während der Trockenzeit zuhauf an den verbliebenen Wasserstellen einfinden. Während einer nächtlichen Tour blitzen Hunderte Augen im Schein der Taschenlampe als leuchtende Punkte aus den Wasserlöchern.

Weitere Flüge sind nötig, um zwei Städte zu besuchen, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Brasilia, die moderne Hauptstadt Brasiliens, in den 60er Jahren auf dem Reißbrett konzipiert, und Salvador da Bahia, die erste Hauptstadt mit kolonialer Vergangenheit und entsprechender Architektur. Trifft man in Brasilia überall auf die futuristischen, wuchtigen, fast nüchtern wirkenden Betonbauten des Architekten Oscar Niemeyer, punktet Salvador mit portugiesischen Kolonialhäusern und einer Vielzahl an Barock- und Rokokokirchen. Bahia ist der Staat mit dem größten Anteil tief dunkelhäutiger Menschen. Den Nachfahren der schwarzen Sklaven verdankt Bahia heute viele afro-brasilianische Gerichte. In kleinen Garküchen verkaufen Bahianerinnen in ihrer hübschen weißen Tracht die regionalen Köstlichkeiten, z.B. frittierte Teigtaschen mit Krabben und viel Pfeffer, und laden zum Probieren ein.

Die Verständigung ist allerdings schwierig. Nicht nur hier, überall in Brasilien spricht kaum jemand ein Wort Englisch, auch nicht die Menschen, die im Tourismus arbeiten. Viele Einheimische wirken distanziert, kaum ein Lächeln wird erwidert. Ist die viel zitierte brasilianische Lebensfreude ein Klischee, oder wird sie nur während des Karnevals inszeniert? Service scheint ein Fremdwort zu sein und man denkt sich: „Leute, kommt endlich in die Gänge. Ihr empfangt bald die weltbesten Fußballer und Gäste aus aller Welt!“

Infos zu Brasilienreisen unter www.studiosus.de und www.marco-polo-reisen.com; Buchtipps: Rio de J., DuMont, 9,99 Euro; Reise-Handbuch Brasilien, DuMont, 24,95 Euro. Diaschau unter www.nordbayern.de/reise 

Von Eveline Krabec

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