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Indien: Da wächst der Pfeffer

Geheimtipp für Indien-Einsteiger: Keralas Norden - 05.10.2012 17:37 Uhr

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Indien für Einsteiger - der Süden

Der indische Bundesstaat Kerala lockt mit schönen Stränden, viel Kultur, bunten Basaren und einem mit Gebirge, das einem Garten Eden gleicht.


Alles wie vor langer Zeit, als weiße Kolonialherren ihre britische Lebensart nach Indien brachten und sich in Hotels wie dem Taj West End Rückzugsräume für ihresgleichen schufen. Das Haus feiert in diesem Jahr 125. Geburtstag und versetzt seine Gäste in die vermeintlich gute alte Zeit zurück, als Mrs. Bronson eine Pension im viktorianischen Stil für Offiziere eröffnete. Heute sind das noble Hotel und die grüne Vier-Millionen-Stadt, die das Herz der indischen IT-Industrie beherbergt, für viele Reisende ein Einfallstor nach Indiens Süden.

Dort, im äußersten Südwesten, liegt Kerala, vom National Geographic Traveler Magazine als einer der zehn Orte gekürt, die man im Leben gesehen haben sollte. Kerala ist tropisch-grün, vergleichsweise sauber und wohlhabend, hat schöne Strände, viel Kultur, ein Gebirge, das einem Garten Eden gleicht und eine recht gute touristische Infrastruktur, die man so nicht überall in Indien findet. Hindus, Christen und Moslems leben seit Jahrhunderten friedlich zusammen. Kerala gilt als ideal für Indien-Einsteiger.

 

Verkehr laut und chaotisch

In den späten 1970er Jahren zogen Hippies, denen in Goa inzwischen zu viel Trubel herrschte, weiter an die ebenso schönen Strände in Keralas Süden um Kovalam oder bei Kochin. Inzwischen stehen dort Hotels aller Kategorien, und weit über Tausend Hausboote kreuzen mit Touristen aus aller Welt auf den Backwaters. Das ist ein Netz von Kanälen zwischen Küste und dem Western-Ghats-Gebirge.

Noch weitgehend unentdeckt hingegen ist Keralas Norden, von der Natur mit den gleichen Schönheiten gesegnet, doch nicht so dicht besiedelt wie der Süden und nicht ganz so einfach zu erreichen. Als Weißer fällt man hier noch auf. Die Menschen fragen, woher man kommt und möchten einem unbedingt die Hand geben oder über den Arm streicheln. In den Städten wuseln Händler und Kunden vor den kleinen Läden herum, aus denen die Auslagen bis auf die Straßen quellen. Schulkinder in Uniform laufen barfuß zurück in ihre Dörfer, in denen sich morgens und abends Männer am zentralen Wasserbassin einseifen — ein Bad haben hier viele nicht. Der Verkehr ist laut und chaotisch, es stinkt nach Abgasen und duftet aus unzähligen Küchen, es ist ein einziges Hupen und Rufen.

Den unverfälschten Reiz dieser Gegend haben auch die Touristiker entdeckt, und so entstanden in der Nähe des Städtchens Bekal erste Luxusresorts mit Wellness-Zentren wie das nagelneue Vivanta by Taj an dem ansonsten menschenleeren, kilometerlangen Strand. Zwischen Backwaters, einem Fluss und dem Meer stehen nun weiße Villen unter Kokospalmen, die geschwungene Dächer im Stil der aus Reisstroh gebauten Boote der Region krönen.

Mit dem Fahrrad oder einem der dreirädrigen Tuk-Tuk-Taxis erreicht man flott das Bekal Fort, die größte Festungsanlage an Keralas Küste. Tipo Sultan, Herrscher und viel gerühmter „Tiger von Mysore“, ließ es an einem Felsvorsprung hoch über dem Strand errichten, um den Briten die Stirn zu bieten. Geholfen hat es nicht, und so spazieren Inder wie Touristen heute über die imposanten Überreste der Garnisonsanlage.

Eine Fahrt dauert auf den Straßen Keralas länger als man denkt, die knapp 30 Kilometer ins Gebirge wird man gut eine Stunde durchgeschüttelt. Macht aber nichts, denn staunend sitzt der Fremde im Bus und bewundert die Landschaft und das pralle Leben. Schließlich hält der Fahrer mitten im tropischen Regenwald an einer Farm. Über ihre Hangterrassen führt ein Pfad, an dem unter anderem Cashew-Nüsse, Mangos, Bananen, Gummibäume, Jackfruits und vor allem Pfeffer wachsen. Kenner sagen, aus Kerala kommt der beste Pfeffer der Welt, weshalb man sich unbedingt ein gut gefülltes Säckchen mit nach Hause nehmen sollte.

Weiter führt der Weg vorbei an Wasserfällen und einem natürlichen Becken, in dem kleine Fischchen an der Fuß-Hornhaut der Wanderer knabbern, dass es nur so kitzelt.

Keralesisches Festessen

Eine Expedition macht hungrig, serviert wird ein keralesisches Festessen: Auf einem Bananenblatt reihen sich mehrere Kleckse mit Curries, Gemüse, Joghurt und scharfen Dips. In die Mitte kommt der Reis, daneben köstliches Paranata-Brot. Nun die Finger schön spitz aneinanderlegen, den Reis häppchenweise mit den Beilagen verrühren und mit dem Daumen in den Mund schieben. Sieht archaisch aus, ist aber uralte Tradition. Dem Europäer geht so mancher Brocken daneben.

Wunderschön liegt der Ananthapura-Tempel auf einer vulkanischen Hochebene mitten in einem kleinen See. Männer müssen Schuhe und Hemd ausziehen, wenn sie ihn besuchen wollen – auch der Tourist. Die meisten wollen aber das Krokodil sehen, das ein Stückchen weiter hinter einem Hügel in einem Wasserloch sitzt und angeblich Vegetarier ist. Mangels lebender Beute wird es von den Tempelpriestern mit den Opfergaben der Gläubigen gefüttert. Ein Krokodil, das seit 60 Jahren nur Reis frisst! Für einen Moment spitzt es zwischen Seerosenblättern hervor.

Auch im Norden schippern Touristen mit einem hübschen Hausboot einen oder mehrere Tage über die Kanäle im Hinterland – im Gegensatz zum Süden sind sie dabei allein, denn bislang fahren nur drei solcher Boote in dieser Gegend. Kinder rufen vom Ufer und springen zum Spaß ins Wasser, Männer fahren mit ihrem Boot zur Arbeit, Lastkähne zuckeln vorüber, und Frauen in bunten Saris laufen über eine der vielen Brücken. Will der Passagier baden, springt er mitten im Fluss ins seichte, warme Wasser und lässt sich treiben. Oder er läuft ein Stück durch ein Dorf unter Kokospalmen hindurch zum nahen Strand mit seinen bunten Fischerbooten.

Kalicut ist die drittgrößte Stadt Keralas. Einst sein größter Hafen und Tor zur Welt stand es über Jahrhunderte in Kontakt mit chinesischen und vor allem arabischen Händlern. Der Islam ist hier weit verbreitet, einige der Moscheen sind über 600 Jahre alt und sehen eher wie hinduistische Tempel aus. Dennoch erinnert vieles an den Orient: Das Essen hat arabische Einflüsse, viele Menschen arabische Gesichtszüge und weil man hier – im Gegensatz zu den Golf-Staaten – noch weiß, wie man eine typische Dhau baut, bestellte der Emir von Katar gleich vier der uralten Handelsschiffe zu Repräsentationszwecken für die Fußball-WM in seinem Reich. In einer Werft hämmern und sägen nun 250 Männer eineinhalb Jahre an den Schiffen herum — mit Methoden, die vor Hunderten von Jahren kaum anders gewesen sein dürften.

Wie im Orient ähneln auch viele der Gassen bunten Basaren. In der so genannten SM-Street reiht sich ein Tuchgeschäft ans andere, hier finden vor allem Frauen schöne Stoffe, Schals und Tücher. Nur ein Stückchen weiter haben die Gewürzhändler ihre Gasse. Eine prima Gelegenheit, sich günstig mit Gewürzen einzudecken: Kurkuma, Chili, Kreuzkümmel, Nelken, alles säckeweise. Und vor allem mit Pfeffer. Weil der aus Kerala tatsächlich der beste der Welt ist.

 

Detiallierte Informationen beim Indien-Spezialisten Comtour,
Tel.: (02054)95470, www.comtour.de sowie bei Taj Hotels, kostenlose Tel.: (008004588)1825, www.tajhotels.com, die diese Reise zum Teil unterstützt haben.

  

Von Matthias Niese

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