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Sardinien: Badespaß zwischen Felsen

Grotten und Canyons: Der Nationalpark Gennargentu ist eine einzigartige Karstwelt - 19.04.2012 14:43 Uhr

Weiß und weich die Strände, wild und karstig die Bergwelt. Der Nationalpark Gennargentu an der Ostküste von Sardinien lässt Naturfreunden und Genießern Raum für Abenteuer im schroffen Bergland und Entdeckungen an einer einzigartig schönen Küste.

Im Gennargentu Nationalpark gibt es eine urtümliche Küstenlandschaft und versteckte Strände zu entdecken.
Im Gennargentu Nationalpark gibt es eine urtümliche Küstenlandschaft und versteckte Strände zu entdecken.
Foto: Roland Dusik
Im Gennargentu Nationalpark gibt es eine urtümliche Küstenlandschaft und versteckte Strände zu entdecken.
Im Gennargentu Nationalpark gibt es eine urtümliche Küstenlandschaft und versteckte Strände zu entdecken.
Foto: Roland Dusik

Am Fuße von Karstfelsen erstreckt sich wie eine Sichel der Golfo die Orosei. Gianni, ein Vollblutsarde, öffnet seinen Rucksack, holt eine Flasche Cannonau di Dorgali heraus und schenkt uns in einem Plastikbecher den Rotwein aus. Schwer und vollmundig rinnt er die Kehle hinunter. Ein feines Finale eines erlebnisreichen Tages im Gennargentu, dem Nationalpark im Osten Sardiniens.

An der Küste des Golfs von Orosei in der Mitte der sardischen Ostküste fällt ein bis zu 400 Meter hohes Kalksteingebirge auf einer Länge von rund 30 Kilometern nahezu senkrecht ins glasklare Wasser. An mehreren Stellen wird die Steilküste von Canyons durchzogen, die am Meer in malerischen, von Felswänden umgebenen Sandbuchten münden.


Eindrucksvolle Natur - Karstlandschaft im Nationalpark
Eindrucksvolle Natur - Karstlandschaft im Nationalpark
Foto: Roland Dusik
Eindrucksvolle Natur - Karstlandschaft im Nationalpark
Eindrucksvolle Natur - Karstlandschaft im Nationalpark
Foto: Roland Dusik

Eine besondere Attraktion der Felsküste ist die märchenhafte Unterwelt mit fantastischen Tropfsteinen in Grotten gigantischen Ausmaßes. Buchten, Strände und Höhlen sind von der unwegsamen Landseite schwer zugänglich und werden meist per Boot vom beschaulichen Ferienort Cala Gonone aus angesteuert. Landeinwärts geht das Küstengebirge in die zerfurchten Karstmassive der Monti del Gennargentu und Supramonte mit tiefen Schluchten, einsamen Hochplateaus, wilder Macchia und uralten Steineichenwäldern über. Erst 2008 wurden 90000 Hektar der Region zum Nationalpark erklärt, einer der größten am Mittelmeer.

Unser Ausflugsboot passiert die Cala Luna, eine halbmondförmige Felsenbucht mit Sandstreifen vor einer vom Strand aus zugänglichen Grotte. Über uns türmen sich Karstwände. Favoriten in einem Wettstreit der schönsten Mittelmeerstrände wären mit ihrem feinen Quarzsand auch die Cala Sisine, Cala Biriola und Cala Mariolu. Auf dem Rückweg bitten wir Franco, uns an der Cala Luna abzusetzen, die als einzige der Buchten nicht nur übers Meer, sondern von Cala Gonone auch auf einer zweistündigen Klippenwanderung zu erreichen ist.


In einem der vielen Canyons des Nationalparks sammelt sich Wasser — ideale Planschbecken für müde	Wanderer.
In einem der vielen Canyons des Nationalparks sammelt sich Wasser — ideale Planschbecken für müde Wanderer.
Foto: Roland Dusik
In einem der vielen Canyons des Nationalparks sammelt sich Wasser — ideale Planschbecken für müde	Wanderer.
In einem der vielen Canyons des Nationalparks sammelt sich Wasser — ideale Planschbecken für müde Wanderer.
Foto: Roland Dusik

Unser nächstes Ziel ist das kahle Kalksteinmassiv des Supramonte, das sich über der Küste auftürmt. Im Laufe der Jahrmillionen hat der Rio Flumineddu am Schieferkarstgestein gefräst und die Gola Su Gorropu in den Fels getrieben, einen der tiefsten Canyons Europas. Der Pfad entlang des Flumineddu windet sich unter bis zu 1000 Jahre alten Steineichen empor, die sich ins Gestein krallen. Am Himmel kreisen Steinadler, Bussarde und Falken. Wir riechen die Macchia: Rosmarin, Ginster, Oleander, Myrte und Wacholder. Als wir uns Stechwacholderbäumen nähern, deren kräftige Stämme vom Winterwind wie Korkenzieher verdreht sind, bricht eine der selten gewordenen Mufflonherden unter der Baumgruppe hervor und flüchtet bergan.


Nach zweieinhalb Stunden erreichen wir die zwei Kilometer lange Gorropu-Schlucht, durch die der Rio Flumineddu tost. An ihrem Fuß ist sie nur wenige Meter breit, aber beiderseits ragen Felswände 500 Meter empor. Wir müssen im Canyon von einem Gesteinsbrocken zum nächsten springen und über Gerölllawinen klettern. Auf einmal verengt sich die Schlucht derart, dass wir nur noch kriechend weiterkommen. Zur Belohnung führt uns Gianni zu einem Felsenpool, in dem sich Wasser gesammelt hat. Wir tauchen ein in das eiskalte, klare Nass, während unter uns ein kleiner Wasserfall plätschert.

Weitere Informationen

www.sardinien.com (Online-Portal mit vielen Tipps und Newsletter-Service)

www. dorgali.it (offizielle Website des regionalen Fremdenverkehrsamtes)   

Anreise: Billigflüge nach Olbia mit Air Berlin (www.airberlin.com), easyJet (www.easyjet.com) und TUIfly (www.tuifly.com), ab ca. 250-300 Euro return. Am Flughafen Büros internationaler und lokaler Autovermieter, in den Sommermonaten rechtzeitig reservieren (Kleinwagen ab etwa 200 Euro/Woche). Ganzjährige Autofähren nach Olbia und Golfo Aranci ab Genua, Livorno und Civitavecchia, z. B. Moby Lines (www.mobylines.de) und Sardinia Ferries (www.corsica-ferries.de). Überfahrten in der Hauptsaison von Mitte Juli bis Ende August frühzeitig buchen. Die Preise variieren stark, es gibt zahlreiche Spartarife (Pkw mit 2 Pers. im Juli/Aug. ab ca. 300 Euro return). Mit dem Auto von Olbia oder Golfo Aranci in 90 Minuten über die gut ausgebaute SS 131 nach Cala Gonone.

Reisezeit: Die Saison dauert von Ostern bis Ende Oktober. Im April und Mai kann es noch frisch sein, von Juni bis August macht die Hitze Wanderungen sehr anstrengend, im September und Oktober ist bei angenehmen Tagestemperaturen von 20-25 Grad das Meer noch warm genug zum Baden. Geringe Regenwahrscheinlichkeit in den Sommermonaten.

Übernachten: In Cala Gonone überwiegen Mittelklassehotels (DZ/F in der Saison ab 80-100 Euro), die in der Hauptsaison gut gebucht sind. Etwas günstiger sind Bed & Breakfast- und Agriturismo-Betriebe im Landesinnern, etwa in Dorgali, Oliena und Orgosolo. Auf einer Klippe hoch über Cala Gonone thront das kleine, familiäre und sehr sympathische Hotel L’Oasi mit 30 komfortablen Zimmern mit Klimaanlage und Balkon (z. T. mit Meeresblick) und einem Terrassenrestaurant mit kreativer Regionalküche und herrlichem Rundblick über die Bucht von Cala Gonone; sehr engagiert geführt von dem hilfsbereiten Ehepaar Caterina und Massimo (Via G. Lorca 13, Tel. 0039-0784-93111, www.loasihotel.it, DZ/F 85-145 Euro). Inmitten eines herrlichen Steineichenwaldes am Fuße des Supramonte-Massivs liegt nahe Oliena das stilvolle Landhotel Monte Maccione der Cooperativa Turistica Enis, im Restaurant serviert man deftige sardische Hausmannskost (Tel. 0039-0784-288363, www.coopenis.it, DZ/F 66-80 Euro).

Ausflüge: Sogenannte Minikreuzfahrten im Golf von Orosei bietet Nuovo Consorzio Trasporti Marittimi (Tel. 0039-0784-93302, www.calagononecrociere.com). Kundige Touren durch den Gennargentu-Nationalpark, zur Gola Su Gorropu, zur Nuraghen-Siedlung Tiscali und in das Bergdorf Orgosolo organisieren die Cooperativa Turistica Enis (s. o.) und die Società Gorropu (Tel. 0039-0782-649282, www.gorropu.com).

Reiseführer: Fohrer, Eberhard: Sardinien, Michael Müller Verlag, Erlangen 2011, 24,90 Euro.
  

Roland Dusik


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