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Die Küstenmetropole Tanger inspirierte Künstler

Tanger ist seit jeher ein Ort, an dem sich Rockstars, Maler und Schriftsteller inspirieren ließen - 01.02.2013 20:00 Uhr

Tanger  - Es ist ein harter Abgrund, aber einer der prickelndsten Afrikas: das „Café Absturzkante“ – wie sich „Café Hafa“ aus dem Marokkanischen ins Deutsche übersetzen lässt. Beat-Schriftsteller wie Paul Bowles, Jack Kerouac und Truman Capote hockten hier, direkt über der Meeresstraße von Gibraltar, um am frischen Minztee mit sehr viel Zucker zu nippen – wenn nicht gerade andere Substanzen im Umlauf waren.

Blick auf Tanger, das auf Hügeln um die Mittelmeerbucht gebaut ist.
Blick auf Tanger, das auf Hügeln um die Mittelmeerbucht gebaut ist.
Foto: AFP
Blick auf Tanger, das auf Hügeln um die Mittelmeerbucht gebaut ist.
Blick auf Tanger, das auf Hügeln um die Mittelmeerbucht gebaut ist.
Foto: AFP

Auch Rockstars wie die Beatles und die Rolling Stones kamen her, um Atmosphäre zu schnuppern – und anderes.Wer heute an einem der weißen Tische neben blauen Geländern des Kulturorts sitzt, der am Abhang von Nordafrika klebt, dem eröffnet sich nicht nur der großartige Blick auf den gegenüberliegenden Südzipfel Spaniens. Man befindet sich zudem an einem Ort des Lichts, dessen Geschichte im Jahr 1921 begann und wie vieles in der wechselvollen Historie von Tanger erscheint – bunt durchtränkt und mythenumrankt.

Angeblich hat ja Herkules dafür gesorgt, die Erdteile hier auseinanderzuschieben und damit eine Meeresenge zu schaffen, die nun täglich rund 300 Handelsschiffe passieren. Inzwischen sogar relativ gefahrlos, nachdem seit 1864 ein Leuchtturm am „Kap Spartel“ bis nach Spanien rüberblinkt. Herkules jedenfalls, der antike Kraftmaxe, soll sich anschließend in einer reizvollen Grotte ausgeruht haben, die man westlich von Tanger am Atlantik findet: Wobei jener Ort auch insofern interessant ist, als sich danach 44 Kilometer hotelfreie Strandlandschaft Richtung Süden erstrecken.

 

Ein Schmelztiegel für Aussteiger und Abenteurer

Die heute rund 700.000 Einwohner zählende Metropole Marokkos war aufgrund der speziellen Lage stets ein Schmelztiegel der Kulturen. Hier, wo Mittelmeer und Atlantik ihre Fluten vermischen und wo es an der engsten Stelle nur etwa elf Kilometer durch die Wellen bis rüber nach Europa sind, ist die Gegend sowohl von der Antike, als auch dem Berbertum und dem Islam geprägt. Karthager wie Portugiesen wie Briten und Spanier hinterließen Spuren. Als „Internationale Zone“, die den Ruf von Freizügigkeit genoss, wirkte die Hafenstadt ab den 1950er Jahren wie ein Magnet auf Sehnsüchtige von fern. Europäische und amerikanische Schriftsteller, Aussteiger und Abenteurer landeten hier an. Es floss viel literarische Tinte. Und Maler wie Henri Matisse zeigten sich von Licht und Schatten der Medina infiziert.

Wer heute Tanger bereist, erlebt ein Marokko im Umbruch. Es gibt neue Autobahnen, die mit ihren blauen Verkehrsschildern an die deutschen erinnern. Es entsteht eine Hochgeschwindigkeitsstrecke für den TGV von Tanger nach Casablanca, Großstädte erhalten Straßenbahnen. Und der Bauboom im Tourismus ist unübersehbar.

Wo der König und Wüstenbewohner im Sommer entspannen

Tanger, auf Hügeln um die Mittelmeerbucht gebaut, steht wegen seiner mondänen Lage schon länger im Ruf, ein „St. Tropez von Marokko“ zu sein. Auf einheimische Urlauber wirkt der Ort attraktiv, wenn sie in den Sommermonaten aus dem heißen Landesinneren ins wohltuendere Klima dieser Nordküste fliehen.

König Mohammad VI – im Volksmund schon mal „M6“ genannt –, weiß die Vorzüge der Gegend zwischen Tanger und der Stadt Tetuan mit ihrer Unesco-geschützten Medina ebenfalls zu schätzen. Der König hat hier seinen Sommerpalast.

Marokko ist islamisch geprägt, gleichzeitig schmückt sich das Land damit, dass das Parlament zu einem Drittel aus Politikerinnen besteht. Der seit 1999 amtierende Mohammad VI genießt offenbar das Vertrauen der Bevölkerung, was politische Stabilität betrifft. Wohlhabendere Marokkaner investieren nicht mehr wie früher in Südeuropa, sondern im eigenen Land. Und wenige Kilometer östlich von Tanger ist die Freihandelszone „Tanger Med“ entstanden: ein riesiger Fährterminal und ein noch größerer Frachthafen, der nach Fertigstellung der größte Tiefseehafen Afrikas sein wird.

Kreuzfahrtschiffe machen hingegen vor den Toren der Altstadt von Tanger fest; dreimal im Monat strömen etwa die Passagiere ins Herz der winkeligen Medina. Wer die prächtige Altstadt betritt, taucht ein in ein Duft- und Farbenspiel aus engen Gassen und kleinen Läden, Markthallen, Turmhäusern und Plätzen.

Von den Balkonen des ältesten Hotels Tangers aus, der Fünf-Sterne-Unterkunft „Minza“, eröffnet sich ein Blick auf Bucht und Dächer. Ein architektonisches Nebeneinander ist zu sehen. Erst um 1890 etwa entstanden am „Petit Socco“ die ersten Häuser im europäischen Stil. Gerade der „Socco“ gibt stimmungsvoll die Atmosphäre der Bilder von Eugene Delacroix wieder – noch so ein Maler, der Tanger verfiel. „An jeder Straßenecke könne er ein Bild malen“, bemerkte der Franzose. Man kann ihn heute noch verstehen.

 Weitere Informationen:

Anreise mit Royal Air Maroc über Casablanca nach Tanger: www.royalairmaroc.com

Mehr Infos: Marokkanisches Fremdenverkehrsamt, www.tourismus-in-marokko.de, das diese Reise unterstützte.
  

Von Christian Mückl


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