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Leere Traumstrände

Unterwegs im Tayrona-Nationalpark an Kolumbiens Karibikküste - 06.07.2012 20:00 Uhr

Land mit wildem Charme: Eine felsige Halbinsel trennt die Strände der Zwillingsbucht von Tayrona.

Land mit wildem Charme: Eine felsige Halbinsel trennt die Strände der Zwillingsbucht von Tayrona. © Sanktjohanser


Alejandro scheint die Schinderei nichts auszumachen, „ich liebe es noch immer“, sagt er. Mehr als 200 Mal ist der bärtige Anthropologe in den vergangenen zwölf Jahren hinaufgestiegen zu den Überresten der Indiostadt, in der einst 4000 Tayrona gelebt haben sollen. Und als sich endlich der grüne Vorhang öffnet, versteht man seine Faszination.

Das Pueblito Chairama ist keine der spektakulären Andenfestungen, die man von den Inka aus Peru kennt. Es gibt keine Steinhäuser und keine Tempelpyramiden. Es ist die Atmosphäre, die diesen Ort besonders macht. Und die Ruhe. Nur eine Handvoll junger Rucksacktouristen sitzt zwischen den Dutzenden Steinringen. In den konzentrischen Ringen standen einst die Rundhäuser der Tayrona.

Hort des Friedens

„Sie waren aus Palmholz gebaut, das in den Tropen schnell verrottet“, erklärt Alejandro. Zumindest eine runde Hütte mit spitzem Strohdach lässt erahnen, wie die Stadt einst aussah. In ihr soll eine Koguis-Familie leben, der Nachfahren der Tayrona.

Die Tayrona lebten etwa von 300 bis 1600 nach Christus hier, erzählt Alejandro, als er vor der Parkrangerhütte sitzt und Sardinen und Brot isst. Sie fischten im Meer, bauten Mais an, handelten mit Salz, Kartoffeln und Bohnen. Mit den steinumfassten Terrassen verhinderten sie, dass der fruchtbare Humus weggewaschen wurde. 1525 stiegen die Spanier zum ersten Mal durch den Dschungel herauf und brannten die Hütten nieder. 100 Jahre kämpften die Tayrona, bauten ihre Stadt immer wieder auf – und mussten sich schließlich doch geschlagen geben.

Heute ist das Pueblito Chairama ein Hort des Friedens. Seichte Kanäle murmeln, Falter flattern über den Rasen. Doch einst floss viel Blut hier. Eine breite, gepflasterte Prozessionsstraße steigt sanft an zum Zeremonienplatz. Vom Tempel sind nur die kreisrunden Grundmauern geblieben, von den einst zehn Menhiren nur ein Paar.

Erhebender Anblick

An einem der Opferplätze der Tayrona baden jetzt die Urlauber. La Piscina, der Swimmingpool, heißt die weite Sandbucht, über die sich Palmen beugen. Es ist einer der wenigen Strände im Tayrona Nationalpark, an dem die Besucher unbesorgt planschen können. Ein Halbkreis aus Felsen schirmt ihn von der starken Brandung ab. Weiter als ein paar Meter traut sich dennoch kaum ein Urlauber hinaus. Machtvoll rollt die karibische See heran, die Strömung ist tückisch. Aber sie hat dem Bilderbuchstrand seinen wilden Charme bewahrt.

Gleich hinter dem Palmengürtel klettert der Regenwald die Ausläufer der Sierra Nevada empor. Es ist ein erhebender Anblick, besonders wenn frühmorgens die Sonne über den Felsen aufblitzt und alles golden erstrahlen lässt. So viel Schönheit der Natur spricht sich natürlich herum, immer mehr Besucher kommen in den Nationalpark.

Schaukelnde Hängematten mit Karibikblick

Eine Hotelkette plante ein Luxus-Ökoresort. Doch die Regierung stoppte den Bau. Politiker und Vertreter indigener Völker Kolumbiens hatten gegen den Hotelbau in dem Naturschutzgebiet protestiert. Bisher übernachten die meisten Besucher des Parks in Zelten. Die Mehrzahl sind junge Rucksacktouristen aus Argentinien, denen Brasilien zu teuer geworden ist. Luxus im Ökomantel bieten die 14 Ecohabs in der Bucht von Cañaveral, die Kogui-Hütten nachempfunden sind. Die Plasmafernseher hätte man sich bei diesem grandiosen Ausblick allerdings sparen können.

Genauso luftig und deutlich günstiger schläft man in Cabo. Ein felsiges Halbinselchen trennt die Strände der Zwillingsbucht, darauf thront ein runder Holzturm. Hier schaukelt man in Hängematten, blickt über die Karibik und kann nicht nachvollziehen, warum die Spanier unbedingt die Berge hinaufklettern wollten.

Weitere Informationen:

Anreise: Mit dem Flugzeug nach Cartagena oder Santa Marta, von dort weiter mit dem Bus zum Haupteingang des Nationalparks im Dorf El Zaino. Minibusse bringen Besucher zum Punto Cañaveral. Nach rund einer Stunde Fußmarsch über einen Waldpfad erreicht man Arrecifes, eine weitere halbe Stunde später Cabo. Wer es bequemer mag, nimmt in dem Badeort Taganga westlich des Parks ein Boot nach Cabo.

Reisezeit: Kolumbien lässt sich am besten in der Trockenzeit von Dezember bis April bereisen. Im restlichen Jahr regnet es viel. An der Karibikküste können sich zwischen Juni und August wolkenbruchartig Wärmegewitter entladen. In der Hauptreisezeit der Kolumbianer von 15. Dezember bis 15. Januar steigen die Preise stark.

Kontakt: Proexport Kolumbien, Fürstenberger Straße 223, 60323 Frankfurt, Tel.: (069) 13 02 38 32, Homepage Naturpark Tayrona, Homepage Naturpark Tayrona (spanisch)
 

Von Florian Sanktjohanser

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