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Tour von der Stange in Nova Scotia

Kanadas Atlantikregion eignet sich perfekt für eine Mietwagen-Rundreise - 23.01.2016 08:00 Uhr

Der Leuchttum von Peggy´s Cove ist eines der häufigsten Fotomotive von Atlantik-Kanada. Er macht sich sogar im Nebel gut.

Der Leuchttum von Peggy´s Cove ist eines der häufigsten Fotomotive von Atlantik-Kanada. Er macht sich sogar im Nebel gut. © Gudrun Bayer


Das Urlaubsglücksgefühl brachte mich in einem Moment zum Schreien, in dem es von außen betrachtet, gar nichts zum Glücksschreien gab. Im Irgendwo zwischen Mahone Bay und South Milford. Oder vielleicht war es auch zwischen Whycocomagh und Grand Étang. Auf einer dieser geraden, ins Unendliche führenden Straßen jedenfalls, auf denen es in so tiefen Wellen auf und ab geht, dass der Blick von einer Spitze zur nächsten reicht, aber das andere Auto im Tal gar nicht erfassen kann.

Da also hatte ich Lust zu Schreien, was ja kein Problem ist, wenn man im eigenen Auto sitzt und einen sonst keiner hört. Meine Beifahrerin erschrak ein wenig. Die Sorge, ich könne das Lenken vergessen, war ihr anzusehen. Dann verstand sie und lächelte. Weil es auch ihr gefiel, durch diesen einsamen Landstrich zu rollen. Kanadisch-entspannt — in Deutschland würde man langsam dazu sagen — und mit der Möglichkeit, jederzeit zu halten und sich anzuschauen, was man will.

Der Ärger brachte uns allerdings beide in Moncton zum Schreien, als wir wieder, wieder und wieder durch die gerade mal 70.000-Einwohner-kleine Großstadt fuhren und den Weg zum Magnetic Hill nicht fanden. Zu einem Hügel, den Autos angeblich wie von einem Magneten rückwärts hochgezogen werden und von dem es im Reiseführer hieß, man könne den penetranten Hinweisschildern darauf gar nicht entkommen. Wir konnten.

Dann fanden wir das Hügelchen doch noch. Aber ganz ehrlich: Wirklich heben konnte es unsere Stimmung nicht.

Es war jedoch eine der wenigen Enttäuschungen in den 14 Tagen, in denen wir mit dem Leihwagen durch die kanadische Atlantik-Provinz Nova Scotia fuhren — mehrtägige Abstecher in die Nachbarprovinz New Brunswick und auf die Prinz-Edward-Insel eingeschlossen.

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Stuhl für Stuhl durch Nova Scotia

Er heißt Adirondack Chair, ist wirklich sehr bequem und hat sogar ein eigenes Museum. Und zwar im US-Staat New York, wo er um 1900 herum eigentlich erfunden wurde. Irgendwann gelangte der bequeme Stuhl nach Kanada. Und aus irgendeinem Grund glauben die Kanadier, es sei ihr Nationalstuhl. Etwas echt Kanadisches. Daher lieben sie ihn. In der Atlantik-Provinz Nova Scotia zum Beispiel begegnet einem der bunte Adirondack Chair überall.


Mit einem Rundreisepaket von der Stange, Kostenpunkt einschließlich Mietauto etwa 1300 Euro pro Person, hatten wir uns die Organisation der Reise einfach gemacht. Mit vom Veranstalter ausgesuchten und vorgebuchten Hotels, was dann in der Praxis auch die Fahrtroute bestimmt.

Das Reisefieber begann, als ein paar Wochen vor dem Abflug die Unterlagen kamen. Ein dickes Paket mit Reiseführer, Gutscheinen für Unterkünfte und Leihwagen, drei Karten (je eine für Nova Scotia, New Brunswick und P.E.I.) und einer 36-seitigen Routenbeschreibung. Stundenlang knieten wir am Wohnzimmerboden; eine las die Beschreibung vor, die andere versuchte, das Vorgelesene mit Textmarker in die Karte einzuzeichnen. Beim Text auf Seite 36 kam der Stift tatsächlich beim Ausgangspunkt, der Provinzhauptstadt Halifax, wieder an. Eine wichtige Erkenntnis, ein Navi enthielt das Paket schließlich nicht. Wollten wir auch gar nicht.

Ein paar Wochen später ging’s am Flughafen von Halifax los. Im Dunklen. Mit Nebel. Und Regen. Und in einem Auto, das viel größer war, als wir es uns eigentlich gewünscht hatten. Sehr sinnvoll, wie sich während der insgesamt 3000 Kilometer, die wir in zwei Wochen fuhren, zeigte. Aber erstmal erzeugte der Anblick des SUV Respekt. Vor dem Auto, vor dem Vorhaben insgesamt. Und dann war auch noch die Einfallsstraße vom Flughafen in die Stadt gesperrt. Erste Herausforderung für die navigierende Beifahrerin. Bestanden.

Nebel und Sprühregen blieben uns eine Woche lang erhalten. Ein bisschen drückte das schon aufs Gemüt. Ließ den Leuchtturm von Peggy’s Cove nicht ganz so malerisch wirken, wie auf den Werbefotos. Verkürzte den Bummel durch das 1753 von Auswanderern aus Rheinland-Pfalz besiedelte Lunenburg. Verkürzte auch die Kanutour im Kejimkujik-Nationalpark.

Kojote auf Insektenjagd

Doch zur Halbzeit schaltete das Wetter um. Auf Sonne pur. Und so holten wir uns einen Sonnenbrand bei der Wanderung im Cape Breton Highlands Nationalpark, bei der wir statt des herbeigesehnten Elchs einem Insekten fangenden Kojoten begegneten. Bretterten in einem Motorschlauchboot über den spiegelglatten Atlantik zum Wal-Beobachten – sahen dabei tatsächlich Seelöwen und einen Zwergwal. Und wühlten beim Picknick mit den Zehen im warmen Sand an einem der zahllosen fast menschenleeren Atlantik-Strände.

Meer und Wald - das ist Cape Breton, die Insel im Osten von Nova Scotia.

Meer und Wald - das ist Cape Breton, die Insel im Osten von Nova Scotia. © Gudrun Bayer


Eine Rundreise durch Nova Scotia, das haben wir dabei erlebt, ist wie eine Rundreise durch Europa. Nicht nur, weil die Halbinsel nach den Mi´kmaq ab dem 16. Jahrhundert erst von den Franzosen und dann von den Briten geprägt wurde. Sondern weil die Landschaft mal den Hochmooren Schottlands, mal den Klippen Helgolands, mal den Fjorden Schwedens und Norwegens, mal der Küste Frankreichs, mal dem Schwarzwald, mal der fränkischen Weinbauregion gleicht.

Und weil in diesem Artikel bisher noch gar nicht von den Menschen die Rede war: Die Einwohner Nova Scotias sind freundlich, offen, zugewandt und hilfsbereit. Was vor allem in Situationen wichtig war, in denen wir ein passendes Restaurant suchten. Oder vor einem geschlossenen Infocenter standen.

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Europa mit kanadischem Akzent

Zwei Frauen, ein Auto, zwei Wochen Zeit. Begleiten Sie uns auf unserer Rundreise durch die kanadische Provinz Nova Scotia.


Denn das, so das Fazit im Bezug auf das Rundreisen-Paket, hat ein wenig gefehlt: Dass die umfangreichen Informationen und Tipps genauer auf die individuelle Reisezeit — bei uns Nachsaison — abgestimmt sind. Alles in allem aber bewährte sich die Rundreise von der Stange als perfekt für den Einstieg in ein Land, das man zum ersten Mal besucht und von dem man viel sehen will.

Unsere Route:

Halifax, Mahone Bay-Indian Point, Caledonie-Kempt, Wolfville, Little Shemogue, Charlottetown, Baddeck, Ingonish Ferry, West Bay, Charlos Cove, Halifax

 

Weitere Informationen:

Bei Nova Scotia Tourism

www.novascotia.com

und bei Dertour, das diese Reise unterstützt hat

www.dertour.de

Preisbeispiele für Noca-Scotia-Reisen mit Dertour:

Pauschalreise:
Condor Flug ab/bis Frankfurt 15-tägige Mietwagenreise „Klassisches Atlantik Kanda“, ab/bis Halifax inklusive Besuch eines Weinguts, 14 Übernachtungen im Doppelzimmer in Mittelklassehotels, Besuch des Weinguts „Grand Pré“ sowie Alamo-Mietwagen für die Dauer der Tour. Preis pro Person ab EUR 2230.

Rundreise: Preis pro Person ab EUR 1049.

Mietwagen für die Dauer der Tour: Ab EUR 454 (Sprit geht extra)

Flug: Condor ab/bis Frankfurt ab EUR 954 pro Person. 

Gudrun Bayer

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