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Taiwan: Wandern am Wendekreis des Krebses

Viele Dreitausender und wunderbare Landschaften: Das Land bietet abseits der Glitzerstädte beeindruckende Naturerlebnisse - 19.04.2012 14:52 Uhr

Im Yu Shan-Nationalpark wandert man durch herrliche Berglandschaften. Die Lebensenergie "Chi" heißt es, gibt es hier im Überfluss.

Im Yu Shan-Nationalpark wandert man durch herrliche Berglandschaften. Die Lebensenergie "Chi" heißt es, gibt es hier im Überfluss. © Christoph Thoma


Millionenstadt zwischen gestern und morgen. Da der 508 Meter hohe, nach der Stockwerkszahl benannte „101-Tower“, dort das olfaktorische Labyrinth der Garküchen und Märkte. Unter gekiesten Wanderwegen das Häusermeer Taipehs.

Der Berg Tatung, 1092 Meter hoch, mag erstes Ziel sein. Oder einer seiner Nachbarn. Dampf steigt auf von heißen Schwefelquellen. Eine Wanderung durch eine poetische Welt aus Baumfarnen, schenkeldickem Bambus und nach Feng Shui-Regeln angelegten Rastplätzen mit Fischteichen und Bogenbrücken. Landschaftsbilder, wie mit Tusche skizziert.

Touristen erhalten im Kloster Fo Gunag Shan Unterricht in Kalligraphie.

Touristen erhalten im Kloster Fo Gunag Shan Unterricht in Kalligraphie. © Christoph Thoma


Der Abstieg beginnt beschaulich und endet in einer Kakophonie unglaublichen Lärms: Chinakracher, Feuerwerk, Tröten, Trommeln, Gewehrsalven und Diskomusik. Lautsprecher auf tuckernden Traktoren. Was sich anfühlt wie eine Mixtur aus Demo, Fasnacht und Karaoke, ist fromme Prozession. Ein taoistischer Gott wird mit einem Volksfest geehrt.

Unterwegs im Herzen Taiwans: Die wildromantische Taroko-Schlucht ist eine der Attraktionen des Landes.

Unterwegs im Herzen Taiwans: Die wildromantische Taroko-Schlucht ist eine der Attraktionen des Landes. © Christoph Thoma


Taroko ist das wilde Herz Taiwans. Das populärste Stück Natur. Hier treffen sich Hochzeitspaare und Wanderer. Tief hat sich der Fluss Liwu ins Gestein gegraben. Marmor und Granit bilden bis zu 500 Meter hohe Wände beidseits der Schlucht, in die immer wieder Wasserfälle tosen. Ziele der Wege sind das „Schwalbentor“, in dem Hunderte von Schwalben nisten, die „Neun-Kehren-Höhle“, wo das Sonnenlicht durch Windungen völlig ausgesperrt ist oder der Treppenweg zum Schrein des ewigen Frühlings.

Aus der Taroko-Schlucht geht’s ins Hochgebirge. Immer höher und steiler hinauf. Von 200 auf 3000 Meter Seehöhe. Aus Frühnebel in gleißenden Sonnenschein. Wolkengekrönte, grün ummantelte Zauberberge. Uralte Zypressen folgen tropischer Vegetation. Endlich der Pass auf 3275 Metern Höhe. Der höchste Taiwans. Nebenan lockt der Shimen mit dem Gipfel auf 3400 Metern, zum Abstecher. Eine zweistündige Bergtour auf gut markierten Treppenpfaden.

Wie in einem chinesischen Tuschebild umfluten weiche Wolkenmeere, Waldhügel und Wasserfälle die Bergkuppen der Hehuan-Berge, allesamt um oder über 3000 Meter hoch. Tief drunten grüßen die Teegärten von Wulin, eine weiche Landschaft in windgeschütztem Tal. Tee lässt keinen Chinesen kalt. Die Teekultur ist im Volk verwurzelt. Tee und Taiwan gehören so eng zusammen, dass in Restaurants mit Tee gekocht wird und sogar Reis in Teewasser siedet. Auf der Wulin-Farm wird der Olong-Bergtee produziert. Eine Kostbarkeit für jeden Teekenner.

Der Sonne-Mond-See mitten in der Insel ist in eine Bilderbuchlandschaft gebettet, mit bewaldeten, sattgrünen Bergen. Taiwans Trinkwasser-Reservoir mit kulturellen Höhepunkten reihum. Der Wen Wu-Tempel vereint Elemente mehrerer religiös-philosophischer Schulen. Dunkle Marmorblöcke verweisen im Kontrast zum hell glitzernden See auf die Ying Yang-Dualität.

Unterwegs zum Alishan-Berg.

Unterwegs zum Alishan-Berg. © Christoph Thoma


Dann der Yu Shan-Nationalpark, 100000 Hektar groß, mit 30 Gipfeln. die mehr als 3000 Meter hoch aufragen. Auch der höchste Berg Taiwans, der 3952 Meter hohe Jadeberg ragt hier in den Himmel. Zum Park gehört auch der „nur“ 2190 Meter hohe „Heimat-Berg“ Alishan. Das „Chi“ – die Lebensenergie – ist hier oben so günstig wie nirgendwo sonst, heißt es. Jede Minute in der Sommerfrische Ali Shan-Park sei so wertvoll wie ein Tag in der Ebene. Ein Rundweg führt durch hübsche Hochlandgärten an einem buddhistischen Tempel vorbei, zum „Heiligen Baum“ — über 3000 Jahre soll er alt sein.

Unterwegs in den Süden lockt ein Restaurant am Straßenrand. Dutzende von Tellerchen und Schüsselchen werden aufgetragen, auf das Karussell in der Tischmitte gestellt. Und es muss nicht immer Schlange sein. Oder gerösteter Skorpion, die natürlich auch in Taiwan angeboten werden. Aufgetischt werden hier Reisnudelsuppe, Stinkender Bohnenkäse, eine Fülle variantenreich gewürzter Fleischbällchen und die ganze Palette an Maultaschen, mit Gemüse, Fleisch oder auch Schokolade gefüllt. Der Vielfalt sind keine Grenzen gesetzt. Und das Probieren macht immer Spaß, weil Taiwan ein Mikrokosmos aller Küchen Chinas ist.

Fo Gunag Shan ist eine buddhistische Klosterstadt nahe der Stadt Kaohsiung, in der über 1000 Novizen und Mönche, Schüler und Studenten den Mahayana-Buddhismus pflegen, die aber allen Gläubigen offensteht. Auf dem Gelände gibt es Meditationshallen, Tempel und Armenküchen, Schulen, eine Universität, und sogar eine klostereigene Fernsehanstalt.

Konzentration und Präzision erfordert das Praktikum in Sachen Kalligraphie: in der Schreibschule des Klosters bekommt jeder Gast eine Vorlage mit den chinesischen Schriftzeichen für „Freude“, „Friede“ und „Wohlergehen“, dazu Papier, Pinsel und ein halbgefülltes Glas schwarzer Tusche. Mehr braucht man nicht. Die ganze Welt in einem Tuschestrich!

Weitere Informationen

www.taiwantourismus.de

Am Wendekreis des Krebses, durch die Straße von Taiwan getrennt, liegt die Insel 130 Kilometer vor dem chinesischen Festland. Taifune sind hier Alltag. Am Ende des Bürgerkriegs nahm Shan Kai Shek die Goldvorräte des Landes und die meisten Kunstschätze mit. Im Nationalmuseum Taipeh gibt es mehr Kunst aus dem alten China zu bewundern als in Peking.

Nationalparks: Es gibt fünf große Nationalparks auf Taiwan: Keng Tin, Yushan, Yang-Ming Shan, Taroko und Shei Pa. Das Land unternimmt große Anstrengungen, Tierarten wie Leopard oder Zibetkatze das Überleben zu sichern.

Reisezeit und Klima: Am meisten Regen fällt in den Taifun-Monaten Juni bis August. Die beste Reisezeit für Bergwanderer ist im April und ab Oktober. 

Christoph Thoma

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