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Karabiner klicken ein. Routiniert fixiert der Springmeister das Latex-Seil an den Knöcheln. Zwei junge Frauen stehen mit verbundenen Beinen an der Absprungplattform der Kawarau Bridge. Ein letzter Blick gen Himmel. 43 Meter unter ihnen: ein reißender Gebirgsfluss.
Gleich kommt der ultimative Kick. Gleich werden sie im Tandem kopfüber die Brücke hinabspringen und wie ein Jo-Jo in der Luft auf und ab baumeln. Und wie alle, die hier die Fallsucht plagt, sich die Seele aus dem Leib brüllen. Selbst wer nur zuschaut, spürt den Nervenkitzel.
Queenstown liegt mitten auf der Südinsel Neuseelands. Die Stadt am Lake Wakatipu ist der Hotspot für Extrem- und Funsportler. Seit Bungee-Pionier A.J. Hackett in den späten 1980ern den ersten Sprung von der Kawarau Bridge wagte, hat sie ihren Ruf als Extremsportmekka.
Für Hackett begann damals der Sprung in den Reichtum. Denn heute ist Bungee Jump eine lukrative Touristenattraktion. An Spitzentagen stürzen sich über hundert Menschen hier freiwillig hinunter. Die Touristen zahlen dafür umgerechnet rund 115 Euro. Busladungsweise kommen jene, die ihre Angst überwinden wollen
Den Kick schlechthin holen sich viele durch die Kombination verschiedener Funsportarten: bei Bungee Jumps, Raftings oder Jet-Boat-Fahrten. Eine Woche lässt sich hier ohne Probleme verbringen, ohne dass die Nebenniere zur Ruhe kommt: Ein Adrenalin-Kick jagt den nächsten durch den Körper.
„Die Idee zum Bungee-Jumping stammt aus Vanuatu in der Südsee“, erzählt Roger Thomas, der aus Karlsruhe stammt und seit über 20 Jahren in Neuseeland lebt. Er kam erst des Landes, später der Liebe wegen. „Wer sich dort traut, nur gesichert durch eine Lianenschlinge am Fußgelenk hinabzustürzen, darf sich fortan zu den Männern zählen."
Roger meint, die Touristen seien hier verrückt nach sechs Sekunden Panik. Nach Momenten, in denen der Verstand aussetzt, weil man kopfüber mit 130 Stundenkilometern in die Tiefe rast. Am Ende bekommt jeder im angrenzenden Visitor Center ein T-Shirt überreicht und ein Zertifikat, das bescheinigt, „eine Ahnung von der Wirklichkeit und der Verantwortung gegenüber dem Leben“ bekommen zu haben. Und ein persönliches Video. Die Mutprobe zum Abspielen auf dem DVD-Player für daheim.
Wenn Glen Scott den Finger kreisen lässt, dann wird es Zeit, sich gut festzuhalten. Nur wenige Fahrminuten von der Kawarau Bridge entfernt, stehen die knallroten Boote am Fluss schon bereit. Und was den Gast hier erwartet, lässt ihn das Blut stocken: Rote Jetboote, Shotover genannt, drehen sich im engen Canyon um die eigene Achse. Mit bis zu 85 Kilometern pro Stunde jagt Scott mit seinen Bootsinsassen über den Gebirgsfluss — immer nur wenige Zentimeter trennen das Boot von den schroffen Felsen. Scott, Spitzname Grubb, jagt seit 2008 professionell übers Wasser. Und wenn der gelernte Polizist in seinem Ferrari-Boot mit Karacho auf die Klippe zurast und eine kreisende Bewegung mit dem Arm macht, kündigt er eine 360-Grad-Drehung an.
„Das war besonders gut“, sagt er gern, wenn besonders viel Wasser ins Boot klatscht. Der Rest der Bootsinsassen brüllt sich die Seele aus dem Leib, hat aber sichtlich Spaß daran.
In Queenstown wird keinem kalt. Wer will, kann hier mehrere Sportarten kombinieren: Der ultimative Thrill nennt sich im Katalog „Awesome Foursome“. Er umfasst den Nevis Bungee (134 Meter), die Fahrt mit dem Shotover Jet, einen Helicopter Flug zum Skippers Canyon und abschließend noch das White-Water-Rafting auf dem Shotover-River.
Im Zentrum von Queenstown reiht sich an der Main Street ein Schaufenster ans andere. Doch angeboten werden nicht Armani, Gucci und Versace, sondern Rafting, Gleitschirmfliegen, Fallschirmspringen, Jetboaten, Bungee-Jumps, Ballonfahrten, Mountainbiken, Snowboarden, Helikopter-Skiing, River-Surfing, Kajaking und Canyoning — und für jede Sportart die passende Ausrüstung.
Queenstown nennt sich selbst „The Adventure capital of the world“. Der Ort vereint mehr junge Menschen als jeder andere Ort Neuseelands. Der Jugendwahn ist statistisch dokumentiert: Achtzig Prozent der Bewohner sind unter 45. Man trifft schlicht keinen älteren Einwohner dieser Stadt — weder auf der Straße noch in den vielen Pubs und Restaurants. Die Alten sind abgewandert.
Der Ort ist von Kopf bis Fuß auf Nervenkitzel ausgerichtet. Eine Million Traveller aus den USA und Europa, aus China, Japan, Australien, Hongkong, Südafrika und Samoa sind hier auf der Jagd nach Spaß in der „Freak-Out“-Stadt.dapd
Fr. 17.05.13
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