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Island: Land aus Wasser, Eis und Feuer

Islands Süden ist den Naturgewalten ausgeliefert wie kaum eine andere Region Europas - 14.06.2012 14:45 Uhr

Eis treibt im Gletschersee bei Jökulsar.

Eis treibt im Gletschersee bei Jökulsar. © Matthias Niese


Das Thermalbad Blaue Lagune vereinigt die ganze Widersprüchlichkeit Islands: Dunkle Wolken hängen tief über schwarzgrauen Lavabergen, doch die 320000 Inselbewohner beziehen Wohlstand und Kraft aus dem Umstand, dass sie auf Feuer sitzen, mit Thermalwasser heizen und Wasser im Überfluss die Täler herabfließt. Außerdem ist das Wetter nicht so schlecht, wie man annimmt: Der Golfstrom sorgt an der Küste für relativ milde Winter, in denen die Sonne immerhin täglich ein paar Stunden über den Horizont zieht.

Atemberaubende Natur

Die Isländer hocken auf einem Pulverfass — wer heute 60 ist, hat mehr als 25 verheerende Vulkanausbrüche erlebt. Doch gerade diese Naturgewalt schenkt dem Land Energie im Überfluss und schuf eine wilde, abwechslungsreiche Landschaft, die von keiner Industrie verschmutzt wird und Touristen aus aller Welt anlockt. Und so verwandelte sich die Insel in 100 Jahren von einem der ärmsten in eines der reichsten Länder der Welt – trotz der Bankenkrise von 2008.

Gletscherspalte auf dem Vatnajökull.

Gletscherspalte auf dem Vatnajökull. © Matthias Niese


Nirgends sonst in Europa ist die Natur so unbelastet. Reisende füllen überall sorglos ihre Wasserflaschen auf, ob am Wasserhahn in der Tankstelle oder in einem Bach. Die Menschen wohnen zu zwei Dritteln im Großraum Reykjavik, der Rest lebt am schmalen Küstenstreifen, der sich wie ein grüner Ring um die Insel zieht. Mittendrin liegt wilde Eis- und Vulkanlandschaft, in der schon so mancher Fantasy-Film gedreht wurde.

Als Nachfahren norwegischer Siedler, die um 900 übers Meer kamen, sprechen die Isländer bis heute eine Sprache, die sich in tausend Jahren kaum verändert hat. Viel zu isoliert war die Insel über die Jahrhunderte, von Naturkatastrophen, Seuchen, Hungersnöten und einer ausbeuterischen Kolonialpolitik erst Norwegens und dann Dänemarks arg gebeutelt. Der Kampf gegen all diese Widrigkeiten hat die Isländer geprägt: Sie sind hart im Nehmen, äußerst fleißig und halten in der Not eng zusammen.

Im Land der Geysire

Eine Aktivreise in den Süden, die Wanderschuhe im Gepäck, ist der ideale Einstieg für die Insel. Im Nationalpark Thingvellir zum Beispiel, unweit der Metropole Reykjavik, wurzelt die Geschichte Islands — ein nordischer Beitrag zur Geschichte der Demokratie. Denn unterhalb einer Basaltwand, ein grandioses Panorama vor Augen, gründeten die Häuptlinge der einzelnen Stämme vor rund 1100 Jahren eine Art Parlament und regelten fortan einvernehmlich ihre Angelegenheiten in jährlichen Versammlungen. Heute weht an einer Gedenkstätte die Fahne der jungen, stolzen Nation, die erst 1944 ihre Unabhängigkeit von Dänemark erlangte.

Mit Islandpferden werden die Schafe abgetrieben.

Mit Islandpferden werden die Schafe abgetrieben. © Matthias Niese


Nicht weit davon spuckt der Geysir Strokkur alle sieben Minuten kochendes Thermalwasser bis zu 30 Meter hoch in die Luft. Der einst viel größere Geysir, wenige Meter entfernt und Namensgeber aller Geysire weltweit, ist schon vor Jahren zur Ruhe gekommen. Der Wasserfall Gullfoss stürzt sich in der Nähe laut fauchend in eine tiefe Schlucht.

Einer der landschaftlichen Höhepunkte Südislands ist Landmannalaugar, Startpunkt einer gut 60 Kilometer langen Hochlandwanderung durch bizarre Mondlandschaft. Wir begnügen uns mit einer gut zweistündigen Tour durch ein schwarzes Lavafeld zu Füßen eines erloschenen Vulkans, über das ein kalter Wind pfeift. Was für eine Wohltat ist da am Ende der Runde das heiße Bad im nahen Flüsschen, das sich aus mehreren Thermalquellen speist.

Von Feuer und Eis umgeben

Zum Glück sind wir mit einem allradgetriebenen Bus unterwegs, denn abseits jeder Zivilisation führen meist nur abenteuerliche Pisten übers Land. Bergauf und bergab schaukeln wir zur Feuerspalte Eldgja, aus der sich vor gut 230 Jahren ein todbringender Lavastrom ins Tal ergoss und dessen Aschewolke halb Europa verdunkelte.

Etwa in der Mitte Südislands strecken mehrere Gletscher ihre Zunge bis kurz vor die Küste aus, darunter Europas größter Gletscher Vatnajökull. Er kalbt bei Jökulsarlon in eine Lagune, blaue Eisberge treiben auf dem Wasser, dazwischen recken immer wieder Seehunde ihre schwarzen Köpfe in die Höhe. Mit Amphibienfahrzeugen nähern wir uns den blau-weißen Eisbergen und genießen einen Scotch-Whiskey, gekühlt von tausend Jahre alten Eissplittern, die wir soeben aus der Lagune gefischt haben. Ob die Altersangabe des Guides nun stimmt oder nicht — der Whiskey ist fein und der Eiswürfel rein und klar.

Ein gutes Stück weiter besteigen wir mit Eispickel und Steigeisen den Gletscher und tänzeln über 40 Meter tiefe Spalten. Es ist ein mulmiges Gefühl, in Schräglage auf der dicken, kalten Schönheit herumzukraxeln.

Eyjafjallajökull - ein Name mit Zungenbrecher

Der kochend heiße Geysir Strokkür.

Der kochend heiße Geysir Strokkür. © Matthias Niese


Nach einer Nacht nahe des Örtchens Vik zu Füßen des weltberühmten Vulkans, dessen Namen wir nach unendlichen Anläufen endlich aussprechen können (der Eyjafjallajökull klingt in etwa wie „Eijafjatlajökötl“), besuchen wir das Infozentrum des Bauern, dessen Hof im April vorletzten Jahres am stärksten vom Ausbruch des Vulkans betroffen war.

Hunderttausende Flugpassagiere mussten wegen des Vulkans auf europäischen Flughäfen übernachten. Wie es den Menschen vor Ort erging, zeigt ein Film, der ab dem Tag des Ausbruchs auf dem Bauernhof gedreht wurde. Die Menschen mussten zwei Meter hohe Asche aus ihren Gärten und von ihren Dächern schaufeln und gaben nicht auf, weil alle Nachbarn und selbst Isländer aus anderen Teilen der Insel zusammenhalfen, das Chaos zu beseitigen.

Unter Einheimischen gilt das Thorsmörk-Tal (Endziel der bereits erwähnten 60 Kilometer langen Hochlandwanderung) als verstecktes Paradies. Nur mit Allradantrieb kommen wir in dieses von drei Gletschern eingeschlossene Tal, müssen mehrmals einen durch ein Geröllfeld mäandernden Fluss kreuzen und gelangen schließlich zu einer Hochlandhütte mitten in überraschend üppiger Buschwaldvegetation.

Wir erwandern die nahe Schlucht Stakkaholtsgja, die alles aufbietet, was Island so reizvoll macht: Felsformationen, die wie Trolle von den Rändern der Schlucht auf ihre Besucher hinabblicken, reißendes Wasser und eine Landschaft, die von den Urgewalten aus dem Inneren der Natur erschaffen wurde. Schon bald wird es hier wieder völlig anders aussehen, denn die Isländer warten seit Jahren auf den längst überfälligen Ausbruch des gewaltigen Vulkans Hekla, der den des Eyjafjallajökull weit in den Schatten stellen dürfte.

Bilderstrecke zum Thema

Island Island Island
Island: Die Insel am Rande des Polarkreises

Island ist reich an Naturschauspielen. Schroffe Felsen kann man hier ebenso finden wie weite Grasebenen voller Schafe und Pferde. Doch am Rande des Polarkreises muss man sich auch vor Nässe und Kälte schützen.


Weitere Informationen:

Die Reise wurde unterstützt von Dertour www.dertour.de und Iceland Air www.icelandair.de.

Im Katalog „Nordische Länder“ bietet Dertour insgesamt 26 Reisen durch Island sowie zahlreiche Hotels, Farmunterkünfte und Ferienhäuser an. Das Angebot umfasst Busreisen, Mietwagenreisen, Aktiv- und Wanderreisen. Ebenfalls gebucht werden können Transfers und Tagesausflüge.

Unsere Tour orientiert sich an dieser Reise: „Wanderhöhepunkte Südisland“
Flugpauschalreise mit Icelandair, ab/bis Deutschland. Die Gäste unternehmen u.a. tägliche Wanderungen im Süden Islands. 7 Übernachtungen im Doppelzimmer, Verpflegung laut Programm, Rundreise mit dem Bus, deutschsprechende Reiseleitung.

Ausflüge: optionale Ausflüge: Bootsfahrt auf der Gletscherlagune 2.900 ISK pro Person, Gletscherwanderung 39 Euro pro Person.
4-tägiger Reitausflug: 3 Übernachtungen/Vollpension im Hotel Eldhestar, inkl. Tagesritte im Gebiet des Vulkans Hengill mit englisch sprechender, fachkundiger Begleitung, Reitutensilien, Bad im Hot Pot, Transfer ab/bis Reykjavik.
Preis pro Person ab 460 Euro.
Tagesausflug „Mit dem Geländewagen in das Hochland: 8-stündige Fahrt mit dem Geländewagen von Reykjavik aus nach Landmannalauger. Die Fahrt führt durch wilde Gletscherflüsse und durch erkaltete Lavafelder. Die Gäste können im geothermisch erwärmten Wasser baden.
Preis pro Person 235 Euro.
Stadtrundfahrt „Reykjavik“: 2,5-stündige Fahrt durch Islands Hauptstadt, Preis pro Person 39 Euro.

Übernachtung: Hotel Hilton Reykjavik Nordica (4 Sterne): 1 Übernachtung im DZ ab 84 Euro pro Person.
Hotel Icelandair Hotel Natura (4 Sterne): 1 Übernachtung im DZ ab 63 Euro pro Person.

Anreise: Flüge mit Iceland Air:
"Island Herbst/Winter-Special" ab 290 Euro.
Das Special gilt für Flüge von Frankfurt/M. nach Keflavik/Island bzw. Keflavik/Island nach Frankfurt/M. im Reisezeitraum 01.10.11 - 31.03.12 (ausgenommen 15.12.11 - 10.01.12). Buchbar bis zum 16.September 2011.
"Flug der Woche" zum Festpreis von 250 Euro (Frankfurt/M. nach Keflavik/Island). Dazu wird jede Woche ein Flug-Datum neu auf www.icelandair.de veröffentlicht. Der "Flug der Woche" ist jeweils für 1 Woche für diesen festen Termin buchbar.

Buchtipp: DuMont Bildatlas Island, 8,50 Euro.

  

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