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Südafrika: Ein magischer Felszirkus

Teufelsnadel und Amphitheater: Die nördlichen Drakensberge sind eine der schönsten Landschaften Südafrikas - 12.07.2012 13:31 Uhr

Prachtvoller Ausblick: Das so genannte Amphitheater in den Drakensbergen mit der Teufelsnadel in der Mitte.

Prachtvoller Ausblick: Das so genannte Amphitheater in den Drakensbergen mit der Teufelsnadel in der Mitte. © Wolfgang Gessler


Mit etwas Wehmut verlassen wir bald die subtropische Metropole, tuckern ins Landesinnere, Richtung Nordwest, dorthin, wo sich die Kette der Drakensberge erstreckt: ein Wandergebiet vom Feinsten mit Gipfeln über 3000 Meter, mit senkrechten Wänden und weiten Hochplateaus, mit wilden Graten, Wasserfällen und alten Felszeichnungen. Maloti-Berge heißen sie im benachbarten Königreich Lesotho. Zwischen September und November – dem südafrikanischen Frühling – sprenkeln ungezählte Wildblumen dort die hochgelegenen Wiesen.

Relaxen unter Grapefruit- und Orangenbäumen

Hinter Durban steigt das Land in Stufen beständig an, sind weite Grasebenen bestanden mit Schirm-Akazien. Bei Howick verlassen wir die Hauptstraße N3 und wenden uns noch mehr nach Westen. Bald stehen Kühe auf sattgrünen Wiesen. In Lidgetton bestaunen wir die motivreiche Keramik von Ardmore – es sind Werke einheimischer Künstler und begehrte Objekte auch internationaler Ausstellungen. Zur Stärkung bald darauf eine ausgiebige Rast in der Nottingham Road Brewery. Die Forellen aus den umliegenden Seen schmecken hier köstlich, und natürlich werden auch heimische Biersorten einer genaueren Prüfung unterzogen.

Dann tauchen wir ein ins Champagne Valley: eine idyllische Hügellandschaft mit Gras, Kiefern und Fichten. Hier lassen auch Südafrikaner gerne die Seele baumeln: Sie fischen oder gehen spazieren. Sie relaxen auf den Terrassen komfortabler Gästehäuser, im Schatten von Platanen und Eichen, die im Mai und Juni bereits in bunten Herbstfarben schillern. Hortensien blühen, Grapefruits und Orangen baumeln an Bäumen. Direkt dahinter wölbt sich bereits die Kette der zentralen Drakensberge empor.

Der Teufelszahn - ein magischer Felszirkus

Wer im Champagne Valley auch Nervenkitzel sucht, wagt eine „Canopy Tour“: Zwischen Baumwipfeln in einem tropisch anmutenden Seitental sind Stahlseile gespannt. Mutige klinken sich dort ein, und los geht’s: ein rasantes Gleiten mit bis zu Tempo 45 über dicht bewaldete Schluchten hinüber zur nächsten Plattform. Spektakuläre Aus- und Tiefblicke garantiert.

Doch wir wollen noch höher hinauf – in die nördlichen Drakensberge. Dorthin, wo die südafrikanischen Provinzen Kwazulu Natal und Free State mit dem Königreich Lesotho so etwas wie ein Länderdreieck bilden. Royal Natal National Park heißt diese Region. Dort ragt der Sentinel Peak 3165 Meter hoch in den Himmel – ein gewaltiger Klotz, der bei Sonnenuntergang glutrot erstrahlt. Dort formt die fast senkrechte, 1000 Meter hohe Felswand des Amphitheatre einen mächtigen Bogen. Und der Devil’s Tooth – der Teufelszahn – zeigt in diesem acht Kilometer langen Felszirkus wie ein erhobener Zeigefinger magisch in die Höhe. Dort rauschen auch die schmalen Tugela Falls vom Rand des Felsplateaus 948 Meter in die Tiefe – die zweithöchsten Wasserfälle der Welt.

Schwindelfreiheit und gute Nerven sind Pflicht

Für eine Tour in diese spektakuläre Bergwelt starten wir von der 2286 Meter hoch gelegenen Witsieshoek Mountain Lodge – nahe dem Städtchen Phuthaditjhaba und bequem mit dem Auto erreichbar. Klipp-Springer und Klipp-Schliefer hüpfen hier oben durchs Gelände. Sie erinnern an Gemsen und Murmeltiere. Wir stapfen über gut sichtbare Wege, mühen uns eine steile Rinne durch den Fels hinauf, erreichen eine Hochebene und sind begeistert über Tiefblicke und Fernsichten: Neben dem Felszirkus ringsum reihen sich die Silhouetten der Drakensberge bis zum Horizont.

Um wieder nach unten zu gelangen, wählen wir eine spannende Variante: über die Chain Ladder. Dabei müssen Wanderer auf Eisenleitern insgesamt 34 Meter teils senkrechte Felspassagen hinabsteigen. Schwindelfreiheit oder gute Nerven sind hier Pflicht. Am Abend sitzen wir dann gemütlich in unserer Berg-Lodge, erzählen von unseren Heldentaten und schlürfen dazu Amarula – natürlich eisgekühlt.

Weitere Informationen:

www.deinsuedafrika.de;

Kostenfreies Service-Telefon: (0800) 1189118

Reise- und Flugangebote:
www.tierischsuedafrika.de
South African Airways fliegt ex München und Frankfurt ab 760 Euro täglich und nonstop nach Johannesburg. Regelmäßig Anschlussflüge nach Durban.

Einreise: Für Besucher aus der Europäischen Union ist kein Visum erforderlich. Bei Ankunft wird ein "visitor's permit" erteilt, in der Regel für maximal 90 Tage. Der Reisepass muss mindestens 30 Tage über die Ausreise aus der Republik Südafrika hinaus gültig sein und wenigstens eine komplett freie Seite für Sichtvermerke enthalten.

Champagne Valley:
Ama Casa Cottages: eine Woche im Haus für zwei Personen ab ca. 540 Euro.
Informationen zur Canopy Tour

Nördliche Drakensberge: Das geschilderte Gebiet ist von Durban wie auch von Johannesburg aus mit dem eigenen Auto in jeweils vier bis fünf Stunden erreichbar. Von gemütlichen Kurzwanderungen bis zu mehrtätigen, anspruchsvolle Bergtouren ist dort alles möglich. Beste Wanderzeiten sind April/Mai (südafrikanischer Herbst) sowie September bis November (Frühling). Vor April öfter Regen und Nebel. Von Juni an kann es schneien, der Schnee bleibt in größeren Höhen teils bis Dezember liegen. Es gibt ein teils gut ausgebautes Wegenetz. In höheren Regionen jedoch sind Pfade nicht markiert bzw. nicht erkennbar. Wanderer benötigen dann gute Karten bzw. GPS. Weil bewirtschaftete Hütten wie in den Alpen fehlen und nur wenige Selbstversorger-Hütten vorhanden sind, müssen Zelt und Proviant mitgenommen werden.

Witsieshoek Mountain Lodge: Die Lodge gehört der lokalen Batlokloa Community, wird derzeit professionell renoviert, empfängt aber trotzdem Besucher in einfachen Gästehäusern (ab ca. 35 Euro pro Person/Nacht inkl. Frühstück). Die Lodge verfügt über ein Restaurant und bietet auch geführte Wander-Touren.

Ratgeber und Touren-Tipps für Outdoor, Natur und Begegnungen mit Menschen (englisch): The Maloti Drakensberg Experience, Hrsg.: Maloti Drakensberg Transfrontier Project 2007, ISBN: 978-0-620-38148-2, ca. 15 Euro.
Weitere Infos über die staatliche Park-Verwaltung in Kwazulu Natal (Ezemvelo KZN Wildlife): In den KZN-Shops vor Ort gibt' s auch Wanderkarten. 

Von Wolfgang Gessler

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