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Scharfes Essen und heiße Musik

Von Schildkröten und Alligatoren - 21.06.2012 12:37 Uhr

Sumpfzypressen und unglaubliche Sonnenuntergänge: das Mississippi-Delta in Louisiana.

Sumpfzypressen und unglaubliche Sonnenuntergänge: das Mississippi-Delta in Louisiana. © Louisiana Office of Tourism/dpa


Vor 200 Jahren wurde Louisiana als 18. Bundesstaat der USA aufgenommen. Doch vor allem New Orleans, das Jahrhunderte lang isoliert inmitten von Sümpfen lag, hat sich nach wie vor spezielle Eigen- und Besonderheiten bewahren können — von der Küche bis zur Musik. Das Leben rund um das French Quarter wird immer noch von den französischsprachigen Cajuns geprägt, die nach einem ganz einfachen Motto leben: „Laissez les bons temps rouler“ – lasst uns das Leben genießen!

Die Vorfahren der Cajuns kamen 1604 als Flüchtlinge vor den Religionskriegen Europas in die neue Welt. Im Lauf der Geschichte lernten sie von den Indianern, sich in den Sümpfen zu behaupten, und vertrauten auf ihre Kultur und ihr ausgeprägtes Zusammengehörigkeitsgefühl als französischsprachige Minderheit.

Eine gute Portion Frankreich prägt auch die Küche Louisianas, das wie eine Insel vom amerikanischen Fastfood-Einheitsbrei umspült wird und durch die unterschiedlichsten Einflüsse eine einzigartige Ausprägung erfuhr. Im Gumbo etwa, dem legendären Eintopf der Cajuns, kommen französische Andouille-Würste zum Einsatz, Okraschoten steuerten die Afroamerikaner bei, Mais und Süßkartoffeln die Indianer, während der rote kulinarische Faden die Chili ist.

Exotische Indredienzien: Schildkröten und Alligatoren

Wer darüber hinaus auch noch mit einem Klima gesegnet ist, das jede Pflanze nur so wuchern lässt, Flüsse und Seen voller Leben und ein Meer sein Eigen nennt, der kann aus dem Vollen schöpfen. Zu den exotischen Ingredienzien der Küche gehören Wasserschildkröten und Alligatoren, dazu allerlei Meeresfrüchte: Fische aller Größen, Shrimps im Überfluss, Krabben ohne Ende. Unbedingt versuchen sollte man die beliebten „Mud Bugs“ (Schlammkäfer), kleine Miniaturhummer, die im Sommer in jedem noch so kleinen Tümpel gefangen werden. Kurz mit etwas Chili gekocht und mit kaltem Bier hinuntergespült sind die „Mudbugs“ eines der typischsten Cajun-Gerichte.

Auch die Musik Louisianas ist eine wunderbare Mischung. Die Acadiens – ihr erstes Siedlungsgebiet nannten sie in ihrer Sehnsucht nach Frieden Acadia – brachten ihre Volkslieder mit, Afrika steuerte heiße Rhythmen bei, und die Deutschen machten das Akkordeon zum integralen Bestandteil der Cajun-Musik, die seit dem Film „The Big Easy“ eine weltweite Zuhörerschaft genießt. Zydeco hingegen, ein naher Verwandter, verbindet französische Rhythmen mit afrikanisch-karibischen Klängen und einem Schuss Blues zu mitreißendem Swing, dem man sich kaum entziehen kann.

Beide Spielarten locken am Wochenende unzählige Menschen in die Dance Halls, wo Cajun-Combos fiedeln, dass es eine Freude ist. Das Bier fließt und es werden Unmengen Crawfish, Bachkrebse, verdrückt. Jung und Alt drehen sich im Takt zu einer Musik, die die ganze Lebensfreude der 700000 Cajuns widerspiegelt.

Parallel dazu entwickelte sich hier im tiefen Süden aber auch der Jazz. Er, in all seinen Ausprägungen von Free-, Cool- und Acid-Jazz bis hin zum Dixieland, und seine geistigen Urväter wie Blues und Spirituals, sind echte Kinder Louisianas, die sich aus der Verzweiflung und dem Leid der Sklaven entwickelten, die auf den Plantagen ein menschenunwürdiges Leben fristen mussten. Ihr Vermächtnis ist eine Musik des Lebens, die wie kaum eine andere Gefühle und Gemütszustände ausdrückt. „What we play is life“, „Was wir spielen, ist das Leben“, brachte es Jazzikone Louis Armstrong auf den Punkt.

Was auch immer Exotisches oder Verrücktes im Cajun Country passiert sein mag, alles verdankt es dem Old Man River, dem Mississippi, der an den Gassen des French Quarter still und zeitlos vorbeiströmt. Was also könnte es zum Abschluss einer Reise in den Süden Louisianas Schöneres geben, als im Abendlicht mit einem alten Schaufelraddampfer über jenen legendären Strom zu kreuzen, der seit jeher das Leben der Menschen bestimmte? Leise murmelt es im Licht der untergehenden Sonne, während aus dem Bauch des Dampfers melancholische Bluesklänge wehen. „Ich möchte keine Realität, ich möchte Magie“, sagte einst Tennessee Williams und meinte wohl einen wunderbaren Moment wie diesen, der bestens dazu geeignet ist, um in das alte Cajun-Motto einzustimmen: "Laissez les bons temps rouler" —lasst uns das Leben genießen!

Weitere Informationen: Fremdenverkehrsbüro Louisiana, das diese Reise unterstützte, c/o Wiechmann Tourism Service GmbH, Tel. (069) 25538270, www.louisianatravel.de, www.neworleans.de, www.louisianabicentennial2012.com 

Von Egmont Strigl

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