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Plötzlich ein Rascheln, der Kegel des Suchscheinwerfers saust nach links: nur ein paar Wasserschweine mit ihren Jungen. Die größten Nager der Welt fressen in aller Seelenruhe Halme am Ufer, dabei streift hier der Jaguar durchs Gebüsch. Und hundert Meter weiter blitzen die Augen eines riesigen Kaimans aus dem Wasser. Eine unheimliche Begegnung im peruanischen Amazonastiefland.
Peru? Das sind doch bunt gekleidete Indiofrauen mit runden Hüten, die im Andenhochland zur Musik der Panflöte ein Lamababy unterm Arm tragen. Das ist die Inkastadt Machu Picchu, über der der Kondor kreist. Schon wahr, doch das viel bemühte Klischee trifft nur auf die sierra zu. So nennt man das Andenhochland. Über die Hälfte der Peruaner lebt auf zehn Prozent des peruanischen Bodens, im schmalen, wüsten Küstenstreifen mit der neun Millionen Einwohner zählenden Hauptstadt Lima. Knapp zwei Drittel Perus jedoch sind dünn besiedeltes Tiefland mit meist unberührtem Dschungel, durch das auch der Amazonas mäandert — er bildet sich im Norden des Landes aus mehreren großen Zuflüssen.
Puerto Maldonado ist eine Dschungelstadt, die man eher in Brasilien denn in Peru vermuten würde. Die schnell wachsende Siedlung am Rio Madre de Dios liegt so fern hinter den Sechstausendern der Anden im Amazonastiefland, dass man sie am einfachsten mit dem Flugzeug erreicht. Die Hauptstadt Lima ist scheinbar so weit weg wie der Mond, die Grenze zu Brasilien und Bolivien hingegen nah. Schnell entwickelte sich das Goldgräbernest zu einer Handelsstadt. Es hat einen winzigen Buschflughafen, und neben Wellblechütten wachsen auch hässliche Betonbauten in die Höhe.
Seit nicht allzu langer Zeit kommen Touristen an den Fluss. Dort besteigen sie ein Boot und lassen sich in eine der vielen Lodges weit außerhalb der Stadt bringen. Wer hier in einem Bungalow schläft, den säuselt das sirrende Gebrumm des Urwalds in den Schlaf, den weckt mit dem ersten Sonnenstrahl ein vielstimmiges Konzert von Insekten und Vögeln.
Boote sind die einzigen Fortbewegungsmittel, sie bringen die Gäste zu Seen, in denen Riesenotter-Familien auf Fischfang gehen, und zu Orten, an denen Tausende Aras die Rinde abgestorbener Palmen fressen, um sich mit Mineralien zu versorgen. Bei Nachtwanderungen hüpfen knallbunte Frösche über den Dschungelpfad, hinter dem nächsten Baum sitzt eine Skorpionspinne, ein Gürteltier huscht davon und eine Tarantel kriecht aus ihrem Nest. Keine Angst, sie haben es nicht auf die mit Taschenlampen bewehrten Nachtwanderer abgesehen!
Viele Menschen verbinden mit Peru noch immer ein vom Terrorismus gezeichnetes Drittweltland, in dem eine korrupte Regierung die andere ablöst und das niemals auf die Beine kommt. Noch in den 1990er Jahren lag das gebeutelte Land wirtschaftlich am Boden. Wer konnte, ging ins Ausland. Doch gerade in den letzten zehn Jahren haben relativ stabile, pragmatische Regierungen das Land geführt. Dank riesiger, neu erschlossener Bodenschätze legte Peru ein Wirtschaftswachstum von jährlich gut sieben Prozent hin.
Firmen aus aller Welt investieren wieder, die Auslandsperuaner kommen zurück und sogar Spanier immigrieren zu Tausenden, weil ihnen die Krise ihrer Heimat jeden Optimismus raubt. Rosige Zukunftsaussichten glauben sie nun in der früher als rückständig belächelten ehemaligen Kolonie zu finden. Die Infrastruktur in den touristisch interessanten Gebieten ist jedenfalls augenfällig gut entwickelt.
Lima mit seinem internationalen Flughafen ist das Tor zu Peru. Es lohnt sich, wenigstens zwei Tage hier zu bleiben. Die Stadt mutet in weiten Teilen sehr europäisch an. Die Straßen im Zentrum sind sauber, schicke Restaurants und eine lebendige, kreative Szene machen Lima zu einer der angesagtesten Metropolen Lateinamerikas.
Doch nur wer ins Hochland reist, kommt an die Wurzeln des Landes, die auf einer indianischen Kultur fußen, die einst halb Südamerika dominierte.
Cusco ist die ehemalige Hauptstadt der Inkas, sie raubt einem schon kurz nach der Ankunft den Atem. Das liegt an ihrer Lage in fast 4000 Metern Höhe, aber auch an ihrer Schönheit. Die spanischen Eroberer errichteten ab dem frühen 16. Jahrhundert auf den indianischen Steinfundamenten eine spanische Modellstadt mit Kathedralen, Palästen, schönen Plätzen und Bürgerhäusern mit schmucken Holzbalkonen. Cusco ist noch heute Ausgangspunkt zu den wichtigsten Kulturstätten der Inkakultur.
Dazu gehören neben der Festungsanlage Sacsayhuamán mit ihren riesigen, akkurat zusammengefügten Steinquadern, die Ruinen von Ollantayambo, vor denen eine Hand voll spanische Soldaten eine ihrer wenigen Niederlagen erlitten: Die Indianer öffneten eine Staumauer, und die Fluten spülten die spanischen Conquistadores einfach hinfort.
Fast auf jedem Peru-Katalog prangt die geheime Inka-Stadt Machu Picchu von der Titelseite – sie ist DAS Zugpferd des Peru-Tourismus. Man darf dort Massentourismus erwarten. Er wird erträglich, wenn man das mutmaßliche Verwaltungszentrum oder die Uni-Stadt der Inka-Elite mit einem luxuriösen Touristenzug wie dem Hiram Bingham ansteuert. Er ist benannt nach dem vermeintlichen Entdecker der Ruinen. Tatsächlich wurden sie schon in den 1860er Jahren vom deutschen Abenteurer August Berns gefunden. Der wusste allerdings weder die Fundstücke noch die sensationelle Entdeckung der Stadt zu vermarkten.
Untermalt von der Musik einer peruanischen Combo zuckeln die Zugpassagiere bei Essen, Wein und Pisco-Sour (dem peruanischen Cocktail schlechthin) in knapp drei Stunden dieser Sehenswürdigkeit entgegen.
Ebenfalls von Cusco aus fährt in sechs Stunden der Bus durchs Andenhochland und über den 4335 Meter hohen La Raya-Pass nach Puno. Die größte Stadt am fast 4000 Meter hoch gelegenen Titicacasee hat nicht viel Sehenswertes zu bieten, doch in der Bucht davor schwimmen über 80 Inseln aus Binsenwurzeln, auf die sich ein Indianerstamm vor den Inkas und vermutlich auch vor den Spaniern in Sicherheit brachte.
Die Menschen leben bis heute von allem, was ihre unmittelbare Umgebung hergibt: Fischen, den Vögeln, die im Schilf leben, vom Schilf selbst, dessen unteres Drittel geschält und gegessen wird. Und von den vielen Touristen, die unbedingt die Inseln besuchen, Souvenirs kaufen und mit einem Binsenboot ein Stück weit über den See gepaddelt werden möchten.
Nach so viel Natur und Kultur sollte man sich vor dem Heimflug am Meer entspannen. Doch Peru ist kein Badeziel, auch wenn es im Norden an der Grenze zu Ecuador ein paar umständlich zu erreichende tropische Strände gibt. Viele Südamerika-Reisende legen daher noch an einem der Strände Brasiliens oder Venezuelas einen Zwischenstopp ein und aalen sich faul in der Sonne.
Detaillierte Infos:
Meier’s Weltreisen, Tel.: (069) 95 88 59 29, www.meiers-weltreisen.de, 16-tägige Flug-/Busrundreise „Peru – Versunkenes Reich der Inka“ ab 3403 Euro/Person; PromPerú, Tel: (069) 24246642, www.peru.travel sowie bei Lan Airlines (täglich Frankfurt über Madrid nach Lima), www.lan.com. Die Genannten haben diese Reise zum Teil unterstützt.
Die im Text beschriebene Reise orientiert sich an der 16-tägigen Flug-/Busrundreise „Peru – Versunkenes Reich der Inka“ auf S. 204/205 des Meier’s Weltreisen Katalogs „Mittel- und Südamerika“. Höhepunkte dieser Reise sind: Stadtbesichtigungen Lima, Arequipa und Cuzco, Zugfahrt mit dem bekannten Zug „Vistadome“, Besuch der „Verlorenen Stadt“ Machu Picchu, Dschungelfeeling im Naturschutzgebiet Tambopata (Puerto Maldonado), Entdeckungen im Colca Tal, Puno/Titicacasee.
Es besteht die Möglichkeit, die Reise um einen 3-tägigen Aufenthalt in Ica, der Wiege des „Piscos“ – Nationalgetränk der Peruaner zu verlängern.
Preisbeispiel: 16-tägige Flug-/Busrundreise „Peru – Versunkenes Reich der Inka“, ab/bis Deutschland, inkl. Anreise mit dem Zug (2. Klasse), innerperuanische Flüge laut Programm, 13 Übernachtungen/DZ in Mittelklassehotels, Verpflegung gemäß Ausschreibung, Transfers, Ausflüge und Eintrittsgelder lt. Programm, Fahrten in teilweise klimatisierten Reisebussen, Zugfahrt im „Vistadome“, deutschprechende Reiseleitung, Durchführungsgarantie ab 4 Personen, Preis pro Person ab 3.403 Euro.
Fr. 17.05.13
Fr. 17.05.13
Fr. 17.05.13
Fr. 10.05.13
Fr. 03.05.13