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Israel: Mit dem Forscher durch die Negev-Wüste

Arthur du Mosch führt durch den Krater Makhtesh Ramon - 06.02.2016 08:00 Uhr

Wüstenforscher Arthur du Mosch hat viel über den Makhtesh Ramon zu erzählen.

Wüstenforscher Arthur du Mosch hat viel über den Makhtesh Ramon zu erzählen. © Kerstin Wolters


Damals wurden Arthur du Mosch und seine Familie im Schlaf von einem Leoparden überrascht, der sich das mit im Bett liegende Hauskätzchen Zehava einverleiben wollte. Arthur packte das Raubtier mit einem beherzten Griff am Genick und rang es nieder, bis der von seiner Frau alarmierte Ranger kam. Der Beiname „The Leopard Catcher“ prangt seither auf der Visitenkarte des 57-Jährigen, der mit Cowboy-Hut, rotem Halstuch und schweren Stiefeln wie eine Art John Wayne der Wüste daher kommt.

„Der hat bei mir gelernt“, kokettiert Arthur darauf angesprochen, dass sein Äußeres an den Hollywood-Star erinnert. Betont lässig zieht er sein Handy aus der Hosentasche, das sich mit den Maultrommel-Klängen von „For A Few Dollars More“ bemerkbar macht. Tatsächlich aber ist der passionierte Westernreiter ein gläubiger, besonnener Mensch. Und wenn er über den Makhtesh Ramon und die Bedeutung dieses Ökosystems für den Tourismus spricht, dann geht es ums Batterien-Aufladen und Zu-sich-selbst-Finden. Wo bitte sollte das möglich sein, wenn nicht hier?

2000 Jahre altes Motel für Nomaden

Vor einem unendlich erscheinenden Horizont tut sich eine in ein dunstiges Beige getauchte Kraterlandschaft auf: schmale Grate, tiefe Rinnen, senkrechte Wände, Vulkankegel, Quarzblöcke und Kalkklippen, deren Gestein von Nahem betrachtet in allen Nuancen von Rot, Schwarz, Weiß, Purpur und Gelb schimmert.

Als „Schaufenster der Geschichte und der Geologie“ bezeichnet Arthur du Mosch den 500 Meter tiefen, 40 Kilometer langen und bis zu zehn Kilometer breiten Makhtesh Ramon, der vor 70 Millionen Jahren durch tektonische Verschiebungen entstand.

Mit dem Landrover geht es hinunter in das Untergeschoss des Negev. „Milchshake-Route“ nennt der Niederländer, der 1985 als Agrarstudent nach Israel kam, das unwegsame Terrain, durch das sich der Geländewagen bohrt – weil die Insassen ordentlich durchgeschüttelt werden.

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Auf dem Grund des Kraters trifft man auf die Überreste der Karawanserei Saharonim, ein mehr als 2000 Jahre altes Motel für das antike Nomadenvolk der Nabatäer, den Herrschern über die Handelswege wie die Weihrauchstraße, die von Südarabien über Petra bis zum Mittelmeerhafen Gaza mitten durch den Makhtesh Ramon führte.

„Die Nabatäer waren im Hauptberuf Zisternenbauer und begleiteten Karawanen nur, anstatt sie selbst anzuführen. Irgendwann sagten sie sich, ‚Das können wir auch’“, schildert Arthur die Erfolgsstory des Volkes, dessen ausgeklügelte Bewässerungstechniken er an der Hebräischen Universität studiert hat.

Drogen für die Götter - und die Menschen

Der Makhtesh Ramon ist der weltgrößte Erosionskrater.

Der Makhtesh Ramon ist der weltgrößte Erosionskrater. © Kerstin Wolters


Weihrauch war seinerzeit ein kostbares Gut, eine Droge für die Götter, aber auch eine für Menschen, denn der Wohlgeruch überdeckte den stinkenden Alltag. Aber auch mit Myrrhe, Gewürzen, Pfauenfedern und Elfenbein beladene Kamelkarawanen zogen durch die Wüste Israels.

Selbst wenn der Makhtesh Ramon auf den ersten Blick unwirtlich erscheint, wachsen hier mehr als 1200 verschiedene Pflanzenarten – von der blasslila blühenden Moricandia über Achillea-Arten und Dattelpalmen bis zur 400 Jahre alten Schirm-Akazie.

Blumenmeer in der Wüste

„Die Wüste kann sich im Frühling in kürzester Zeit in ein Blumenmeer verwandeln“, sagt Arthur. Viele Pflanzen warten schlafend auf den Regen, um dann ganz schnell Wurzeln zu schlagen, andere kommen ewig ohne einen Tropfen Wasser aus.

Füchse, Stachelschweine, Dorkasgazellen, Hasen und Wüstenratten fühlen sich in diesem Klima ebenfalls wohl. Als langjährigem Mitarbeiter des Jacob-Blaustein-Instituts für Wüstenforschung freut es Arthur du Mosch aber besonders, dass der fast ausgestorbene Onager, ein syrischer Eseltyp, im Ramon-Krater wieder ausgewildert werden konnte. Begeistert erzählt von dem Tag, als er mit ansah, wie die erste Stute das Weite suchte.

Ganz anders die Nubischen Steinböcke. Die durch das Jagdverbot beinah zahmen Tiere gehen sogar in den Gärten der nahen Kleinstadt Mitzpe Ramon auf Futtersuche. Den vermutlich in dem Nationalpark lebenden Arabischen Leoparden hingegen bekommt man nie zu Gesicht – und nur ganz, ganz selten ins Bett.

Infos bei Arthur du Mosch, Tel.: (0 09 72) 5 23 92 08 91, www.art4tour.com und beim Staatlichen Israelischen Verkehrsbüro, das diese Reise unterstützt hat, Tel.: (0 30) 2 03 99 70, www.goisrael.de  

Kerstin Wolters

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