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Mallorca: Am besten geht's zu Fuß

Wandern im Weltkulturerbe Tramuntana - 10.05.2012 13:13 Uhr

Die Wege im Weltkulturerbe Tramuntana sind teils schlecht beschildert, dafür führen sie durch wunderbare Landschaften.

Die Wege im Weltkulturerbe Tramuntana sind teils schlecht beschildert, dafür führen sie durch wunderbare Landschaften.


Hier oben auf dem „Cami de Castello“, dem Schlösserpfad von Deià nach Sóller kommt man an der Posada Rei Jaume I. vorbei, in der Antonia seit vielen Jahren lebt. In dem uralten Steinhäuschen, in dem König Jaume I., der 1229 den Feldzug gegen die Araber auf Mallorca startete, übernachtet haben soll. Heute schläft hier nur noch Antonia mit 24 Katzen und einem alten Hund.

 

Ein stilles Örtchen, zumindest zu früher Stund’ oder bei schlechtem Wetter, denn die Route, die bis auf 250 Meter über dem Meer ansteigt, zählt zu den beliebtesten Wanderungen in der mallorquinischen Serra de Tramuntana. Seit der Gebirgszug mit seiner einzigartigen Kulturlandschaft im vergangenen Jahr zum Weltkulturerbe erklärt wurde, steigt die Attraktivität der Region, die bislang vom Massentourismus weitgehend verschont geblieben ist. Denn schon gibt es Bestrebungen der Regierung, mit groß angelegten Bauvorhaben, die Gemeinden Sóller, Pollença oder Escorca zu erweitern — Umweltschützer klagen dagegen.

 

Joan Carrero nickt dazu bedächtig. Dass Mallorca schon lange nicht mehr die „Isla de calma“, die „Insel der Stille“ ist, wie sie von Einheimischen bisweilen genannt wird, das weiß der charismatische Mann, der vor Jahren von der mallorquinischen Regierung für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen wurde. Bei gut neun Millionen Touristen, die jährlich nach Mallorca reisen, ist es mit der Ruhe an vielen Orten und Stränden längst vorbei.

Paradies für Wanderer

Von Estellencs aus sieht man das Meer...

Von Estellencs aus sieht man das Meer...


Und bald, das befürchtet nicht nur Carrero, auch in den Tramuntana-Bergen. Wie zum Trotz hat er daher vor einigen Jahren die Fundacion s’Olivar ins Leben gerufen. Gleich am Ortseingang von Estellencs zweigt ein Kiesweg ab. Vogelzwitschern und Grillenzirpen begleiten die Gäste, die vorbei an Häuschen unter Olivenbäumen spazieren, bis sie oben in einem Meditationsraum angelangt sind, wo Carrero sie mit leiser Stimme empfängt. Einen Ort der Stille hat er hier bewusst geschaffen, weil er der Natur wieder ein Stück von dem zurückgeben möchte, was sie ihm gegeben hat: Kreativität und Kraft, für die Armen und Ausgebeuteten in Afrika zu kämpfen. Nun kommen in die Fundacion vor allem Menschen, die in Ruhe an einem Projekt arbeiten oder sich ganz der Stille hingeben wollen. „Hier kann man sich wieder fürs Leben inspirieren lassen“ sagt Carrero.

Und dafür ist die Region hier im Westen Mallorcas wie geschaffen. Das spürt auch Frank Mittelbach, der seit zwei Jahrzehnten auf der Insel lebt und Wandertouren organisiert. Die Wanderlustigen werden mehr. Aber auch die Zahl derjenigen, die ohne Rücksicht über die Wege trampeln.

„Dabei lässt sich hier so vieles entdecken“, seufzt Mittelbach. Etwa auf dem Wanderweg zwischen Estellencs und Banyalbufar, wo wir uns an manchmal auch gut verborgenen Naturschönheiten gar nicht sattsehen können. Gut, die Aphrodil, deren Stengel schlank in die Höhe ragt, fällt auf. Aber dass sie auch die „Eintrittskarte in die Unterwelt“genannt wird, weil ihre Wurzeln tief in die Erde hineinreichen, wussten wir noch nicht. Aber dann gibt es da ja noch den Ohrenkaktus, die Wespenragwurz, wilden Spargel und seltene Orchideen, für die man aber die Nase schon tief in den duftenden, dicht bewachsenen Boden hineinstecken muss, um sie zu erkennen. Wer freilich im Eiltempo, wie viele, über die beliebtesten Routen läuft, die nicht selten über Stock und Stein und über beachtliche Höhenkilometer führen, wird auch für den Zwergölbaum oder die Steineichen keinen Blick haben.

Mehr Gäste sollen her

Mallorca muss erst noch seinen Weg finden, wie es mit diesem großartigen Schatz, der Unesco-Auszeichnung des gut 1100 Quadratkilometer großen Landstrichs, gut und nachhaltig umgeht. Wenn es nach den großen Investoren geht, würden in Windeseile noch mehr Hotels in die artenreiche Landschaft hineingepflanzt und aus dem Gebirgszug eine Art Themenpark gemacht. Zum Glück, denkt man sich, ist der größte Teil der Tramuntana nach wie vor in privater Hand . . .

...dort verkauft Marta „ein bisschen von allem“.

...dort verkauft Marta „ein bisschen von allem“.


Umgekehrt ist da natürlich auch die Hoffnung der Einheimischen auf mehr Touristen. Marta Aguirre etwa, die seit vielen Jahren in Estellencs einen Krämersladen betreibt, der den hübschen Namen „un poc de tot“ (Ein bisschen von allem) trägt, hofft, dass auch die „toten Monate“ November bis Februar künftig interessierte Touristen in das verschlafene Örtchen bringen. Sie spricht von „Qualitätstourismus“ und wünscht sich doch vor allem eines für ihre Region: mehr Gäste.

„Die Insel der Stille“, das gilt vielleicht nur noch für Fleckchen wie im Orangenhain bei der alten Antonia. Dort ist es bisweilen so ruhig, dass man hören kann, wenn ihre Katzen zufrieden in der Sonne schnurren. Zumindest, solange die Zitruspresse immer noch ihren Dienst verweigert.

Weiter Informationen:

Anreise: Air Berlin fliegt mehrmals täglich von Nürnberg aus nach Palma.

Übernachtung: In Estellencs (etwa 50 Minuten entfernt) lädt das hübsche Hotel Maristel zum Übernachten ein. Vor allem die Zimmer im dritten Stock sind empfehlenswert — sie haben eine Terrasse und Blick aufs weiter unten gelegene Meer (www.hotelmaristel.com/de)
Die Fundacion Olivar von Joan Carrero ist ein Ort der Stille, an dem sich gut verweilen lässt. www.olivar.pangea.org/castellano/INDEX.html.
In Pollenca lädt das schöne, alte Hotel Juma am Placa Majo zum Übernachten ein. Kleiner Hinweis: Die Zimmer zum Platz hinaus sind zwar sehr schön, doch es kann bei diversen Festen oder Sonntags, wenn der Markt stattfindet, auch sehr laut werden.

Die Wanderung auf der Route Deia-Soller, genannt Cami de castello findet sich in vielen Reiseführern. Auf dem Weg der Gran Ruta GR 221 kommt man auch an der Finca Son Bleda vorbei, dort lässt es sich herrlich bei Mandelkuchen und Orangensaft verweilen.

Reiseführer-Tipp: Rother Mallorca, Dumont — Richtig Wandern Mallorca
Mehr Informationen unter: www.spain.info/de

Weitere Informationen unter: www.nordbayern.de/reise und bei Wikinger-Reisen (www.wikinger.de), die diese Reise zum Teil unterstützten.
  

Von Martina Hildebrand

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