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Ein wenig nervös bin ich schon, schließlich gehe ich seit ewigen Zeiten mal wieder fremd. Die Neue auf Zeit hat unbändig viel Kraft und will äußerst umsichtig behandelt werden. Sie ist wie geschaffen, um elegant und kraftvoll um Kurven zu gleiten. Meine alte Dame daheim — eine Vespa — wird es mir sicher verzeihen, dass ich sie ein paar Tage betrüge und mit einem Motorrad die katalanischen Pyrenäen erkunde.
Es wird eine Reise, die man natürlich auch mit dem Auto machen kann. Doch das gebirgige Land am Mittelmeer, gleich hinter der französisch-spanischen Grenze, will mit der Nase im warmen Wind entdeckt werden. So ist man mittendrin und nimmt all die Eindrücke viel intensiver auf.
Für die meisten Besucher ist Katalonien gleich Barcelona und Strandurlaub an der Costa Brava. Die Provinz gleicht aber einem vielfältigen Unikat. Eines, das nicht wirklich viel mit Spanien zu tun haben will. Die 7,5-Millionen Katalanen sehen sich als eigenes Volk, das mit Catalan seine eigene Sprache spricht und als die Deutschen Spaniens gilt: Sie putzen ihre Orte und die Landschaft fein heraus, sind pünktlich, fleißig und wohlhabend. Stolz pflegen sie ihre Kultur und hängen allerorten die gelbe Fahne mit den vier roten Streifen an Fenster und Balkone. Gut die Hälfte der Katalanen möchte sich derzeit von Spanien abspalten, denn sie fühlen sich in ihrer Identität nicht vom Rest des Landes gewürdigt.
Eine stolze Metropole hätten sie schon: Barcelona. Die Stadt birst schier vor Geschäftigkeit, Kreativität, Kultur, Jugendstil und einem in Europa einzigartigen Nachtleben. Doch nur wenige Kilometer dahinter findet sich der Reisende in einer Bergwelt wieder, mit Felsgipfeln, die sich teils bizarr bis zu 2500 Meter hoch in den meist blauen Himmel recken. Hier besteigen wir nachmittags unsere BMWs und schnurren Kurve um Kurve in den Sonnenuntergang.
Eine hochalpine Welt mischt sich hier mit der des Mittelmeers. In den Tälern ist es spürbar wärmer, es duftet nach Süden, nach Pinienharz, nach dem nahen Meer, nach roter, trockener Erde. Je höher wir kommen, umso mehr frischt es auf, umso mehr fühlen wir uns in die Alpen versetzt. Die Häuser aus Bruchstein tragen Blumenschmuck an ihren Holzbalkonen, Kühe stehen auf der Weide, Wiesen und Wälder sind grün und saftig.
Ständig ändern sich Landschaft und Vegetation. Auf kurvige, anspruchsvolle Passstraßen folgen flachere Etappen, auf denen wir flott durch weite Kurven schwingen. Wir fahren durch Korkeichenwälder, machen auf Bergkuppen Rast an Klöstern und fahren durch hübsche Bergdörfer, in denen spitze Brücken rauschende Gebirgsbäche überspannen.
Hier fragen uns die Bewohner neugierig, wo wir herkommen. Denn im Gegensatz zu den schönsten Routen in den Alpen oder dem viel bekannteren französischen Teil der Pyrenäen ist der Reisende auf den außergewöhnlich gut ausgebauten Straßen oft kilometerweit alleine. Manchmal kommt uns auf zehn Kilometern kein einziges Auto entgegen. Das macht die Fahrt äußerst entspannt.
So viel Einsamkeit heißt aber nicht, dass hinter den sieben Bergen nur sieben Zwerge wohnen — unsere Tagesetappen enden stets in tollen Landhotels mit internationalem Publikum, das den Geheimtipp auch entdeckt hat. Viele Restaurants und Gasthäuser variieren raffiniert die Katalanische Küche, die gerne Fleisch und Fisch in einem Gericht vereint – gesottener Ochsenschwanz mit Sepia zum Beispiel. Nie fehlen darf geröstetes Weißbrot, mit Olivenöl und frischem Tomatenpüree beträufelt und mit einer der vielen deftigen Würste belegt. Dazu passt stets ein Glas katalanischen Weins oder Cava. Das ist Sekt, der nach der Champagner-Methode hergestellt wird. Das katalanische Nationalgetränk schlechthin.
Motorradfahrer möchten gut essen, gut trinken und Fahrspaß. Das bekommt Katalonien hin. Obendrein gibt’s noch genug zu sehen: Nur eine Stunde hinter Barcelona liegt der Naturpark Montseny mit geschichts-trächtigen Städten wie Vic oder das mittelalterliche Cardona, über dem die Burg der alten Salzfürsten thront.
Im Montseny besuchen wir ein weiteres Nationalheiligtum: Das Kloster Montserrat mit seiner schwarzen Madonna. Die riesige Anlage liegt hoch oben in einem Felskliff von atemberaubender Wuchtigkeit, das die Landschaft weit überragt. Im Naturpark La Garrotxa besteigen wir einen erloschenen Vulkan, besichtigen das Motorradmuseum in Basella und trinken einen Café con Leche auf den hübschen Marktplätzen von Gosol oder La Pobla de Lillet.
Nach fast 800 Kilometern Bergstraßen wird der Fahrtwind lauer. Der Duft der Pinien steigt uns in die Nase und vom Kloster Santuari dels Angels sehen wir schon das Meer. Die bisherigen Strecken haben uns schon verwöhnt, doch die Krönung der Reise sind die 365 Kurven der Küstenstraße zwischen dem Ferienort Tossa de Mar und Palamos. Rechts liegt tief unter uns das blaue Meer. Wir cruisen eine der schönsten Küstenstraßen Europas entlang, die geradewegs an die Strände der Costa Brava führt. Dort braten die Urlauber in der Sonne und wissen nicht, was sie nur ein Stückchen entfernt alles verpassen.
Weitere Informationen zum Reiseziel gibt es unter www.katalonien-tourismus.de, Telefon: (069)74224873, sowie beim Motorradreiseveranstalter Almoto unter www.almoto.de, Telefon: (0351)8031017, die diese Reise zum Teil unterstützt haben.
Fr. 17.05.13
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