7°C

Montag, 22.12. - 18:08 Uhr

|

zum Thema

Südtiroler Weinstraße: Den Süden kosten

Weinberge, gutes Essen und viel Kultur in Kaltern, Eppan und Tramin - 18.05.2012 15:06 Uhr

Kellermeister Gerhard Sanin kostet genüsslich ein Glas Wein.

Kellermeister Gerhard Sanin kostet genüsslich ein Glas Wein. © Peter Ehler


Es sind vor allem die jungen Kellermeister an der Südtiroler Weinstraße, die die Forderung nach Qualität in die Köpfe der Weinbauern gebracht haben. Gerhard Sanin ist einer jener „jungen Wilden“, die sich für die Qualitätsoffensive „wein.kaltern“ stark gemacht haben. Seit fünf Jahren ist er Kellermeister der „Erste + Neue“ in Kaltern, einer der zwei großen Genossenschaften des Weindorfs.

„Ein Glas Kalterersee muss die Kehle hinunterlaufen wie ein barfüßiges Kätzchen“, scherzt Gerhard Sanin. „Erst kratzen, dann schön samtig und geschmeidig.“ Hemdsärmelig und leger mit Jeans, aber im traditionell blauen Schurz des Kellermeisters probiert er hoch oben über dem Kalterer See, der Wein und Region den Namen gab, seinen prämierten fruchtig-feinen Rotwein.

 

Bilderstrecke zum Thema

Südtirol: Weinberge, Flair und Kultur Südtirol: Weinberge, Flair und Kultur Südtirol: Weinberge, Flair und Kultur
Südtirol: Weinberge, Flair und Kultur

Kaltern, Eppan und Tramin – drei Gemeinden an der Südtiroler Weinstraße. Die Weinberge rund um den Kalterer See lassen sich im Urlaub leicht erwandern oder sogar mit dem Rad erfahren.


Direkt am Weinweg, der vom Marktplatz durch die Weingärten rund um Kaltern führt. Dabei lohnt es sich, den Blick nicht nur auf den grün schimmernden See sondern auch zu Boden zu richten. Hier liegen immer wieder kalksteinweiße Schwellen mit den Riegelnamen, also den historischen Namen der Weinlagen. Sie heißen Keil und Ölleiten oder Vial und Prunar und sind teils rätischen, teils romanischen Ursprungs.

Noch vor 30 Jahren wurden in Südtirol eine Million Liter Wein erzeugt, fast ausschließlich aus der Vernatschtraube. Mittlerweile haben die Kellermeister die Gesamtmenge auf gut die Hälfte reduziert. „Das war der erste Schritt in Richtung Qualitätssicherung“, sagt Gerhard Sanin. Die Bauern sind dabei angehalten, beste Trauben zu liefern, selbst wenn die Reben oft ein Drittel zurückgeschnitten werden mussten.

Mit dem Rad durch die Weinberge über dem Kalterer See: Überall locken Südtiroler Flair, Kulturlandschaften und Qualität der jungen Kellermeister.

Mit dem Rad durch die Weinberge über dem Kalterer See: Überall locken Südtiroler Flair, Kulturlandschaften und Qualität der jungen Kellermeister. © Peter Ehler


Gerhard Sanin ist in Sichtweite seines Arbeitsplatzes groß geworden. Gelernt hat er jedoch in der Nachbargemeinde Eppan bei Hans Terzer, der zu den angesehensten Kellermeistern Italiens zählt. Er führt dort seit 1977 die Kellerei St. Michael, als der Weinbau in Südtirol in großen Schwierigkeiten steckte. In wenigen Jahren hat er es geschafft, mit seinem Weißburgunder und seinem Gewürztraminer zur Weißweinspitze vorzudringen. Der Ritterschlag kam prompt. Terzer wurde in die Riege der „Top Ten Kellermeister der Welt“ aufgenommen. Als Obmann hat er mit dazu beigetragen die Qualitätsanforderungen hoch zu schrauben: „Mehr als 20 der besten Weinsorten werden inzwischen in der Region angebaut. Eine Arbeit, von der auch die Gäste profitieren, die sich die lokalen Sorten schmecken lassen können.“

Nach der Weinprobe lohnt ein Abstecher zu Pächter Markus Tschigg auf Burg Hocheppan.

Nach der Weinprobe lohnt ein Abstecher zu Pächter Markus Tschigg auf Burg Hocheppan. © Peter Ehler


Die Qualitätsoffensive der Genossenschaften hat auch in den Um- und Neubauten der Kellereien ihre Akzente gesetzt. Schnörkellos und mit faszinierenden Fassaden setzen sie beim Wandern oder Radeln in den Weinbergen rund um Kaltern, Eppan und Tramin architektonische Ausrufezeichen.

Eppan lockt als größte Weinanbaugemeinde Südtirols schon bald im Frühling mit südlichem Flair und mediterranem Klima, wenn „Winterflüchtlinge“ und Genießer kommen, um die frühlingshafte Blütenpracht zu erleben. Das Auge gewöhnt sich schnell an die Palmen im Ort, das Meer von Rosen in den Hausgärten, an Oleander und Glyzinien, die ganze Hauswände überwuchern.

Rosmarin, Knoblauch, Zwiebel und andere südländische Zutaten spielen in der Küche eine große Rolle. Solche „kulinarischen Sternschnuppen“ serviert Herbert Hintner, der seit drei Jahrzehnten mit seiner Frau das Sternerestaurant in dem über 400 Jahre alten Gasthaus „Zur Rose“ führt.

„Wir können problemlos eine Nudel mit einer Olive krönen, denn das ergibt in unserer Region ein stimmiges Bild“, sagt der 54-Jährige, der sich „nicht bloß hinterm Herd verstecken, sondern am Abend seinen Gästen auch zeigen will.“

180 Burgen, Schlösser und Ansitze machen Eppan aber auch zur burgenreichsten Gemeinde Europas. Für Wanderer und Radfahrer sind Hunderte an Kilometern Rad- und Wanderwege ein Dorado. Inzwischen lassen sich selbst die Weinberge mit dem Rad erfahren. Die Voraussetzungen sind bestens. Leichte Rundfahrten um den See oder packende Berg-Etappen sind jederzeit zu kombinieren. Neu ist das Konzept der „Bikefreundlichen Betriebe“, die eine gute Adresse für einen Radurlaub sind, besonders komfortabel mit Elektrofahrrädern, für die es einen eigenen Verleih gibt.

Die Touren gehen hier und nur wenige Kilometer südlich in Tramin zwischen 240 und 2116 Metern Seehöhe hoch zur Roenspitze oder auf den Mendelpass. Der Mendel ist der Haus- und Schutzberg der Kalterer. Wer trainiert ist, kommt gut mit dem Mountainbike hinauf. Der Genießer steigt in die neue Panoramabahn und freut sich über den fantastischen Rundblick am früheren Luft-Kurort der Städter. Der Blick ist atemberaubend und reicht weit über die Grenze ins italienisch sprechende Trentino.

Infos zu den Wein-Kultur-Paketen und den Radtouren in den Gemeinden an der Südtiroler Weinstraße gibt es unter www.eppan.com, www.kaltern.com und www.tramin.com die diese Reise unterstützt haben.

  

Peter Ehler

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Name:

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.