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Genießen unterm Rosengarten

Reizvolle Wanderungen und feine Küche: Das Südtiroler Bergdorf Tiers - 30.08.2012 13:48 Uhr

Wanderer erleben auf der Tummlwiese vor den Felswänden des Rosengartens das grandiose Panorama.

Wanderer erleben auf der Tummlwiese vor den Felswänden des Rosengartens das grandiose Panorama. © Eveline Krabec


Sie, Fräulein”, fragten Urlauber eine Mitarbeiterin des Campingplatzes von Bozen, „wie finden wir denn hier zum Rosengarten?“ Als diese auf die markante Bergkette östlich der Hauptstadt Südtirols zeigte, staunten die Touristen, denn sie hatten einen Garten mit blühenden Rosen erwartet.

Diese Begebenheit, wie sie Autorin Katja Solderer in ihren „Tierser Berggeschichten“ beschreibt, mag lange her sein, denn inzwischen ist die Rosengartenregion bei Bergfreunden ein beliebtes Ziel. Kein Wunder, denn das Massiv in den Südtiroler Dolomiten mit den spektakulären Felsspitzen lockt Bergsteiger zu hochalpinen Klettertouren und Wanderer können auf zahlreichen Wegen fantastische Ausblicke genießen.

Ein guter Ausgangspunkt für die Erkundung des Rosengartens und die nahe gelegenen Bergmassive Schlern, Latemar und Seiseralm ist das Bergdorf Tiers, das in ein Netz von rund 600 Kilometer an Wanderwegen, Klettersteigen und -routen eingebunden ist. Kurvenreich windet sich das Sträßchen von Bozen aus hoch nach Tiers, und unterhalb der Rosengartenkette entlang weiter zum Nigerpass auf knapp 1700 Metern.

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Reizvolle Wanderungen und feine Küche: Das Südtiroler Bergdorf Tiers.


Bergauf zur Alm

Von dort beginnt ein besonders schöner Wanderweg hinauf zur Haniger Schwaige, einer Alm, die zu Füßen der mächtigen Felswand liegt. Zunächst steigt man im Schatten des Fichtenwaldes bergauf und überquert dann blühende Bergwiesen direkt unterhalb von Laurinswand und Vajolettürmen, die zur Rosengartenkette gehören.

Nicht selten säumen geschützte Türkenbundlilien und Almrausch die Wege hinunter in die Mulde der Haniger Schwaige, die nicht nur wegen des köstlichen Kaiserschmarrns ein beliebtes Einkehrziel ist. Auch die deftigen Speck- und Käseplatten mit Schüttelbrot geben Kraft zum Weiterlaufen.

Grüne Wiesen, Wald und irre Felsen: kein Wunder, dass die Dolomiten von der Unesco zum Weltnaturerbe erklärt wurden. Einer der schönsten Plätze mit Sicht auf den Rosengarten ist die Proa, eine Almwiese oberhalb des Ortsteils Weißlahnbad, nicht weit von Tiers entfernt. Dort hat man jetzt zum fünften Mal mit der „Berglertafel” eine Tradition wieder aufleben lassen.

Mit den „Berglern” ist eine Gruppe von Hochalpinisten gemeint, die vor fast hundert Jahren begannen, die berühmten Gipfel des Rosengartens zu besteigen. In Tiers hatten die Bergpioniere ihren Stützpunkt und bevor sie wieder nach Hause fuhren, stärkten sie sich nach den Gipfelsiegen in den Tierser Gasthäusern mit traditionellen Gerichten aus der Region. Logisch, dass dabei auch das eine oder andere Glas vom guten Magdalener verkostet wurde.

Berglertafel im Juli

Die immer um den 20. Juli herum stattfindende Berglertafel hat freilich nichts mehr mit der einstigen Verköstigung der Bergsteiger zu tun. Sie ist jetzt eine logistische Meisterleistung, denn alle Gerichte und Getränke müssen auf die Bergwiese gebracht werden. Die jungen Leute der Tierser Hoteliers haben sich dafür zusammengetan und verköstigen an diesem Abend bis zu 160 Personen.

Das Marterl ist mit Geranien geschmückt.

Das Marterl ist mit Geranien geschmückt. © Eveline Krabec


Die lange Tafel ist bereits von weitem als weißes Band zu sehen, denn die Tische sind festlich eingedeckt. Und stärkten sich damals die Bergler noch mit bäuerlichen Speisen wie Kasknödel oder „Schwarzplentene Friegele”, Gerichten aus Buchweizenmehl, genießen heute die Gäste der Tafel, die den außergewöhnlichen Abend für 75 Euro buchen können, ein fünfgängiges Menü. So werden beispielsweise Variationen von der Bachforelle mit Zwergweggele oder Filet vom Ochsen in Schüttelbrotkruste serviert. Dazu gibt’s die passenden Weine, und wenn das Wetter mitspielt, erglüht der Rosengarten in warmen Farben: ein Panorama, fast zu schön, um wahr zu sein.

Ein anderer Höhepunkt während der Berglerwoche ist eine geführte Wanderung mit einem prominenten Alpinisten. Letztes Jahr konnten Urlauber mit Hans Kammerlander eine Rosengartenumrundung erleben, heuer stand eine Wanderung mit Reinhold Messner auf dem Programm. Auf die Frage, ob er noch im Rosengarten klettert, antwortet er: „No country for old men – zu gefährlich für ältere Semester!”

Weitere Informationen zum Reiseziel:

Informationen: Tourismusverein Tiers am Rosengarten, der diese Recherche unterstützte, Tel. (0039/0471) 642127, info@tiers.it, www.tiers.it, www.paradies.it. Vom 22.9. bis 27.10. können Törggelewochen ab 235,50 Euro gebucht werden. Buchtipp: Katja Solderer: Tierser Berggeschichten, Raetia Verlag, 19 Euro.

  

Von Eveline Krabec

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