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Frankreich: Wandern auf Wasser

Mit dem Hausboot ganz gemächlich unterwegs - 22.09.2012 10:13 Uhr

Grüne Landschaften, blau-grün-braunes Wasser am Canal du Centre: Saint-Léger-sur-Dheune hat eine gepflegte kleine Marina.

Grüne Landschaften, blau-grün-braunes Wasser am Canal du Centre: Saint-Léger-sur-Dheune hat eine gepflegte kleine Marina. © Alexander Jungkunz


Es gibt sehr viele Arten, eine Region zu erkunden. Mit dem Auto — schnell, oft zu schnell, nicht wirklich drin in der Gegend, an der Natur. Zu Fuß — sehr intensiv, sehr langsam, aber auch recht bis sehr anstrengend. Mit dem Fahrrad — schneller als zu Fuß, aber ebenfalls eine durchaus sportliche und vor allem auch logistische Herausforderung: wohin mit dem Gepäck? Wo übernachten?

Eine Methode, mit der sich Behutsamkeit, Naturnähe und Komfort ziemlich ideal kombinieren lassen, ist das Reisen per Hausboot. Das gibt es vor allem im Kanal-Dorado Frankreich in sehr vielen Orten und in Größen ab zwei bis zu zwölf Personen an Bord. Ausgestattet, je nach (nicht geringem) Mietpreis, mit modernen Naßzellen für jede Doppelkabine, funktionaler Küche und ausreichend Platz für die Crew.

So schippert man dann quasi im schwimmenden Wohnmobil — wobei das Hausboot deutlich mehr Raum bietet — durch grüne Landschaften. Sehr langsam — das Tempo ist auf maximal zwölf Kilometer pro Stunde gedrosselt. Aber sehr entspannend. Wer etwa den Westen der in rund sechs Autostunden zu erreichenden Region Franche-Comté und das benachbarte Burgund samt seinen wunderbaren Weinen und kulinarischen Höhepunkten mal auf andere Art erfahren will, der kann zum Beispiel im mittelalterlichen Vorzeige-Städtchen Dole an Bord gehen.

Den Doubs entlang

Von dort aus gibt es zwei Fahrtmöglichkeiten: nach Osten den teils kanalisierten Fluß Doubs entlang bis nach Besançon mit seiner mächtigen Zitadelle des französischen Festungsbaumeisters Vauban. Eine landschaftlich sehr reizvolle Strecke, die allerdings nicht unbedingt für Boots-Anfänger geeignet ist.

Oder nach Westen, ein Stück Kanal entlang bis zur Saône. Wer noch nie ein Hausboot gesteuert hat, der bekommt einleitend eine Einführung. Dennoch dauert es ein paar Kilometer, bis man mit der doch ganz anderen Art des Manövrierens klarkommt — wer zu schnell los- oder anlegt, der riskiert schon mal einen leichten, wenn auch dank vieler polsternder Fender rund ums Boot nicht sehr folgenreichen Rumms. „Doucement“, immer schön langsam — das ist die beste Devise vor allem beim Einfahren in die vielen Schleusen, die sich mit einer Fernbedienung steuern lassen.

Eine der vielen Schleusen.

Eine der vielen Schleusen. © Alexander Jungkunz


Auf der doch recht stattlichen, oft über hundert Meter breiten Saône ist das Boots-Leben dann ein langer, ruhiger Fluß: Es gibt dort nur ganz wenige, auch für große Lastkähne und Flusskreuzfahrt-Schiffe geeignete Schleusen. Ansonsten gleitet man recht flott dahin — zum Beispiel Richtung Süden, wo es dann in Chalon-sur-Saône hineingeht in den kleinen, aber sehr schönen Canal du Centre. Und auf ihm gilt: Entschleunigung pur. Denn alle paar Kilometer, teils sogar im Abstand von 500 Metern, folgt dort eine auf die nächste Schleuse, die das Boot peu à peu hinaufhebt in die Weinberge. Da überholen einen locker die vielen Spaziergänger oder Jogger an den Treidelpfaden entlang des Kanals.

Mit Rad und Boot

Und man kann natürlich auch auf dem Hausboot das Rad mitnehmen — und dann am Abend die zuvor abgeschipperte Strecke abradeln. Das geht erstaunlich schnell: In einer halben Stunde schafft man da, ohne Schleusen, die Passage des ganzen Boots-Tages. Als möglicher Umkehr-Hafen — man muss das Boot in der Regel an den Ausgangsort zurückbringen, was aber nicht stört, weil sich bei der Rückfahrt ganz andere Blicke ergeben — bietet sich die nette Marina im kleinen Saint-Leger-sur-Dheune an. Und an der Saône locken reizvolle Städte wie Verdun-sur-le-Doubs, Seurre oder St.Jean-de-Losne zum Anlegen und teils auch Abbiegen in andere Kanäle oder Flüsse.

Wobei es sich empfiehlt, die Fahr-Manöver auf einem Kanal zu üben: Dort gibt es keine Strömung, die selbst erfahrene Hobby-Kapitäne bei diversen Anlege-Versuchen oft zur Verzweiflung treibt. Und entlang der Kanäle kann man meistens überall festmachen. Wer auf dem Fluss fährt, muss sich da eine Marina suchen. Entspannung jedenfalls ist stets dabei an Bord — allerspätestens dann, wenn das Boot erfolgreich vertaut ist.

Weitere Informationen:

Es gibt mehrere internationale Hausboot-Anbieter. Unter anderem in Dole hat die Nicols-Gruppe eine Marina (www.hausboot-nicols.de). Eine erfahrene Bootsvermittlung für zahlreiche Anbieter nicht nur in Frankreich ist Karin Merkle Hausboot-Vermittlung (www.karinmerkle-hausboote.de). 

Von Alexander Jungkunz

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