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Irland: Schroffe Klippen, coole Typen

In Irland treffen Reisende auf spektakuläre Natur und liebenswerte Menschen - 03.05.2012 13:27 Uhr

Ganz typisch für West-Cork sind die vielen Schafweiden und die singenden und spielenden Musiker in den Pubs.

Ganz typisch für West-Cork sind die vielen Schafweiden und die singenden und spielenden Musiker in den Pubs. © Birgit Heinrich


Schon vom Fenster aus können wir die neben der Landebahn grasenden Schafe, Pferde und Kühe erspähen. Und dieses idyllische Bild wird uns in West-Cork ständig begleiten. Wir fahren in den kleinen Ort Skibbereen mit den vielen bunten Häuschen, die von den Einwohnern scherzhaft Smarties-Häuser genannt werden. Etwas außerhalb quartieren wir uns im exklusiven Familien-Hotel Liss Ard Estate ein, einem ehemaligen Herrenhaus mit „Geheimdienst-Geschichte“ in einem 80 Hektar großen Park mit eigener Lodge am See.

Im Jahr 1976 hatte Albert Bachmann das Landgut gekauft. Er war damals Oberst des Schweizer achrichtendienstes, befürchtete eine russische Invasion und wollte „seine“ Regierung im Ernstfall ins irische Liss Ard Estate ins Exil verlegen. Inzwischen ist das Hotel im Besitz einer äußerst kinderfreundlichen Schweizer Familienamens Stern.

Nach so viel Geheimniskrämerei brechen wir auf zu einem öffentlichen Platz, nämlich zum Steinkreis von Drombeg, der vor rund 4500 Jahren errichtet wurde. Hier fanden Forscher in den 1950er Jahren einen Topf mit den Überresten eines etwa elfjährigen Jungen. Möglicherweise wurde einer dieser Steine als Opfertisch benutzt. Wahrscheinlich diente der Steinkreis den Menschen in früheren Zeiten aber auch als Kalender. Mit Hilfe des Lichteinfalls über zwei Portalsteinen bestimmten sie die Jahreszeiten.

Ein bisschen neugierig

Wir fahren weiter in das hübsche Hafenstädtchen Glandore, in dem etliche Prominente ihre Ferien verbringen, so wie der britische Ex-Premierminister Tony Blair. Eigentlich wollen wir in einem kleinen „Inn“ zu Mittag essen. Aber dazu kommen wir nicht. Denn hier passiert uns erstmals, was wir von nun an ständig erleben. Die Iren, von denen wir glauben, dass sie sich untereinander alle kennen, wollen wissen, wer wir sind.

„Euch habe ich hier noch nie gesehen. Was macht ihr?“ Diese Frage begleitet uns auf Schritt und Tritt. Gerade als wir unsere Fischsuppe löffeln wollen, die in den Restaurants als „Chowder“ für rund fünf Euro angeboten wird, tritt der Busfahrer Michael O’Sullivan an unseren Tisch und lädt uns abends zum typisch irischen Volkstanz ein. Nathalie Stutchbury kommt dazu und erzählt von ihrem Urgroßvater Joseph Bell, der dem schottischen Schriftsteller Arthur Conan Doyle als Vorbild für seinen berühmten Sherlock Holmes gedient hatte.

An der Südwestspitze Irlands türmen sich in Mizen Head die Klippen auf.

An der Südwestspitze Irlands türmen sich in Mizen Head die Klippen auf. © Heinrich, vario-images.com


Wir staunen und vergessen zu essen. Nathalie muss nach Hause, gerade als Steve Simmonds auftaucht, sich zu uns gesellt und zu erzählen beginnt. Er ist beim Film für Spezialeffekte zuständig, war bei den Blockbustern Indiana Jones, Star Wars und James Bond dabei und wartet nun auf die nächste Dreherlaubnis. Sollen wir das glauben? Oder nehmen die Leute uns hier auf den Arm? Wir googeln später und finden die Geschichten bestätigt.

„In West-Cork leben viele Filmschaffende, Schauspieler und Schriftsteller“, erklärt unsere Fremdenführerin Carol Gilbert. Wir kommen nicht zum Essen und brechen auf ins Haus der Autorin Edith Somerville, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Castletownshend lebte und in Irland sehr bekannt ist. Dort treffen wir ihren Ur-Ur-Neffen Tom, der mit seiner Familie wie in einem Museum lebt. Weder Tapeten noch Teppiche, Vorhänge oder Möbel wurden seit dem Tod der Urgroß-Tante erneuert. Und Tom zeigt uns den winzigen Feen-Schuh mit den abgelaufenen Sohlen, den einst ein Bauer im Wald fand und der heilende Kräfte besitzen soll.

Ach ja, die Feen-Geschichten. Die Einheimischen erzählen sie an jeder Ecke. Schließlich treiben Zauberwesen überall ihren Schabernack. Der berüchtigte Laternenmann steuert Unbedarfte gar auf dem Heimweg direkt in den Pub, wo sie beim Guinness versumpfen. In Irland gibt’s übrigens keinen sagenhaften Storch, der die Babys bringt. Dort finden Männer ihren Nachwuchs im Bierglas.

Auch wir sitzen abends meistens im Pub, nicht weil wir ein Baby suchen, sondern weil hier die Bude brummt, wenn die Gäste spontan singen, tanzen und Musik machen, dass einem Hören und Sehen vergeht. So wie John Simpson und Norman King, die beiden bärtigen Gestalten mit den bunten Hemden, die auf Sherkin Island mit Maultrommel und Klampfe für Stimmung sorgen.

Angeblich lernt jeder Vierjährige schon ein Instrument und weiß, dass er ein sogenanntes „party-piece“, also ein Liedchen, auswendig lernen muss, um es bei Aufforderung zu trällern. Wir besuchen die Pubs in Orten die Ballydehob, Crookhaven oder Clonakilty heißen. Und wir wundern uns, wenn zur Sperrstunde der Eingang verschlossen wird, die Gäste aber weiterfeiern dürfen. „Wichtig ist nur, dass ich die Türe absperre“, sagt der Wirt. Die Polizei sei tolerant. Und die Gäste verlassen das Lokal spät in der Nacht durch den Hinterausgang.

Besuch bei den Seehunden

Hier in Irland ist eben alles ein bisschen anders. Das trifft auch für die Temperaturen zu. Denn wegen des milden Golfstroms gibt’s im Winter keinen Frost und im Sommer kaum mehr als 28 Grad, weswegen die Schafe, Kühe und Pferde meist das ganze Jahr über mit ihrem Nachwuchs draußen weiden dürfen. In den nächsten Tagen bestaunen wir die schroffen Klippen von Mizen Head an der Südwestspitze Irlands, wir machen einen Bootstrip, sehen zwar viele Seehunde, aber leider keine Wale. Wir fahren nach Bantry House, wo einige Pilcher-Filme gedreht wurden und wir erfahren, dass viele berühmte Schriftsteller in Irland geboren wurden wie James Joyce, Bram Stoker, Jonathan Swift, Oscar Wilde und Samuel Beckett.

Wir kehren zurück nach Skibbereen, wo auf einem Bildschirm im Museum der bekannte Schauspieler Jeremy Irons auftaucht, der gleich in der Nähe wohnt, und von der Geschichte der Stadt mit der verheerenden Hungersnot im 19. Jahrhundert erzählt. Wir hätten so gerne noch den einzigen irischen Salzwassersee Lough Hyne erkundet. Doch wir müssen zurück. Vom Flugzeug aus werfen wir einen letzten Blick hinaus zu den Schafen neben der Landebahn. Und wir lächeln zum Abschied.

Weitere Informationen:

Diese Reise wurde unterstützt vom Hotel Liss Ard Estate, www.lissardestate.com

Anreise zum Beispiel mit Aer Lingus von München nach Cork oder von München nach Dublin.

Unterkunft beispielsweise im exklusiven Familienhotel Liss Ard Estate, Castletownsend Road,Skibbereen, County Cork,Republic of Ireland,T: +353 28 40 000, Facebook: http://www.facebook.com/lissardestate, www.lissardestate.com

oder im West Cork Hotel, www.westcorkhotel.com

Museum in Skibbereen: Skibbereen Heritage Centre, Old Gasworks Building, Upper Bridge Street, Skibbereen, West Cork, Ireland, www.skibbheritage.com

Öffentliche Gärten: www.southandeastcork.com
Bantry House, Drehort für einige Pilcher-Filme: www.bantryhouse.com

Der südwestlichste Punkt Irlands Mizen Head: www.mizenhead.ie
Wal- und Delphin-Beobachtungen: Whale and Dolphin Watching: www.whalewatchwestcork.com

Streichelfarm für Kinder: Loughbeg Farm von Walter und Josephine Ryan-Purcell, www.localcampus.com

Geräucherter Fisch: Woodcock Smokery,Sally Barnes, www.woodcocksmokery.com, www.westcorkfood.com 

Von Birgit Heinrich [/ZENTRIERT]

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