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Frankreich: Wandern, wo die Musketiere fochten

Die dünn besiedelte zentralfranzösische Auvergne mit ihren Vulkanketten, Wasserfällen und hübschen Städten entdeckt man am besten zu Fuß - 03.05.2012 13:31 Uhr

An einem der vielen Seen in der Auvergne.

An einem der vielen Seen in der Auvergne. © Comité Régional de Développement Touristique d'Auvergne


Wenn die Delors aus Puy-en-Velay zum traditionellen Open-Air-Genuss auf die Hochebene südwestlich ihrer Heimatstadt hinauffahren, sind solche Leckereien immer dabei. Oft bleiben die Trekkingstiefel im Kofferraum, man genießt Sonne, Luft und Natur lieber kommod auf der Picknickdecke und lädt Wanderer zu Tisch.

Von der Gastfreundschaft in der Auvergne schwärmen viele, die in der wildromantischen Region im südlichen Herzen Frankreichs wandernd unterwegs sind.

Die Auvergne ist feinstes Land für Wanderer. Unabhängig davon, ob man mit Puy Mory, Puy Griou, Le Lioron und Plomb du Cantal die aufregendsten Gipfel und Kämme in Europas größter Vulkankette erobert, sich von der wilden Schönheit der über dreißig Meter hohen „Grande Gascode" und anderen Wasserfällen wie „Saut du Loup“ und „Rossignolet" im östlichen Sancy Massiv verzaubern lässt oder eine Seen-Tour macht.

An den Hängen der Vulkane

Die Landschaft mit den typischen Grashängen der Vulkane, mit kargen Hochebenen, felsigen Heidelandschaften, dichten Wäldern und verträumten Eichen- und Eschenhainen ist einzigartig. Im Schatten dichten Laubes legt man zwischen Findlingen romantische Rasten ein, wie mit dem Pinsel hineingetupft leuchten Natursteinhäuser, Seen und Burgen aus dem Grün. Wer mag, begegnet in dem dünnbesiedelten Landstrich tagelang keiner Seele und ist eins mit sich und der Natur. Auch im Fôret de Troncais, dem vielleicht schönsten Eichenwald Europas, dessen älteste Bäume fast dreihundert Jahre alt sind.

Dort, wo die Delors herkommen, in Puy-en-Velay, starten Pilger seit dem 10. Jahrhundert in den Jakobsweg. Vom schlanken Vulkankegel „Rocher Corneille“ blickt die Statue der „Notre Dame de la France“ wohlwollend hinab auf die Wanderer, die sich den Segen für den Weg zum Heiligen Jakobus vorher bei der Schwarzen Madonna in der Kathedrale mit der maurisch anmutenden Westfassade geholt haben. Dann geht es die „Via Podiensis“ steil die Hügel hinauf und nach einem letzten Panoramablick über die Stadt Richtung Süden.

Wer nur eine Woche Zeit hat, kann beispielsweise die raue Schönheit der Landschaft über Saint-Privat-d’Allier bis Nasbinals in Tagesetappen von 18 bis 26 Kilometern Länge genießen. Zu den schönsten Momenten zählt dabei der Blick auf das Flusstal des Allier von der Chapelle Saint-Jacques in Rochgude, die historische Eisenbahn bei Pradelles und, schon im Zentralmassiv, der „Tour des Anglais“ in der malerischen Altstadt von Saugues. Den Namen verdankt der Turm einem englischen Ritter, der hier 1380 starb und auf dem gotischen Friedhof begraben ist. Ob der Mann je den See von Naussac besuchte oder die nahe Burg von Severac? Wasserratten und Angler lieben das tiefblaue Wasser und ein Abstecher zur Ruine über dem Tal des Aveyron ist ein Muss. Mit etwas Fantasie lassen sich die Musketiere in die Hügellandschaft projizieren und die Greifvögel der Falknerschule, die über dem Bergfried kreisen, komplettieren das Bild.

Keine Auvergne ohne Käse

Wer Wandern als Genuss versteht, weiß, dass die Auvergne nicht nur Heimat der feinen Puy-Linsen ist, sondern auch Herkunftsgebiet verführerischer Käse wie Bleu d’Auvergne, Cantal und Fourme d’Ambert. Gemacht werden sie allesamt auf der „Käsestraße“ zwischen Cantal und Puy de Dome. 40 Bauern, Käsereien und Kooperativen lassen dort Spezialitäten wie einen edelschimmligen Bleu de Laqueille verkosten.

In Baune-le-Froid, in der Bilderbuch-Vulkanlandschaft am Mont Dore, lädt Jean Louis Roux dazu ein, bei der Herstellung seines Saint Nectaire dabei zu sein. Natürlich aus roher Kuhmilch, mild, weich und mit leicht nussigem Aroma. Ein Genuss, den schon Sonnenkönig Ludwig XIV. zu schätzen wusste.

So sehr, dass er ihn auf seinen amtlichen Speiseplan setzen ließ. Ein Grund mehr, den feinen Käse selbst zu kosten. Und ein Stück davon mitzunehmen, für die Vesper auf dem Wanderweg. Man kann ja nicht davon ausgehen, jeden Tag zum Picknick eingeladen zu werden.

Allgemeines zur Auvergne

Die Auvergne liegt etwas südlich von Frankreichs Mitte. Die dünn besiedelte Landschaft ist geprägt von den sattgrünen Kegeln lange erloschener Vulkane, dichten Wälder und kargen Hochplateaus. Es gibt ein dichtes Netz von Wanderwegen. Wer in Herbergen übernachten will, sollte sich vorab informieren, wie viel Plätze es dort jeweils gibt. Das Klima der Auvergne ist rau, entsprechend passende Kleidung empfehlenswert. Der Frühling ist wechselhaft, die Sommer sind heiß mit kühlen Nächten.

Die Küche ist ländlich, das traditionelle Gericht heißt „aligot“: Kartoffelpüree mit frischem Tomme-Käse und einem Hauch Knoblauch. Apropos Käse. Sie zählen neben denen aus Savoyen zu den Besten aus Frankreichs Bergregionen. Eine Tour auf der Käsestraße ist also Pflicht. Noch ganz fein: „Der Kaviar des kleinen Mannes“. Gemeint sind die kleinen grünen Puy-Linsen.
Beste Reisezeit: Mai bis September

Weitere Informationen:

Atout France, Tel. (0900) 1570025, E-Mail: info.de@franceguide.de

Von Uwe Studtrucker

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