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London startet durch

Olympia als Initialzündung: Die Themse-Stadt bekommt eine Schönheitskur verpasst - 21.06.2012 12:39 Uhr

Aus den Kabinen des „London Eye“, des größten Riesenrades in Europa, hat man einen wunderbaren Blick auf die Innenstadt (oben). In der North Greenwich Arena finden unter anderem die Turnwettkämpfe statt. Unten: Springturnier vor der Skyline von London.

Aus den Kabinen des „London Eye“, des größten Riesenrades in Europa, hat man einen wunderbaren Blick auf die Innenstadt (oben). In der North Greenwich Arena finden unter anderem die Turnwettkämpfe statt. Unten: Springturnier vor der Skyline von London. © dpa/London 2012


2012 wird nun ein neuer Pilgerort hinzukommen: Stratford, jenes Stadtviertel, wo das Herz der 30. Olympischen Sommerspiele sowie der wenig später stattfindenden Paralympischen Spiele schlagen wird. Nicht nur im neu erbauten Olympiastadion, sondern auch in vielen weiteren Arenen wie der mit einer 20000 Quadratmeter großen, weißen PVC-Membran umhüllten Basketballarena. Oder dem spektakulären, von der Star-Architektin Zaha Hadid entworfenen Aquatics Centre, dessen 160 Meter langes Dach die Form einer Welle hat. Auch wenn nach den Spielen der Bau verkleinert wird: Es wird ein Besuchermagnet vor allem für Architekturfans bleiben.

Doch das Bauwerk daneben wird allen den Rang ablaufen. Es hat sogar das Zeug zum Wahrzeichen der Spiele, gar von London (wenn es nicht die neue Themse-Seilbahn wird, die ihre Passagiere in sechs Minuten zwischen der Greenwich Peninsula und den Royal Victoria Docks befördert). Die Rede ist vom größten Kunstwerk Großbritanniens, dem knapp 115 Meter hohen „ArcelorMittal Orbit“, das der Künstler Anish Kapoor ersonnen und mit 1500 Tonnen Stahl zu einer Art verschwurbelten Spiral-Achterbahn konstruiert hat – inklusive erhabener Aussichtsplattform.

Von Produktionsort zur Hochglanz-Sportarena

In der North Greenwich Arena finden unter anderem die Turnwettkämpfe statt

In der North Greenwich Arena finden unter anderem die Turnwettkämpfe statt


Ein cleverer Schachzug, denn so wird das ehemalige Problemviertel Stratford auch nach den Spielen ein lebendiger Ort bleiben. Allein beim „Orbit“ rechnet man mit einer Million Besucher jährlich, mindestens. Auch andernorts wurden viele private Investitionen – bislang mehr als 1,5 Milliarden Euro – getätigt. Das hätte es ohne die Spiele nicht gegeben. Denn das Viertel im Osten Londons war als einstiger Produktionsort hochgefährlicher Industrien totes Gelände. Es mussten erstmal Tausende von Tonnen Erde abgetragen werden. Dann kam der dreckige River Lea dran, aus dem Schrott ohne Ende gebaggert wurde. Heute ist das Ufer renaturiert und die Wasserqualität so gut, dass sich jüngst sogar ein Otterpärchen ansiedelte.

Das Schönste jedoch sind die weitläufigen Parkanlagen, die bald Queen Elizabeth Olympic Park heißen sollen und in denen sich die Bewohner, und durchaus auch Touristen, auf- und fit halten sollen. Schließlich hat Londons Bürgermeister Boris Johnson die Parole ausgegeben „Fit not fat“. Also wurde ein eigener „Fat Walk“ entlang des Flusses angelegt. Weiter im Süden wandelten sich ehemalige Gas-Silos zu Kletteranlagen.

Perfekte Infrastruktur für Olympia

Und auch außerhalb des 200 Hektar großen Olympischen Viertels wird gewerkelt, dass es nur so eine Freude ist. Als prominente Beispiele dienen der rundumverschönerte Leicester Square im Ausgehviertel West End und vor allem der London River Parc, ein durch Glas-Pavillons und Aussichtsplätze neugestalteter Flussabschnitt zwischen Millennium Bridge und Tower Bridge. Auf die jüngste Einführung massenhafter Leihfahrräder – die für 24 Stunden nur etwas mehr als einen Euro kosten – ist man besonders stolz. Diese sind auch für auswärtige Besucher leicht auszuleihen, vorausgesetzt, sie haben eine Kreditkarte dabei. Das größte Infrastrukturprojekt ist jedoch die Aufwertung des überalteten Nahverkehrssystems. 7,5 Milliarden Euro werden vor allem in die Modernisierung der U-Bahn gesteckt.

Springturnier vor der Skyline von London.

Springturnier vor der Skyline von London.


So wird der Bahnhof Stratford direkt neben den olympischen Stadien aufgewertet. Dort halten jetzt sogar Eurostar-Züge aus Frankreich und in ein paar Jahren voraussichtlich auch deutsche ICE-Züge. Von den Gleisen ist es dann nur zwei Rolltreppen hinauf zur Ende 2011 eröffneten Westfield Stratford City, mit 175000 Quadratmeter Verkaufsfläche eine der größten, wenn nicht gar die größte Shoppingmall Europas.

So quirlig, modern und herausgeputzt war London noch nie. Und so viel los auch nicht wie vor, während und nach den Spielen. Von privaten Abendbesichtigungen im Buckingham Palace über die bisher vollständigste Leonardo-da-Vinci-Ausstellung: London strotzt 2012 vor Kultur-Highlights. Dazu zählt auch die Cultural Olympiad, die im London 2012 Festival gipfelt. Bis 9. September finden tausende erstklassiger Veranstaltungen in den Bereichen Musik, Film, Kunst, Theater und Literatur statt. So richtig widersprechen kann man Boris Johnson also nicht, wenn er sagt: „Olympia hin oder her – ich würde ganz bescheiden sagen: London ist gerade die spannendste Stadt der Welt.“

Weitere Informationen bei Visit Britain, die diese Recherche unterstützte, Tel. (030) 3157190, www.visitbritain.de; www.visitlondon.com; www.london2012.com 

Von Christian Haas

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